Mittwoch , 26. September 2018
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Punktesystem
Bereits im vergangenen Dezember haben Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack (l.) und Bauamtsleiter Christian Ninnemann das Areal am Papageienweg unter die Lupe genommen. (Foto: pet)

Zeigen, dass es anders geht

Adendorf. Bezahlbarer Wohnraum – das ist schon ein abgenutztes Wort, doch die Adendorfer Politiker haben ein ganz neues Konzept entwickelt. Für die Grundstücke und Wohnungen in dem neuen Baugebiet am Papageienweg müssen sich Interessenten nämlich gemäß einer Vergaberichtlinie bewerben. Es ist ein Projekt, bei dem Politik anders denkt: Nicht nur Einkommen und Vermögen sind ausschlaggebend, sondern auch ehrenamtliches Engagement vor Ort, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit.

Ziel ist bezahlbarer Wohnraum

„Uns ist es wichtig, in guter Lage zu den Infrastruktureinrichtungen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, macht Bürgermeister Thomas Maack deutlich. „Wir wollen damit nicht den Markt verändern, sondern vor allem zeigen, dass es auch anders geht.“

Auf dem 40 000 Quadratmeter großen Gelände entstehen etwa 60 Wohneinheiten, davon vier Mehrfamilienhäuser. Die zwischen 300 und 700 Quadratmeter großen Grundstücke werden zu Preisen deutlich unter dem Bodenrichtwert abgegeben, die 20 Wohnungen gemäß den Richtlinien des sozialen Wohnungsbaus vermietet.

Der Weg dahin war lang. Schon im Jahre 2016 hatte die Gemeinde das Gelände am Papageienweg für rund 650 000 Euro mit der Absicht gekauft, hier planerisch einen Lückenschluss im Norden zu schaffen. Sozial und ökologisch sollte es werden – eine neue Kombination, die viele planerische Extras bedeutete.

Der ökologische Aspekt zeigt sich vor allem darin, dass das Ausgleichsgrün im B-Plan bleibt und nicht irgendwo in der Gemeinde angepflanzt wird. „Es entsteht ein breiter Spazierweg rund um die Siedlung sowie eine E-Tankstelle“, berichtete Maack. Diese kleine Erholungsoase schließt sich nahtlos an benachbarte Grünflächen und Naturschutzgebiete an. Geprüft wird derzeit noch, ob ein Blockheizkraftwerk wirtschaftlich wäre. Abgerundet wird das Ganze von einer kleinen Begegnungsstätte und gut erreichbaren Spielplätzen in der Nachbarschaft.

Untere Wohnungen barrierefrei

In den vier Mehrfamilienhäusern sollen die unteren Wohnungen barrierefrei werden. Auch das ist eher eine Seltenheit. „Für sozial schwache Menschen mit Behinderungen gibt es kaum Wohnraum“, ist Maack klar. Deshalb war es den Politikern auch so wichtig, hier Angebote zu schaffen.

Wohl mit am längsten hat die Aufstellung der Vergaberichtlinien gedauert. Fair sollten sie sein und auf alle Adendorfer gleich angewendet werden können. Sieben DIN-A-4-Seiten umfassen diese Richtlinien, die auf einem Punktesystem mit bis zu 30 Punkten basieren. Je mehr Punkte, desto besser die Chancen. So kann man zum Beispiel ein kleines Polster auf der Bank mit ehrenamtlichem Engagement ausgleichen. Für zehn Jahre freiwilligen Einsatz in der Gemeinde gibt es etwa acht Punkte.

Die Vergaberichtlinien werden noch in diesem Jahr beschlossen und Maack rechnet damit, dass die Adendorfer sich ab Ende nächsten Jahres auf die Grundstücke bewerben können. „Wir werden dann ein Gremium bilden, das die Punkte auswertet und Flächen streng nach diesem Ergebnis vergibt.“

Von Claudia Misiek