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Stöteroggestraße
Ende August haben sich Bauaufsicht, Ordnungsamt und Meldebehörde in dem Haus am unteren Kreideberg umgesehen. Die Begehung mussten sie ankündigen, etliche Räume waren verschlossen. (Foto: A/phs)

Ohne Genehmigung geht nichts

Lüneburg. Das Haus in der Stöteroggestraße 2 kommt nicht aus den Schlagzeilen. Bis zu zwölf Personen sollen manchmal in dem Gebäude gewohnt haben. Da es aber lediglich über sieben Zimmer verfügt, habe der Eigentümer diese zum Teil doppelt belegt und Räume vermietet, die eigentlich gar nicht bewohnt werden dürften. Das erzählt Martin Müller. Er lebt seit zweieinhalb Jahren im Keller des roten Backsteingebäudes. Seinen richtigen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen.

„Die Deckenhöhe beträgt nicht einmal zwei Meter, die Fenster sind vergittert.“ Die Miete: 470 Euro – eine Summe, die jeder im Haus bezahle, sagt er. „Einer zahlt voll, obwohl er nicht mal einen Heizkörper hat.“ Ebenso seien in Mietverträgen 40 Quadratmeter große Flächen ausgewiesen, die meisten Zimmer aber kleiner als die Hälfte.

Wenn die Wohnung plötzlich schrumpft

Das bestätigt auch Jürgen Wilkens. Er kennt die Zustände in dem Haus, hat mit dem Eigentümer schon eigene Erfahrungen gemacht. So war dieser viele Jahre sein Vermieter, als er noch in der Glockenstraße 4 lebte – eine Raumhöhe von teilweise nicht einmal 1,80 Meter, enge Durchgänge unter Schrägen, Probleme beim Brandschutz. Die LZ hat im Mai 2016 über den Fall berichtet: Dass das Jobcenter für den Hartz-IV-Empfänger über Jahre zu viel Miete gezahlt hatte, wurde erst deutlich, nachdem das Haus den Eigentümer gewechselt hatte. So schrumpfte die Quadratmeterzahl von 50 auf 29, die Miete verringerte sich von 400 auf 277 Euro. Wilkens sagt, dass er sowohl die Stadt als auch das Jobcenter schon Jahre zuvor auf die fragwürdigen Praktiken des Eigentümers aufmerksam gemacht habe.

Dessen Name fällt nicht nur in Verbindung mit den Häusern in der Stöteroggestraße und Glockenstraße, er war auch Hauptmieter und Zimmervermittler des Gebäudes Auf dem Kauf 12, das kürzlich wegen massiver Brandschutzmängel geräumt und von der Stadt versiegelt wurde (LZ berichtete). Auch dort haben deutlich mehr Personen gelebt, als offiziell gemeldet waren. Viele haben ihre Kaution in Höhe von fast 1000 Euro nicht zurückerhalten, das Sozialamt verfolgt das zurzeit, behält sich den Rechtsweg vor.

„Es ist unglaublich, was der Eigentümer hier in den letzten Jahren abgezogen hat.“ – Martin Müller , Mieter

Die gleichen Erfahrungen hat Müller in der Stöteroggestraße gemacht. „Niemand hat bislang seine Kaution zurückbekommen“, sagt er. „Es ist unglaublich, was der Eigentümer hier in den letzten Jahren abgezogen hat.“ Kritik gilt auch dem Zustand des Gebäudes, das seiner Einschätzung nach eigentlich abgerissen werden müsste. „Es gibt einen Anbau, vom oberen Stockwerk kann man bis nach unten in den Keller gucken.“ So weit habe sich der Wintergarten schon vom Haupthaus gelöst. Nachzulesen ist dies auch in einem Gutachten, das auf der Internetseite www.versteigerungspool.de einzusehen ist. Es benennt außerdem umfangreiche Rissbildungen, altersbedingte Abnutzungen, Schäden und Verunreinigungen.

Der Eigentümer hingegen bestreitet auf Nachfrage, dass Kautionen nicht erstattet worden seien. Zu den weiteren Vorwürfen wollte er sich zwar äußern, doch eine Stellungnahme ging bis Redaktionsschluss bei der LZ nicht ein.

Die Stadt hat das Haus Ende August besichtigt, ist damit Hinweisen von Nachbarn nachgegangen (LZ berichtete). Sie hatten sich unter anderem beim Ordnungsamt über offenes Feuer mit „penetranter Rauchentwicklung“, das immense Müllaufkommen und die Aggressivität mancher Bewohner beschwert.

Kaum gesetzliche Handhabe

Um das Gebäude betreten zu dürfen, mussten sich die Vertreter von Bauaufsicht, Ordnungsamt und Meldebehörde beim Eigentümer eine Genehmigung einholen, die Aktion damit gewissermaßen ankündigen. Hier liegt das Problem: Bislang haben Kommunen kaum gesetzliche Handhabe, sie müssen auf die Freiwilligkeit der Mieter und Eigentümer setzen, um sich selbst ein Bild von den Zuständen machen zu können. Deshalb gibt es auch die Forderung nach einem Wohnraumschutzgesetz in Niedersachsen, der Landtag berät zurzeit über die Ausgestaltung einer solchen Vorschrift.

Das vorläufige Fazit der Stadt zum Haus in der Stöteroggestraße: „Es konnten weder große Sicherheitsmängel noch eine Gefährdung der Standsicherheit festgestellt werden“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck, betont aber auch, dass die Auswertung noch nicht abgeschlossen sei, die Stadt das Haus im Blick behalten werde. Mehrere Räume seien verschlossen gewesen, „wir haben auch nicht alle Mieter angetroffen“. Zurzeit seien neun Personen offiziell in dem Haus gemeldet. Die, die anwesend waren, seien mit den Beschwerden der Anwohner konfrontiert worden. „Sie wollen Rücksicht nehmen. Momentan liegen uns keine größeren Klagen vor.“

Sachbeschädigungen und Körperverletzung

Tatsächlich soll einer der Mieter erst am vergangenen Dienstag um 4 Uhr morgens auf der Straße randaliert haben, der 38-Jährige ist der Polizei bereits hinlänglich bekannt. Er wurde schon wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angezeigt, weil er gemeinsam mit einem Mitbewohner eine Nachbarin mit Glasflaschen beworfen haben soll (LZ berichtete). Klage erhoben hat die Staatsanwaltschaft Lüneburg dennoch nicht: Gegen den 38-Jährigen werde wegen so vieler Delikte ermittelt, dass diese Tat nicht mehr ins Gewicht falle.

Auch Martin Müller fragt sich, wieso der Mann noch frei herumläuft. Sein Eindruck von ihm: „Der ist total durchgeknallt. Wenn er drauf ist, läuft er durch die Stadt und tritt Beulen in Autos, reißt die Seitenspiegel ab.“ Nach LZ-Informationen reichen die neun Taten, die dem Mann zuletzt zur Last gelegt worden sind, von Sachbeschädigungen an Autos bis hin zu Körperverletzung. Auf der Suche nach Beweismitteln hat das Amtsgericht auch eine Durchsuchung der Wohnräume in der Stöteroggestraße 2 angeordnet. Im Frühjahr wurde bezüglich der Sachbeschädigungen Strafbefehl erlassen: ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Von Anna Paarmann

One comment

  1. es ist mir nicht ganz klar… ob die Stadt da den Mitarbeiter mit dem weissen Stock und der gelben Binde mit den 3 schwarzen Punkten … die Abnahme hat machen lassen…. oder ob er vielleicht mit dem Vermieter Tennis spielt……ein Sachverständiger kann dies nicht gewesen sein…. und da ich auch mal dort gewohnt habe … kann ich alles was Herr Müller sagt bestätigen….und es wurde sicher nicht alles angeschaut…..bin schon irritiert, von den städtischen Beamten…..die gesamte Elektrik ist so veraltet, das Kurzschlüsse, die nicht stattfinden schon die Wohnqualität erhöhen….