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Skat
Markus Bohn (M.) zählt zu den erfolgreichsten Skatspielern der Welt. Und er lascht häufig auch seinen Vater Hilmar und Ehefrau Linda ab, hier bei einer Runde im Lüneburger „Lanzelot“. (Foto: t&w)

Reizen, Stechen, Sprücheklopfen

Lüneburg. „Asche!“ Die Stimmung am runden Tisch in der Kneipe ist im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig gereizt. Ein Schnaps hilft Hilmar Bohn, sich zu beruhigen. „Ich gebe ja nie auf“, sagt der 69-Jährige. „Ich reize manchmal auch etwas höher, auch wenn das bedeutet, dass ich der Schwiegertochter ins Messer laufe“, sagt er und wirft die Karten auf seiner Hand beiseite. Schon wieder mit Herz verloren. Schwiegertochter Linda Lecoq (47) kichert. Auch Sohn Markus Bohn (46) hat derweil gut lachen. Er ist hauptsächlich schuld, dass sein Vater und seine Frau nur wenige Stiche machen. Kein Wunder: Er gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Skatspielern. Ende vergangener Woche holte er den dritten Platz bei den Weltmeisterschaften in Berlin. Für die LZ inszenierte er jetzt eine kleine Familien-Skatrunde und offenbarte dabei, wie sehr ein Kartenspiel die Familienbande zusammenschweißt.

Karten fliegen im Dreier-Stakkato

„18 ?“ – „Ja!“ – „20 ?“ – „Neien!“ – „Ich auch nicht. Gute Reise!“ Die Bedienung fragt dazwischen: „Bestellung?“ – „Einen doppelten Kümmel.“ – „Noch was?“ – „Ich spiele Herz!“ Der Vater probiert‘s noch mal, der Schwiegertochter huscht erneut ein flüchtiges Lächeln übers Gesicht. Markus Bohn ist immer noch hochkonzentriert. Die Karten fliegen im Dreier-Stakkato auf die dunkle Holztischplatte und die Stiche werden ebenso schnell wieder abgeräumt. Auf der Fensterbank steht der Skat-Pokal von Markus Bohn für den dritten Platz der Skat-WM, wuchtig, über einen halben Meter hoch. Der Fußball-WM-Pokal ist dagegen ein kümmerlicher Staubfänger.

„Ich konnte vom Spieltisch aufstehen
und hatte mir Nichts vorzuwerfen.“
Markus Bohn , Dritter der Skat-WM

788 Skatspieler waren diesmal in Berlin zur alle zwei Jahre stattfindenden offenen Skat-WM zusammengekommen, ausgerichtet von der „International Skat Players Association“ (ISPA). Zuletzt hatte sie in Las Vegas stattgefunden, das nächste Mal wird sie in Kanada ausgetragen. Der Lüneburger Markus Bohn schaffte es in Berlin ins Finale der letzten 16, davon 15 Deutsche und ein Holländer. Weltmeister wurde schließlich ein Maik Neumann. Dennoch ist für den Lüneburger Bohn ein Traum in Erfüllung gegangen. „Ich konnte vom Spieltisch aufstehen und hatte mir Nichts vorzuwerfen“, sagt der mehrfache Deutsche Meister im Mannschaftsspiel zufrieden. Und immerhin gab es neben dem sehr großen Pokal noch ein Preisgeld in Höhe von 3000 Euro für den dritten Platz.

Angetreten war Bohn für seinen Skat-Verein „Winsener 8“. Alle 14 Tage treffen sich die mehr als 30 Mitglieder montags ab 18.30 Uhr im Hotel „Zum weissen Ross“ (Marktstraße 10) in Winsen zum Trainingsabend. Meist gehen Vater und Sohn dort gemeinsam hin. Vater Hilmar freut es, dass sein Sohn die Leidenschaft zum Skat-Spiel mit ihm teilt. Aber es gibt einen Wermutstropfen: „Seit Jahren kann ich im Verein nur noch Vizemeister werden, weil den Meistertitel immer ein anderer Herr beansprucht.“ Er schielt zu seinem Sohn rüber. Angefangen hat Markus Bohn mit dem Spiel in jungen Jahren.

Über den Platz für den Pokal wird noch verhandelt

Sein Vater erzählt: „Als er 16 war, wollten wir seinem Opa eine Freude machen, und sind mit ihm gemeinsam zum Preisskat gegangen. Markus wurde Erster, ich Zweiter und Opa immer Letzter.“ Mit seiner Frau Linda hat Markus Bohn die einstmalige Belgische Skat-Meisterin geheiratet. Kennengelernt haben sie sich vor neun Jahren bei der Skat-Champions Leauge in Jena und angebandelt nach der Europameisterschaft in Graz. Auch wenn sie es manchmal unangenehm findet, mit ihm zu spielen, planen sie ihre Urlaube so, dass sie gemeinsam an Turnieren teilnehmen können. Er sagt: „Meine Frau hat Potenzial, aber einen absoluten Dickschädel.“ Dafür muss er mit ihr umso härter verhandeln, wo er zu Hause den Pokal von der WM aufstellen darf. Er: „Sie meint, in der Flurecke wäre ein guter Platz.“ Sie: „Am liebsten würde er den Pokal mit ins Bett nehmen.“

Hintergrund

Klassische Skat-Sprüche

  • Aus dem Keller klingt es dumpf: Pik ist Trumpf!
  • Du kriegst Arthrose, Nierensteine oder Gicht, doch die Karten, die du willst, die kriegst du nicht.
  • Hast du Ass und 10 gesehen, sollst du von der Farbe gehen.
  • Wenn man einen kann, soll man einen nehmen.
  • Hinten sind die Enten fett.
  • Von jedem Dorf ein Köter (von jeder Farbe eine Karte).
  • Wer nicht weiß, wie und wo, der spielt Karo.
  • Beim Grand spielt man Ässe oder hält die Fresse.
  • Der hat ne Flöte (Alleinspieler mit vielen Karten einer Farbe).
  • Ein Herz hat ein jeder.
  • Dem Freunde kurz, dem Feinde lang.

Videos zum Thema gibt es im Netz unter www.LZplay.de

Von Dennis Thomas