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Am heimischen Küchentisch können Mütter mit Migrationshintergrund die Moderatorinnen auch heikle Dinge fragen. Foto: t&w

Eltern-Talk trotzt Sprachbarriere

Lüneburg. Fünf Frauen sitzen gemeinsam am Tisch, die Stimmung ist ausgelassen. Sie könnten Freundinnen sein, einige von ihnen sind es inzwischen. Doch der Anlas s ihrer Zusammenkunft ist ein anderer: Sie treffen sich hier zum Eltern-Talk.

Projekt läuft über Spenden

Das landesweite Projekt richtet sich an alle Eltern von Kindern bis 14 Jahren, in Lüneburg insbesondere an solche mit Migrationshintergrund. Eltern-Talk möchte Mütter und Väter erreichen, die die Sprachbarriere noch am ungezwungenen Austausch mit anderen Eltern, Lehrern oder Erziehern hindert. Das Ziel: Erziehungskompetenzen zu stärken.

Das Projekt gibt es seit 2014, in den ersten drei Jahren hat das Land Niedersachsen es finanziert, seit 2017 läuft es ausschließlich über Spenden. „Seit wir hier gestartet sind, haben wir bislang mehr als 850 Eltern erreicht“, sagt Ria Salig vom Jugendmigrationsdienst der Arbeiterwohlfahrt Lüneburg.

Für ihre Arbeit benötigt die AWO Lüneburg pro Jahr 7000 Euro, gerade ist man dabei, das Geld für 2019 zusammenzubekommen.

Das Konzept ist einfach: Eine Mutter mit Migrationshintergrund lädt zu sich nach Hause ein, gemeinsam mit einer Moderatorin, die selbst Mutter ist und ihre Sprache spricht, sprechen sie dann im kleinen Kreis etwa zwei Stunden über die Themen, die den jeweiligen Eltern gerade unter den Nägeln brennen, zum Beispiel die Einschulung, Ernährung oder Altersbeschränkungen für Spielzeuge.

In Lüneburg gibt es neun Moderatorinnen mit verschiedenen Muttersprachen, die regelmäßig in dialogischer Gesprächsführung geschult werden. Einige von ihnen waren zuvor teilnehmende Mütter. Das Land Niedersachsen stellt außerdem Materialien für die Vor- und Nachbereitung.

Interessierte Eltern kommen auf die AWO zu, meist haben sie durch andere Teilnehmer von dem Projekt erfahren. Was allen besonders am Herzen liegt: Die Gespräche finden auf Augenhöhe statt und sind als Austausch gedacht, das sei auch das Erfolgsgeheimnis. „Niemand von uns möchte als Lehrerin betrachtet werden“, betont Moderatorin Eman El Mabayed. „Ich bin Mutter und ich bin Migrantin. Ich bin einfach schon länger in Deutschland, so dass die Mütter – oder Väter – von meinen bisherigen Erfahrungen profitieren können.“

Verunsichert vom Laternenumzug

Manches traue man sich einfach nicht zu fragen, wenn offensichtlich jeder Bescheid wisse. Da sei die Hemmschwelle bei Landsleuten geringer. Als klassisches Beispiel für ein immer wiederkehrendes Thema nennt Salig den Laternenumzug: „Das ist bei uns seit Generationen ein Selbstläufer, aber in anderen Kulturkreisen hat man davon noch nie etwas gehört!“

Lucy Grimme ist Regionalbeauftragte in Lüneburg. Sie betont: „ Die Eltern, die bei uns teilnehmen, haben keine Defizite, sondern sind nur verunsichert. Wir können hier viel Hilfestellung geben.“ Sie spricht von einer klassischen Win-Win-Situation, denn:

„Auch die Moderatorinnen profitieren sehr von ihrem Einsatz, dadurch wird ihr Selbstbewusstsein enorm gestärkt. Eltern-Talk ist auf einem ganz niedrigen Level wahnsinnig effektiv.“

von Lea Schulze

One comment

  1. eine sehr gute sache. sie sollte auch andere inspirieren. nicht übereinander reden, sondern miteinander reden sorgt für ein gesellschaftliches zusammenleben.