Dienstag , 25. September 2018
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Fahrräder Bahnhof
Eine Rampe soll den Zugang zum Fahrradparkhaus Westbahnhof verbessern, das Radeln über das Bahnhofsgelände damit unnötig werden. (Foto: t&w)

Das Leuchtturmprojekt

Lüneburg. In Gänze gerechnet wird‘s fünfmal so teuer wie gedacht, doch wenn die Ideen der Verwaltung greifen, zahlt die Stadt am Ende selber nur noch die Hälfte. Das Ziel: Das Abstellen von Fahrrädern am Bahnhof soll sicherer und bequemer werden. Dafür müsse es Lüneburg schaffen, als Leuchtturmprojekt ausgewählt zu werden, sagt Verkehrsdezernent Markus Moßmann. Er hofft, dass die Konzeption aufgenommen wird in den Bundeswettbewerb Klimaschutz durch Radverkehr. 1,5 Millionen Euro habe man mithilfe einer auf Förderanträge spezialisierten Agentur beantragt, ein Zehntel müsse Lüneburg als Eigenanteil aufbringen.

Hoffnung auf Bundesförderung

Wie berichtet, hatte der Betreiber des Radspeichers, Malte Meyners, gemeinsam mit der Verwaltung Pläne erarbeitet, die das Parkhaus direkt am Hauptbahnhof sicherer machen sollten. Doch der Ansatz scheiterte im vergangenen Jahr, die Politik winkte ab, der Kostenansatz von rund 300 000 Euro erschien unter anderem den ansonsten radbegeisterten Grünen und Linken zu viel, das Modell nicht recht praktikabel. Schließlich müsse es schnell gehen, wenn die Pendler in großer Zahl zum Zug beziehungsweise nach ihrer Rückkehr wieder nach Hause strampeln wollen.

Allerdings sind Radfahrer arg gebeutelt. Tausende Räder parken täglich am Bahnhof, naheliegend, dass dort auch relativ viele gestohlen werden. 90 Diebstähle verzeichnete die Polizei dort von Jahresbeginn bis Ende Juli, im Vorjahreszeitraum waren es 59, im Jahr 2016 binnen sieben Monaten 109 und 2015 in der gleichen Zeitspanne 88.

Meyners betont, dass er im Auftrag der Stadt den Ticketverkauf und die Aufsicht erledige:. „Wir gehen schon durch die beiden Fahrradparkhäuser, aber das können wir nicht ständig.“ So setze man auf Kameratechnik. Doch seine Mitarbeiter könnten über Kameras und Monitore nicht ständig das Geschehen im Blick haben. Meyners: „Immer wieder stehen Kunden im Geschäft, die sich darüber ärgern, dass Diebe Sättel, Lampen oder Bremsen demontiert oder gar das Rad gestohlen haben. Und es melden sich bestimmt nicht alle.“

Wie berichtet, hatte es in der Vergangenheit regelrechte Klau-Serien gegeben: In einem Fall waren Täter mit einem Transporter vorgefahren, um abzuräumen. Eher zufällig stellte eine Streife der Bundespolizei die Täter.

Friedhof der Drahtesel

Ein Thema seien auch Räder, die ewig vor sich hinrosten, weil sie niemand abhole. Gebe es ein neues Zugangssystem, könnten die Liegezeiten auf dem Friedhof der Drahtesel beendet und mehr Platz geschaffen werden.

Nun soll es ein großer Wurf werden. „Wir stellen uns elektronische Zugangssysteme für beide Häuser vor“, sagt Dezernent Moßmann. Dazu sollen Anzeigetafel zur Belegung, eine bessere Beleuchtung und eine Photovoltaikanlage kommen. Der Zugang zum Parkhaus am Westbahnhof soll durch eine Rampe verbessert werden. Vom Haupthaus sei ein Brückenschlag zum Gleis 1 wünschenswert. Auch wolle man ein Leihsystem für Lastenräder einführen. Gibt es bislang in beiden Häusern gut 2000 Stellplätze, wolle man die Kapazität beispielsweise durch andere Abstellbügel erhöhen.

Dass in absehbarer Zeit etwas geschehen muss, liegt für Moßmann auf der Hand: „Der Zuzug nimmt zu, die Stadt wächst. Gerade wenn im Hanseviertel weitergebaut wird, werden Bewohner mit dem Zug auch nach Hamburg pendeln. Der Bahnhof ist mit dem Rad gut zu erreichen.“

Doch selbst wenn Berlin Lüneburg zum Leuchtturm in Sachen Rad auserwählt, dürfte das alles nicht reichen. Schon seit Jahren ist ein drittes Fahrradparkhaus ein Thema. Moßmann ist sicher: „Das ist nicht in weite Ferne gerückt.“

Von Carlo Eggeling