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Inklusion
An vielen Schulen kommt die Inklusion noch nicht richtig in Gang, häufig fehlen vor allem zusätzliche Fachkräfte. (Foto: t&w)

Schulen brauchen mehr Unterstützung

Lüneburg. Manchmal passt es einfach. So beim Thema Inklusion an Lüneburger Schulen. Hier läuft offenbar noch nicht alles rund, wie kürzlich im Rat der Stadt deutlich wurde. Anlass war ein Antrag der SPD-Fraktion für eine Resolution, die Oberschulen in Niedersachsen zu stärken. Die Jamaika-Gruppe intervenierte, für sie ging der SPD-Antrag noch nicht weit genug. Jetzt bekommt der Rat unverhofft Rückendeckung von der Bertelsmann-Stiftung.

Dringend mehr Unterstützung bräuchten Schulen und Lehrer, um Schülern mit und ohne Lern-Handicap in einer Klasse gerecht zu werden. Diese Konsequenz zieht laut „Spiegel Online“ der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, Jörg Dräger, in einer Vorberichterstattung zu einer am Montag veröffentlichten Studie des Bildungsforschers Prof. Dr. Klaus Klemm. Der Wissenschaftler war im Auftrag der Stiftung der Frage nachgegangen, was sich in Sachen Inklusion in den letzten Jahren in Deutschland getan hat. Sein Ergebnis: Das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf komme zwar bundesweit voran, dennoch gebe es große regionale Unterschiede. Auch bei den verschiedenen Förderschwerpunkten gebe es Entwicklungen nach oben und unten.

Sozialdemokraten wollen Lernqualität verbessern

Laut der am Montag veröffentlichten Studie ist die Exklusionsquote – sie besagt, wie viele Schüler noch auf Förderschulen gehen, also exklusiv unterrichtet werden – zwischen dem Schuljahr 2008/09 und dem Schuljahr 2016/17 bundesweit von 4,9 auf 4,3 Prozentpunkte gesunken. Die höchste Exklusionsquote hat Mecklenburg-Vorpommern mit 6,0 Prozent, Bremen mit 1,2 Prozent die niedrigste. In Niedersachsen sank die Quote von 4,4 auf 3,4 Prozent.

Runterbrechen auf die Region Lüneburg lasse sich die Exklusionsquote aber nicht, wie Klemm gegenüber der LZ erklärte. „Dies ist wegen der genauen Zuordnung von Schülern zu einzelnen Schulformen nur in größeren Zusammenhängen möglich.“ Hier könne lediglich der Inklusionsanteil angegeben werden, der aber laut Klemm für die Darstellung, wie viele Schüler noch auf Förderschulen gehen, ein verfälschtes Bild abgebe.

Klaus-Dieter Salewski fühlt sich von den Ergebnissen der Studie und den daraus gezogenen Forderungen nach mehr Unterstützung für die Schulen bestätigt. „Die Studie zeigt, dass unsere Intention richtig war“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Ziel des Resolutions-Antrags seiner Fraktion war es, beim Land mehr Druck zu machen, um die Lernqualität an den Oberschulen zu verbessern. Konkret wurden eine bessere Lehrerausbildung, kleinere Klassenstärken, Verstärkung bei der Schulsozialarbeit sowie zusätzliche Kräfte für Sprachförderschulen, Inklusion und Integration gefordert.

Jamaika-Gruppe: Inklusion ist Sache aller Schulformen

Der Jamaika-Gruppe ging das nicht weit genug. In ihrem Änderungsantrag übernahm sie zwar sämtliche Forderungen der SPD, ersetzte den Begriff „Oberschule“ aber durch „alle Schulen“. Inklusion, so die Begründung, sei nicht nur eine Angelegenheit der Oberschulen. Diese würden dann auch in die Rolle einer „Restschule“ gedrängt werden.

Unterstützung für den Jamaika-Antrag kam von Michèl Pauly (Linke), den Ansatz der SPD bezeichnete er als „Widerspruch in sich“.

Die AfD lehnte beide Anträge ab, „wir waren von Anfang an gegen die Inklusion“, erklärte Fraktionschef Gunter Runkel. Am Ende gab es gegen die Stimmen der AfD und mit den Stimmen der SPD eine breite Mehrheit für den Jamaika-Antrag.

Von Ulf Stüwe