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Toter Wolf
Ende August ist auf einem Rübenacker bei Dahlem ein erschossener Wolf gefunden worden. (Foto: Jürgen Borris)

Naturschützer erhöhen den Druck

Dahlem/Lüneburg. Im Fall des getöteten Wolfes sind jetzt 3000 Euro als Belohnung ausgelobt worden– für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen. Das Geld wird vom Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. (2000 Euro), vom Nabu-Kreisvorsitzenden Thomas Mitschke persönlich (500 Euro) und von der Facebook-Gruppe Wölfe aus Hamburg/Norddeutschland (500 Euro) zur Verfügung gestellt.

Wie berichtet, war der Kadaver des Rüden am 25. August auf einem Rübenacker bei Dahlem gefunden worden. Bei forensischen Untersuchungen im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin hatten die Tiermediziner ein Teilmantelgeschoss sichergestellt. Ein Beweis dafür, dass der Wolfsrüde erschossen worden ist. Die Polizei geht daher von einer gezielten illegalen Tötung aus.

Für den Nabu-Kreisvorsitzenden Thomas Mitschke, ist der Fall des erschossenen Wolfes aber nicht nur ein Fall für die Polizei, sondern auch für die „Jägerschaft Lüneburg und dessen Vorstand. Ich erwarte, das man sich zu dieser Straftat positioniert, diese verurteilt, sich von den Tätern distanziert, ein Zeichen setzt, in der Öffentlichkeit, auf der Homepage“, macht Mitschke unmissverständlich deutlich, „kollektives Schweigen heißt dulden und wer diese Straftat totschweigt, ist falsch in seinem Amt oder seiner Funktion“, baut der Lüneburgs Nabu-Kreisvorsitzender Druck auf.

Jägerschaft warnt vor voreiligen Schlüssen

Bei der Jägerschaft Lüneburg indes ist man erstaunt darüber, dass sich der Nabu offenbar schon auf einen Jäger als Todesschützen festgelegt hat: „Wir wissen doch noch gar nicht, wer den tödlichen Schuss abgegeben hat“, warnt Kreisvorsitzender Christian Voigt vor einer vorschnellen Festlegung auf einen Täter: „Für uns gilt das gleiche Prinzip wie bei einem Wolfsriss“, mahnt Voigt. „Hier werde auch sehr genau darauf geachtet , dass man sich nicht vorschnell auf den Wolf als ‚Täter‘ festlege, solange der endgültige Beweis durch die DNA-Probe noch ausstehe.“ Diese Fairness erwartet der Kreisvorsitzende der Jägerschaft jetzt auch im Fall des erschossenen Wolfes.

„Wer sagt uns denn, dass der Täter tatsächlich ein Jäger war?“, fragt Voigt, der auch fest davon überzeugt ist: „Kein Jäger schießt mit Vorsatz auf einen Wolf!“ Eine Vorverurteilung zum jetzigen Zeitpunkt, an dem die Ermittlungen der Polizei noch ganz am Anfang stehen, hält er daher für gefährlich. Statt wilde Spekulationen in den Raum zu stellen, müsse zunächst der Polizei Zeit für ihre Ermittlerarbeit gegeben werden. Die Fahnder stehen noch am Anfang: „Es gibt noch keine weiteren Erkenntnisse“, betonte gestern auf LZ-Anfrage Polizeisprecherin Antje Freudenberg.

„Dann wird zu Mitteln gegriffen, die wir alle nicht wollen.“
Torsten Broder , Kreisumweltbeauftragter

„Die illegale Tötung eines Wolfes ist ganz klar zu verurteilen“, positioniert sich auch der Kreisumweltbeauftragte Torsten Broder, der im Gespräch mit der LZ aber auch die Frage in den Raum stellt: „Wo endet der Naturschutz, wo beginnt der Menschenschutz?“ Nicht zuletzt aufgrund der größer werdenden Wolfspopulation in Deutschland sieht Broder die Politik in der Pflicht, Lösungen zu entwickeln, „die ein konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Wolf ermöglichen.“ Auch wenn niemand wolle, dass der Wolf wieder komplett vertrieben werde. Aber was passiert, wenn die Politik dieses Problem immer weiter vor sich herschiebt, zeige der Fall in Dahlem: „Dann wird zu Mitteln gegriffen, die wir alle nicht wollen!“

Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren

Und was sagt Landrat Manfred Nahrstedt (SPD)? „Wer einen Jagdschein besitzt weiß, dass Wölfe in Europa einen besonderen Schutzstatus haben. Ich habe daher wenig Verständnis dafür, wenn ein erschossener Wolf bei uns im Landkreis gefunden wird. Sollte jemand ohne Jagdschein geschossen haben, fände ich die Tat noch schlimmer. Ich hoffe, dass die Polizei den Schützen findet.“

Insgesamt wurden in Niedersachsen bislang 46 tote Wölfe bekannt, sieben davon waren illegal getötet worden. Für die illegale Tötung eines Wolfs sieht das Bundesnaturschutzgesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Von Klaus Reschke

13 Kommentare

  1. Wer sagt uns denn, dass der Täter tatsächlich ein Jäger war?“, fragt Voigt, der auch fest davon überzeugt ist: „Kein Jäger schießt mit Vorsatz auf einen Wolf!“
    witz komm raus, du bist umzingelt. das bermudadreieck der luchse in bayern spricht bände. dort werden die erschossenen luchse an den straßenrand gelegt, damit es so aussieht, als ob sie überfahren wurden.

  2. Wenn angewandte Ideologien die Bevölkerung übermäßig drangsalieren, steigt der Druck im Kessel, bis es kracht. Die messianische Überhöhung der Wolfsankunft wird vermutlich noch so manchen Schuss Realismus auslösen.

    • sehr nett formuliert, nur, eine straftat bleibt trotzdem eine straftat. und nur, weil man angst vor der natur hat, ist das schießen nicht erlaubt.

  3. Wer läuft denn sonst mit Jagdmunition bewaffnet durch den Wald und kann auf Entfernung einen Wolf finden und treffen? Tante Erna aus dem Kiosk von nebenan vielleicht? 🤔
    Bei den bisher gefundenen Wölfen wurde immer wieder „Jagdmunition“ erwähnt. Und wer positioniert sich öffentlich ständig gegen die großen Beutegreifer? Neben dem DBV eben auch die konservativen Jäger. Die wissen nichts über diese Tiere, nicht einmal das diese ihre besten Kumpanen sind, hält der Wolf das Wild doch vital und gesund. Die konservative Jagd hat lange schon keine Berechtigung mehr. Jeder der sich auskennt sagt das und kann dies auch begründen.

  4. Die Jäger sind erst wieder gefragt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und die Wolfspopulation überhand genommen hat, so dass es zu ernsthaften Problemen kommt. Ich verstehe einfach die Blauäugigkeit derjenigen nicht, die den Wolf über alles stellen. Der Wolf ist klug, er verliert die Scheu vor dem Menschen, wenn keine Gefahr von diesem ausgeht. Warum bedient er sich am bequem gedeckten Tisch der Weidetiere, anstatt in Wald und Flur zu jagen? Es entstehen immer mehr Rudel. Wohin sollen die denn? Wacht endlich auf! Der Wolf soll nicht wieder ausgerottet werden, aber er muss in seinem Bestand begrenzt werden und wieder lernen, dass er dem Menschen besser wieder aus dem Weg geht. Im Übrigen bin ich kein Jäger.

    • AV
      Warum bedient er sich am bequem gedeckten Tisch der Weidetiere, anstatt in Wald und Flur zu jagen?

      ganz einfach, wölfe sind schlau und nutzen die dummheit der menschen gern aus. wer aber die welt beherrschen will, kann sich auf die dauer keine dummheit leisten. wir haben in unseren wäldern keine so großen beutetiere, die für große wolfsrudel ausreichen würden. und somit werden auch keine entstehen. wer auf sein eigentum aufpasst verhindert somit eine menge wölfe, ohne sie erst töten zu müssen. der straßenverkehr tut eh sein übriges dazu. sein bestand begrenzt sich von allein.

      • Eben. Wölfe sind klug und lernen, dass sie nichts zu befürchten haben. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und ausgedehnte Flächen schaffen, wo Wolf und Mensch sich nicht begegnen. Deutschland ist nun mal zersiedelt, dort ist kein Platz für viele Wölfe. Dumm ist der, der die Probleme nicht kommen sieht! Leider trifft es dann die falschen.

        • „die Falschen“ natürlich

        • Eben. Wölfe sind klug und lernen, dass sie nichts zu befürchten haben. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und ausgedehnte Flächen schaffen, wo Wolf und Mensch sich nicht begegnen
          wer fordert sowas? ich habe nichts dagegen wölfen zu begegnen. da dieses in der zukunft wahrscheinlich eh nicht passieren wird, finde ich, man sollte rotkäppchen und der wolf endlich ad akta legen.

    • AV
      Jäger schaffen Probleme anstatt sie abzuschaffen. Man kann es bei Waschbären und Wildschweinen gut erkennen. Machen sie sich doch mal schlau , ohne die Frösche zu fragen, deren Teich trocken gelegt werden sollte.

      • Wir müssen die Themen hier nicht durcheinander bringen. Trockenlegung von Feuchtgebieten stehen auf einem ganz anderen Blatt. Naturschutz liegt mir am Herzen. Aber mit dem Wolf wird es zu großen Problemen kommen, wenn nicht eingegriffen wird.

        • Aber mit dem Wolf wird es zu großen Problemen kommen, wenn nicht eingegriffen wird.
          und wer macht wohl wirklich die probleme? der wolf? mit dem wolf lebt es sich meiner meinung nach besser, als ohne. wehe der mensch greift in die natur ein. als naturfreund sollten sie dieses doch wissen, oder? die wolfprobleme werden von menschen suggeriert und dieses leider auf die dauer immer erfolgreicher. die menschen, die angst haben, solidarisieren sich. und warum haben die menschen angst? weil sie immer weniger von der natur wissen. mit dem wolf wird es keine probleme geben. nicht mehr, als mit unserem straßenverkehr, jede wette.