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Patrick du Mont legt in Bardowick einen Pferdekopf frei. Foto: behns

Geheimnisse und Rätsel in der Tiefe

Bardowick. Ein abgeschnittener Pferdekopf unter der Bettdecke ist eine untrügliche Botschaft der italienischen Mafia, das ist seit dem Filmklassiker „Der Pate“ bekannt. Um aber die Bedeutung des Pferdeschädel zu erfassen, den am Dienstag Grabungstechniker Patrick du Mont in Bardowick freigelegt hat, ist hingegen archäologischer Spürsinn gefragt. Der Schädel ist ein weiteres Fundstück in dem mittelalterlichen Puzzle, das Archäologen seit Mitte August in der Bardowicker Bäckerstraße zusammenzusetzen versuchen. Neben neuen Befunden gibt es nun auch eine Möglichkeit für jedermann, die rund 2200 Quadratmeter große Grabungsstelle genauer anzuschauen. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, wird es von 11 bis 17 Uhr sogar stündliche Führungen geben. Die Grabungsfläche in der Bäckerstraße ist nur wenige Gehminuten vom Lidl-Markt in der Großen Straße entfernt. Es ist nur eine Besichtigungsmöglichkeit von vielen an diesem Tag.

Hinweise auf wirtschaftliches Zentrum

Neben der kürzlichen entdeckten Knochengrube in Bardowick (LZ berichtete), fanden Grabungstechniker nun einen auf dem Kopf liegenden Pferdeschädel. Die Knochengrube hatte Bezirksarchäologe Dr. Mario Pahlow bereits als eine Lagerstätte eines möglichen Knochenschnitzers eingeordnet, der dort im Mittelalter seinem Handwerk nachgegangen sein mag. Unterstützt wird die Hypothese vom Fragment eines Knochenkamms, das auf der Fläche gefunden wurde. Es ähnelt einem Fundstück aus der Grabung 2008 in der Steinstraße. Pahlow sagt: „Es handelt sich um einen sogannten Dreilagenkamm: Er besteht aus zwei Seitenteilen, die aus Rippen gefertigt wurden, und dazwischen die Zinken.“ Im 10. Jahrhundert habe so ein Kamm durchaus zur üblichen Ausstattung zur Körperhygiene gehört.

Zudem fanden die Archäologen „zahlreiche Brunnen, teilweise mit schöner Holzerhaltung“. Pahlow weiter: „Das sind weitere Hinweise, dass wir uns mit der Grabung im wirtschaftlichen Zentrum des historischen Bardowicks befinden.“ Ungewöhnlich sei auch die hohe Zahl von Scherben slawischer Keramik, die die Bedeutung Bardowicks als Handelsort des fränkischen Reiches mit den Slawen untermauert.

Mehr Informationen zum „Tag des offenen Denkmals“:

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von Dennis Thomas