Aktuell
Home | Lokales | Spannend und unheimlich zugleich
Janne Fynn Heymeier steuert die Drohne, an der eine kleine Kamera befestigt ist. Durch die selbstgebastelte VR-Brille, in die er ein Smartphone gelegt hat, kann der Student sehen, was die Drohne sieht. Foto: t&w

Spannend und unheimlich zugleich

Lüneburg. Marcel Bolle hält quasi die Zukunft in seinen Händen, entsprechend behutsam geht er mit der Augmented-Reality-Brille um. Er reicht sie an einen Schüler weiter, hilft ihm, sie auf dem Kopf zu befestigen. Wer das schwarze Gestell trägt, sieht eine Apparatur, die mitten im Audimax des Libeskind-Baus steht. Diese kleine virtuelle Produktionsmaschine kann sogar aus der Ferne bedient werden. Die Technologie, die die Realität um digitale Inhalte erweitert, wird bislang hauptsächlich für Arbeitszwecke eingesetzt, erklärt der 20-Jährige. „Vor allem auf Messen, um sich Maschinen anzusehen, die dort aufgrund ihrer Lautstärke nicht aufgebaut werden dürfen.“ Im Rahmen einer Summer School haben die Studenten jetzt 80 Gymnasiasten aus den Jahrgangsstufen 11 und 12 zukunftsträchtige Themen nähergebracht: Neben den 3D-Brillen ging es um das Smart Home, also Sprachsteuerungsprogramme wie „Alexa“, E-Mobilität und Sensorik.

Technik 4.0

Das Konzept hinter dem Seminar hat Dr. Brit-Maren Block vom Institut für Produkt- und Prozessinnovation 2017 den Lehrpreis beschert. „Das Preisgeld hat mir die Möglichkeit gegeben, das dann auch wirklich stattfinden zu lassen“, sagt sie. Jetzt ist ein erster Durchgang mit 22 Bachelorstudenten gestartet, weitere sollen folgen.

Obwohl sie die Summer School unter das Thema „Technik 4.0“ gestellt hat, haben sich nicht nur angehende Ingenieure angemeldet. Studenten aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Umweltwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre haben das Konzept für das zweitägige Angebot ausgearbeitet und sich Projekte überlegt, die Schüler Einblicke in Themen geben, mit denen sie vorher wenig Berührung hatten. Ein Team hat zudem eine Homepage entwickelt, die für die Elft- und Zwölftklässler aus Lüneburg, Winsen und Harburg auch weiterhin geöffnet bleibt.

Im großen Hörsaal des Zen­tralgebäudes ist ein surrendes Geräusch zu hören, einige Meter über dem Kopf von Janne Fynn Heymeier (20) fliegt eine Drohne. Zur Belustigung der Schüler lässt er das fliegende Gerät Salti vollführen.

Was anderes als Schule

Der 17-jährige Henry Bauer durfte die Drohne auch schon steuern, die Aufregung klingt nach. „Da hat man schon Respekt, sowas kostet richtig Geld“, sagt er. Überhaupt ist der Schüler vom Gymnasium Oedeme davon angetan, dass er mit seinem Physikkurs an die Leuphana kommen durfte. „Das ist mal was anderes als Schule.“

Sieben Stockwerke höher sitzt eine andere Gruppe Schüler vor Laptops, sie arbeitet an einem sogenannten Arduino-Board. Es muss entsprechend bestückt werden, damit via App eine LED-Lampe aus der Ferne ein- und ausgeschaltet und farbgesteuert werden kann. Auch mit einem Erschütterungssensor beschäftigen sich die Jugendlichen, wackelt dieser, liefert er ein Alarmsignal ans Handy.
Etwas unheimlich finden Diana Sadowski (16) und Sandy Alqas Botros (19) das Thema Smart Home, es geht ihrer Meinung nach in Richtung Überwachung. Allerdings mit Einschränkungen. „Nachts nervt es mich tatsächlich, dass ich aufstehen und zum Lichtschalter gehen muss.“ Da würde die beiden gern „Licht an“ rufen.

von Anna Paarmann