Donnerstag , 20. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Adendorf | Klasse nach nur vier Wochen Geschichte
Grundschule Adendorf
Die Eltern sind sauer, die Kinder traurig. Nach nur vier Wochen steht erneut ein Wechsel an. Weil ihre Klasse mit anderen zusammengelegt wird. (Foto: phs)

Klasse nach nur vier Wochen Geschichte

Adendorf. Am Freitag haben sich die Kinder voneinander verabschiedet. Viele von ihnen mit einem traurigen Lächeln. Denn ab Montag werden Colin, Tim, Laura und die übrigen 17 Schülerinnen und Schüler in neuen Klassen sitzen. Mit anderen Klassenkameraden, mit neuen Lehrern. Ihre bisherige Klasse – die 3 d an der Grundschule am Weinbergsweg in Adendorf – ist dann bereits Geschichte. Denn nach nur vier Wochen Unterricht muss Schulleiterin Gesa Johannsen nachsteuern – und aus den ursprünglich fünf dritten Klasssen vier machen. Auf Anweisung der Landesschulbehörde – aber zum Ärger der Eltern und deren Kinder. „Für zwölf der 20 betroffenen Kinder aus der 3d bedeutet diese Entscheidung, dass sie das vierte Mal in zwei Schuljahren und vier Wochen komplett neue Lehrer erhalten“, rechnet Kristin Syring vor, deren Sohn Tim von der Klassen-Zusammenlegung ebenfalls betroffen ist.

Grund für die Maßnahme ist der landesweite Lehrermangel. Das bestätigt die Landesschulbehörde auf LZ-Anfrage: „Für uns hat eine ausgeglichene Unterrichtsversorgung innerhalb der einzelnen Landkreise hohe Priorität. Da eine benachbarte Schule schlechter versorgt war als die Grundschule Adendorf, haben wir der Schule mitgeteilt, dass entsprechend Lehrerstunden an die schlechter versorgte Schule abzugeben sind und empfohlen, die 3. Klassen, die nun kleiner ausgefallen sind als erwartet, zusammenzulegen“, heißt es in der Stellungnahme. Und weiter: „Wir bitten um Verständnis, dass diese Entscheidung, die wir nach bestem Wissen und Gewissen getroffen haben, aufgrund des derzeitigen landesweiten Mangels an Lehrkräften für Grund-, Haupt- und Realschulen nicht vermeidbar war.“

Rechnung der Schulleiterin geht dieses Mal nicht auf

Alles andere als glücklich darüber ist auch Rektorin Gesa Johannsen. „Natürlich sind aus pädagogischer Sicht kleine Klassen sinvoller“, sagt die Schulleiterin. In den vergangenen Jahren habe sie entsprechend geplant, um die Klassenstärke klein zu halten. Das hat auch immer gut funktioniert. Denn Adendorf ist eine attraktive Zuzugsgemeinde gerade auch für junge Familien mit Kindern. „So konnten wir immer noch Kinder aufnehmen, ohne Gefahr zu laufen, nun plötzlich eine Klasse teilen zu müssen, weil sie zu groß geworden ist“, erklärt die Schulleiterin.

Doch dieses Mal ging die Rechnung nicht auf: Die Schulleiterin war in der Prognose für dieses Schuljahr von mehr Schülern ausgegangen als nun tatsächlich dort unterrichtet werden. „Wir haben der Schule dann auf Grundlage dieser Prognose entsprechend Lehrerstunden zugewiesen“, heißt es aus der Landesschulbehörde, und weiter: „Vor eineinhalb Wochen haben wir aber Kenntnis davon erlangt, dass die Anzahl der Schüler nicht dem in der Prognose angegeben Wert entspricht, sondern tatsächlich weniger Schüler angemeldet sind.“ Die Folge: Die Schule muss Lehrerstunden abgeben, Klassen zusammenlegen.

„Da wird eine verfehlte Schulpolitik auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen.“ – Holger Vagt , Vater

Warum diese Entscheidung nun ausgerechnet die Jungen und Mädchen aus der 3 d und nicht eine andere Klasse getroffen hat, will Johannsen nicht näher kommentieren. Nur soviel: „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, alle Faktoren genau abgewogen.“

Vor vollendete Tatsachen gestellt

Dass gerade die Kinder der 3 d schon so viele Lehrerwechsel in ihrem noch kurzen Schulleben hinnehmen mussten, findet auch die Schulleiterin nicht gut: „Da kann man auch nichts schönreden, das tut mir auch wirklich leid“, sagt sie und verspricht: „Meine Kollegen und ich werden jetzt alles daran setzen, den Übergang der Kinder in die neuen Klassen so gut wie möglich zu gestalten.“

Viele Eltern sind dennoch sauer: „Da wird eine verfehlte Schulpolitik auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen“, ärgert sich Holger Vagt als ein betroffener Vater, und Kristin Syring fügt sarkastisch hinzu: „Hauptsache, die Zahlen stimmen einigermaßen. Ein Hoch auf das deutsche Bildungssystem.“ Sauer sind die Mütter und Väter auch darüber, dass sie als Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. Per Elternbrief, mit der Bitte, jedes Kind möge sich doch übers Wochenende überlegen, mit welchen zwei Klassenkameraden es gerne zusammenbleiben möchte …

Obergrenze für Klassen liegt bei 26 Schülern

Übrigens: Die Obergrenze in den Klassen liegt bei 26 Schülern. Kommen weitere Kinder dazu, muss die Klasse geteilt werden. Durch die Zusammenlegung mit der 3 d sind alle Klassen nun gut aufgefüllt. Was passiert also, wenn im Laufe des Schuljahres noch Schüler durch Zuzug dazu kommen? Womöglich noch Kinder mit Förderbedarf? Muss dann wieder eine Klasse geteilt – aus einer dann wieder zwei gemacht werden? Soweit will Johannsen gar nicht denken. Sie hofft, dass jetzt erst einmal wieder Ruhe einkehrt im Adendorfer Schulleben.

Von Klaus Reschke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.