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Marc-Oliver Mahnke (l.) und Peter Schardin stoßen auf 20 Jahre freundschaftliches Bierbrauen an. Foto: phs

Eine Sache zwischen Freunden

Neetze/Bleckede. Man riecht es lange, bevor man etwas sieht: wie eine olfaktorische Fährte hängt der Geruch in der Luft, ein Gemisch aus kochendem Getreide, Mal z und Hopfen. Brautag bei Peter Schardin (47) und Marc-Oliver Mahnke (48). Seit nunmehr 20 Jahren brauen die beiden Freunde ihren edlen Gerstensaft selbst. „Das wird unser Jubiläumsbier“, erklären die beiden, während sie beständig die Maische rühren und die Temperatur kontrollieren. „Wir nennen es unser dunkles Festbier.“ Noch ist es eher ein malziges Versprechen, das da in der Luft hängt, doch nach 20 Jahren Erfahrung sind die zwei Freude sicher, dass das Bier gelingen wird.

Ein Kursus der Volkshochschule war es, der die beiden zu Hobbybrauern machte. „Wir haben uns da sozusagen aus einer Bierlaune heraus angemeldet“, schmunzelt Peter Schardin. Gemeinsam absolvierten sie den Kursus und stellten fest: Brauen macht nicht nur Spaß, sondern das Ergebnis schmeckt auch noch viel besser als Industriebier. „Das Schöne ist, dass man lediglich einfache Utensilien dafür braucht“, findet Marc Mahnke. „Ein Kochtopf, Sieb, Thermometer und los geht’s.“

„Das Schöne ist, dass man lediglich einfache Utensilien dafür braucht.“ – Marc Mahnke , Hobbybrauer

Nur knapp einen Monat später standen sie im heimischen Garten und kochten ihren ersten eigenen Gerstensaft. „Es war ein ganz klassisches Pils, das schmeckt uns beiden am besten“, erinnert sich Peter Schardin. Inzwischen haben sie auch Weizen-, Bock- und Altbier ausprobiert, doch letztlich kommen sie immer wieder zurück zum strengen Pils. „Das erste Mal war sehr aufregend, aber inzwischen ist es einfach ein toller, entspannter Kumpeltag“, finden die zwei.

In Deutschland darf jeder, der möchte, für den Privatbedarf Bier brauen. Bis zu einer Menge von 200 Litern im Jahr bleibt das Ganze ein Privatvergnügen. „Man muss das Brauen allerdings dem Hauptzollamt melden“, erklärt Marc Mahnke. Außerdem wird stets ein Brauprotokoll geführt. „Das ist aber auch für uns gut, weil wir dadurch immer nachvollziehen können, wie wir welches Bier gebraut haben.“

Mit der richtigen Musik macht es noch mehr Spaß

Die beiden hatten sogar schon einmal ein Angebot, das Ganze auf professionellere Füße zu stellen und in einer Brauerei zu arbeiten, aber das wollten sie nicht. „Es ist eine Sache zwischen Freunden“, finden sie. „Etwas, das uns stark verbindet.“

Brau-T-Shirts haben sie sich machen lassen: Mit einem Foto von sich darauf mit dem Spruch „Läuterboys“ darunter und passende Gläser. Sogar eine Bierbrau-CD mischten die Freunde sich, weil es mit der richtigen Mucke eben noch mehr Spaß macht. „Einmal haben wir einen Hornhalter gebaut und eine Würze-Niedertemperatur-Hefespindel“, erzählt Marc Mahnke.

Knapp drei Kästen Bier entstehen an so einem Braunachmittag, abgefüllt in elf Halbliterflaschen. „Das ist ein Edeltropfen, damit sind wir geizig“, gibt Peter Schardin zu und sein Freund ergänzt: „Das stellt man nicht einfach so bei einem Geburtstag hin.“ Auch „Panschereien“ wie Alster kommen selbstverständlich nicht in Frage.

In 20 Jahren haben Peter Schardin und Marc Mahnke 25-mal gebraut, immer abwechselnd in Neetze und in Bleckede. „Der, bei dem das Bier steht, hat die Verantwortung und muss es überwachen“, erklärt Peter Schardin. Das heißt zum Beispiel, die Stammwürze prüfen und den Druck der Flaschen kontrollieren.

Für das „Dunkle Festbier“ haben sie ein Rezept mit Karamellmalz und einem etwas anderen Hopfen ausgesucht. In drei Monaten etwa kann es getrunken werden. „Wir sind sicher, dass es gut wird“, sagen beide. „Die Farbe ist super, der Geruch auch.“

Rezept:

Dunkles Festbier

Schritt für Schritt zum eigenen Bier, das ist nicht kompliziert, erfordert aber Zeit.

▶  16 Liter Wasser auf 36 Grad erhitzen.
▶  4 kg geschrotetes Pilsener Malz und 400 Gramm Caramünch Typ III unterrühren und auf 55 Grad erhitzen.
▶  20 Minuten ruhen lassen (Eiweißrast)
▶  Dann unter ständigem Rühren auf 64 Grad erhitzen.
▶  40 Minuten ruhen lassen (Maltoserast)
▶  Jodprobe
▶  Auf 74 Grad erhitzen.
▶  25 Minuten ruhen lassen (1. Verzuckerungsrast)
▶  Jodprobe
▶  27 Minuten ruhen lassen (2. Verzuckerungsrast)
▶  Läutern (Filtern)
▶  14 Liter Wasser auf 78 Grad erwärmen (Nachguss) und den Treber damit durchspülen.
▶  Alles zusammen noch einmal 90 Minuten kochen.
▶  Nach 80 Minuten 80 Gramm Hopfen zufügen.
▶  Filtern, auf 20 Grad abkühlen lassen, Hefe zufügen.

(alle Angaben natürlich ohne Gewähr)

von Claudia Misiek