Aktuell
Home | Lokales | Personalmangel bremst Züge aus
Auf der Strecke Lüneburg-Lübeck, die noch bis nach Kiel weiterführt, werden für unbestimmte Zeit Zugverbindungen wegfallen. Foto: t&w

Personalmangel bremst Züge aus

Lüneburg. Bahnreisende in Richtung Lübeck müssen sich auf unbestimmte Zeit auf Einschränkungen einstellen. Wie die Deutsche Bahn mitteilt, wurden am Montag wegen fehlender Lokführer Zugverbindungen im Regionalverkehr eingestellt. Betroffen davon ist auch die Strecke Lüneburg-Lübeck, die von der Bahn-Tochter DB Regio Schleswig-Holstein bedient wird.
Insgesamt fünf Verbindungen hat die Bahn vom Fahrplan genommen, vornehmlich in den frühen Morgen- und späten Abendstunden.

„Bei der Auswahl der wegfallenden Leistungen wurde darauf geachtet, dass Zugverbindungen entfallen, die aufgrund von Tagesrandlagen deutlich weniger Fahrgäste betreffen“, teilte die Deutsche Bahn mit. Für die gestrichenen Zugverbindungen ist Ersatzverkehr mit Bussen vorgesehen, sogar Taxen sollen eingesetzt werden. Die Fahrzeuge seien aber entsprechend gekennzeichnet.
Wie lange die Zugverbindungen noch gestrichen sind, konnte die Bahn gestern nicht sagen. Auch gehe sie aktuell nicht von weiteren Streichungen aus. Dass sich Bahnreisende und Pendler gleichwohl auf eine längere Zeitspanne einstellen müssen, scheint angesichts der hohen Anzahl fehlender Lokführer – derzeit fehlen in der Region 27 Zugführer – allerdings wahrscheinlich.
Laut Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis ist es ein grundsätzliches Problem, das die gesamte Branche betreffe.

Bahn startet eine Ausbildungsoffensive

Zwar versucht das Unternehmen laut eigener Aussage mit einer Ausbildungsoffensive gegenzusteuern, ob damit das Problem kurzfristig gelöst werden kann, scheint indes fraglich. Denn dem Unternehmen zufolge dauert es zehn bis zwölf Monate, bis ein ausgebildeter Triebfahrzeugführer dem Betrieb zur Verfügung stehe. Anfang September aber konnten gerade mal neun neue Lokführer-Anwärter eingestellt werden.

Als Gründe für den Lokführermangel nannte Meyer-Lovis zusätzlich eingerichtete Zugverbindungen, aber auch geänderte Bedingungen in den Tarifverträgen. Diese ermöglichten Zugführern die Wahl zwischen einem höheren Gehalt auf der einen und mehr Urlaubstagen auf der anderen Seite.

Warum die Bahn trotz der langfristig erkennbaren Entwicklung aber erst jetzt mit ihrer Ausbildungsoffensive startet, beantwortete Meyer-Lovis ausweichend: „Lokführer werden händeringend gesucht. Deshalb beginnen jetzt auch alle zwei Monate neue Ausbildungslehrgänge.“

Zugausfälle

Diese Verbindungen sind betroffen

Auf der Strecke RE83 Lübeck-Lüneburg sind aktuell folgende Verbindungen gestrichen:

▶ RE 21802 Lüneburg (4.20 Uhr) – Lübeck Hbf (5.36 Uhr), montags bis freitags
▶ RE 21806 Lüneburg (6.30 Uhr) – Lübeck Hbf (7.52 Uhr), samstags und sonntags
▶ RE 21831 Lüneburg (19.09 Uhr) – Lübeck Hbf (20.15 Uhr), freitags und samstags
▶ RE 21834 Lüneburg (20.30 Uhr) – Lübeck Hbf (21.53 Uhr), freitags und samstags
▶ RE 21837 Lübeck Hbf (22.09 Uhr) – Lüneburg (23.15 Uhr), täglich

von Ulf Stüwe

2 Kommentare

  1. Würde die Bahn Lokführer schlicht besser bezahlen gäbe es das Problem nicht. Auch der Arbeitsmarkt ist ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Es sind zB tausende Lokführer in die Schweiz gegangen, aus Deutschland, wegen der Verdienstmöglichkeiten.

    Zum Einstieg bekommt ein alleinstehender Lokführer ein Netto von 1800€ ausbezahlt, plus Zulagen für Schichten. Das ist für die Verantwortung für hunderte Menschenleben eines vollen Zuges und die Belastung durch ständige Wechselschichten ganz offensichtlich einfach zu wenig um ausreichend Interessenten zu finden. Also erhöht endlich die Löhne statt euch Ausreden a lá Krankenstand auszudenken.

  2. Wieder mal klare Management Fehler. Wer zahlt da einen Preis? Abmahnung, Rauswurf, Lohnkürzung? Natürlich niemand! So ist das in der Wirtschaft heutzutage, zahlen dürfen irgendwann die Angestellten und leiden tun die Kunden.