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Sozialarbeit an Grundschulen
Schon lange als Schulsozialarbeiterin im Einsatz ist Birge Schlichting. Zunächst war sie an den Grundschulen in der Samtgemeinde Scharnebeck tätig (wie auf dem Archivbild in Hohnstorf). Inzwischen arbeitet sie an der Oberschule am Katzenberg in Adendorf als Beschäftigte des Landes. (Foto: t&w)

Eine Frage des Geldes

Lüneburg. Kurz vor Beginn der Haushaltsberatungen für das kommende Jahr hat die Lüneburger Kreisverwaltung im Jugendhilfeausschuss den Blick der Kreistagsabgeordneten auf ein in den vergangenen Jahren viel diskutiertes Thema gelenkt: die Sozialarbeit an Grundschulen. Über den Sinn wird schon lange nicht mehr gestritten, wohl aber über die Finanzierung.

Mit jährlich 490 000 Euro springt derzeit noch der Landkreis in die Bresche. Allerdings nur bis zum Jahresende. Weil Hannover bereits vor einiger Zeit Entgegenkommen signalisiert, die Schulsozialarbeit auch an Grundschulen als Aufgabe des Landes anerkannt hat, will der Landkreis seinen Mittelansatz im kommenden Jahr auf 280 000 Euro herunterfahren. Das Problem: Die Umsetzung des Landesversprechens dauert. 2019 wird das Land nicht so viele Sozialarbeiter einstellen, wie benötigt werden. Auch hat der Landkreis Lüneburg ein System etabliert, dass Verwaltung und Politik vorbildlich nennen, das Hannover in dieser Form aber sicher nicht übernehmen wird.

Land hat kein Konzept für die Zeit nach 2021

2012 hatte der Landkreis Lüneburg als einer von wenigen in Niedersachsen die Schulsozialarbeit an Grundschulen eingeführt – finanziert aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepaketes des Bundes. Rund 1,7 Millionen Euro für drei Jahre standen Stadt und Landkreis Lüneburg zur Verfügung. Mitte 2015 war der Topf leer, übernahm der Kreis zum ersten Mal die Finanzierung. Im Dezember 2016 folgte im Kreistag eine weitere Verlängerung um zwei Jahre bis Ende dieses Jahres. In der Hoffnung, dass sich das Land bis dahin auf dem Weg gemacht hätte, die Schulsozialarbeit zu übernehmen.

Was in der Folge auch geschehen ist. Nur nicht in der Geschwindigkeit, auf die der Kreis gehofft hatte. Während der Landkreis in seiner Vorlage für den Jugendausschuss noch davon ausgeht, dass niedersachsenweit „ab dem 1. Januar 2019 jährlich jeweils 150 pädagogische Fachkräfte im Bereich der sozialen Arbeit in Schulen eingesetzt werden“, antwortet das Kultusministerium in Hannover auf eine entsprechende Anfrage der LZ: „Für das Jahr 2019 ist ein weiterer Ausbau mit 70 Vollzeitstellen vorgesehen.“

Grundlage sei eine Vereinbarung mit den kommunalen Spitzenverbänden aus dem Jahr 2016. Diese sehe die Schaffung von 200 Vollzeiteinheiten von 2019 bis 2021 vor. Mit Blick auf die Zeit danach heißt es aus Hannover: „Ein weiterer Ausbau nach 2021 wird zu gegebener Zeit zu thematisieren sein.“ Im Klartext: Einen Plan gibt es noch nicht.

Ball liegt wieder im Feld des Landkreises

Insgesamt beschäftigt das Land derzeit 1080 Sozialarbeiter, nur vier von ihnen arbeiten an Grundschulen im Landkreis Lüneburg. Zwar sollen laut Kultusministerium 2019 bis 2021 weitere hinzukommen, nur muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die avisierten 200 Stellen zusätzlich kaum reichen, um den Bedarf zu decken. Folglich liegt der Ball wieder im Feld des Landkreises.

Der zuständige Fachdienstleiter Martin Wiese warnte im Jugendausschuss jedoch vor Panik: „Die eingeplanten 280 000 Euro reichen bis Mitte 2019.“ Ziel sei ein Beschluss im Rahmen des Haushaltsplanes 2019. Und der soll im Dezember vom Kreistag verabschiedet werden.

Sorgen um die Sozialarbeit an ihren Grundschulen müssen sich Lehrer und Eltern kaum machen. „Wir haben ein funktionierendes System, das vorbildlich ist im Land“, sagte Nicole Ziemer (SPD) und legte gleich eine Forderung nach: „Hannover soll uns das Geld geben, das wir brauchen, den Rest machen wir allein.“

Schulleiter wäre weisungsbefugt

Doch darauf wird sich das Land kaum einlassen. Auch weil der Landkreis Lüneburg das Geld für die Schulsozialarbeit an Grundschulen den jeweiligen Sozialraumträgern überweist, die bei ihnen beschäftigte Sozialpädagogen in die Schulen schicken. Zahlt das Land, wäre der jeweilige Schulleiter den Fachkräften gegenüber weisungsbefugt.

Im Landkreis Lüneburg ist Amelinghausen eine von zwei Samtgemeinden, die selbst Träger ihres Sozialraumes ist. Bürgermeisterin Claudia Kalisch mahnte zur Eile beim weiteren Vorgehen: „Ende September laufen viele Verträge aus, die Fachkräfte sind dann weg.“ Denn Sozialpädagogen werden in vielen Bereichen händeringend gesucht.

Für Sprengstoff wird in den kommenden Monaten vermutlich aber noch eine weitere Vorgabe des Landes sorgen: Vorgesehen ist offenbar, dass beim Einsatz der Schulsozialarbeiter nur diejenigen Grundschulen berücksichtigt werden, die bereits Ganztagsschule sind oder einen entsprechenden Antrag gestellt haben.

Hintergrund

Schulsozialarbeiter des Landes

Das Land Niedersachsen beschäftigt insgesamt 1080 Schulsozialarbeiter an allen Schulformen. Mit 315 sind die meisten Fachkräfte an Oberschulen eingesetzt, gefolgt von Gesamtschulen (186) und Grundschulen (183).

Das Land zahlt für seine Schulsozialarbeiter in diesem Jahr rund 50 Millionen Euro, weitere vier Millionen Euro kommen durch die für 2019 geplanten 70 weiteren Vollzeitstellen hinzu.

Das Land schafft 25 weitere Vollzeitstellen 2019 für Schulen mit besonderen sozialen Herausforderungen im Rahmen des Programms Schule [PLUS].

Von Malte Lühr