Mittwoch , 19. September 2018
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Wichmannsburg
Sie will, dass die Menschen in ihrem Ort wieder näher zusammenrücken: Wichmannsburgs neue Ortsvorsteherin Kathrin Ellenberg. (Foto: privat)

„Ja“ zu Wichmannsburg

Wichmannsburg. Einmal ist sie fremdgegangen. Kathrin Ellenberg nippt mit entschuldigender Miene an ihrem schwarzen Kaffee. Einmal hat sie dem geliebten Wichmannsburg den Rücken gekehrt, um sich ins Abenteuer Berlin zu stürzen, wo es zu laut und zu hell war und ihre Sehnsucht nach der Heimat schon nach wenigen Jahren kaum noch erträglich.

Jetzt ist der Seitensprung Geschichte. Am Donnerstag gab die 33-Jährige als neue Ortsvorsteherin von Wichmannsburg ihrer Heimat quasi erneut das Ja-Wort.

Damit tritt sie auch das Erbe ihres Vaters an. Denn bis zu seinem plötzlichen Tod im Frühjahr hatte Bernd Ellenberg das Amt inne. „Sein Tod hat tiefe Spuren hinterlassen“, sagt die junge Frau, tiefe Spuren in der Familie, aber auch in Wichmannsburg. Jetzt, so kurz nach ihrer Ernennung, werden die Erinnerungen wieder lebendig – an das gemeinsame „Brainstorming“ am elterlichen Esstisch, die Gestaltung von Flyern für den Dorfputztag und andere Aktionen, mit denen ihr Vater stets ein Ziel verfolgte: die Menschen in Wichmannsburg wieder zusammenzubringen. Dass sie dabei praktisch schon eine Grundausbildung zur Ortsvorsteherin genossen hat, war Kathrin Ellenberg damals nicht bewusst.

Eine Vermittlerin

Jetzt will sie darauf aufbauen – und ihren Nachbarn vor allem eines sein: eine Vermittlerin. Vermitteln will sie in innerörtlichen Konfliktsituationen, aber auch zwischen Politik und Einwohnern.

Nach ihrem ersten Besuch einer Bienenbütteler Ratssitzung am Donnerstag treibt sie eine Frage um: „Wie kann ich den Leuten die Politik näherbringen?“ Wie kann es sein, dass dort, wo über die Zukunft ihrer Heimat entschieden wird, nur zwei Einwohner im Publikum sitzen? „Wenn man sich nicht bemerkbar macht, kann man auch nichts ändern“, sagt die Immobilienkauffrau entschlossen und will getreu diesem Motto voraussichtlich im Herbst zu einer Bürgersprechstunde zu sich nach Hause einladen. Denn gerade jetzt, wo Wichmannsburg ein halbes Jahr lang nicht durch einen Ortsvorsteher vertreten wurde, würden sicher Themen zur Sprache kommen, die die Bürger bewegen. Davon ist sie überzeugt.

Doch vorher packt sie noch einmal das Fernweh: In ein paar Tagen geht‘s in den Flieger nach Kanada und sicher auch irgendwann mal wieder in die Hauptstadt. „Ich liebe Berlin“, sagt Kathrin Ellenberg, doch mit Wichmannsburg ist sie verheiratet.

Von Anna Petersen