Mittwoch , 26. September 2018
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Lüneburg Verkehrsplaner
Verkehrplaner Sebastian Heilmann (l.), der kein Auto besitzt und die meisten Wege mit dem Rad zurücklegt, übernimmt den Posten von Michael Thöring, der nach Berlin wechselt. (Foto: Hansestadt Lüneburg)

Beruf und Leidenschaft

Lüneburg. Sebastian Heilmann ist ein glücklicher Mensch: „Ich habe meinen Traumjob gefunden.“ Der 34-Jährige ist der neue Fahrradbeauftragte der Stadt, das ist die einfache Form. Offiziell klingt‘s gediegener, an seiner Bürotür steht Stabsstelle ÖPNV und Verkehr. Heilmann, der vor Jahren für die Grünen im Rat saß, ist Umwelt-Wissenschaftler und hat an der Leuphana gelehrt. Das Thema seiner Dissertation ist die „Nachhaltige Raum- und Regionalentwicklung in der Energiewende“. Nun kann der sympathische gebürtige Oberfranke Theorie und Praxis verbinden.

„Ich bin Planer, und es ist eine Planungsstelle“, sagt Heilmann. Es gehe darum, Verkehr auf der Straße, Grünplanung, Bedürfnisse von Kindern und barrierefreie Wege zusammenzubringen. Klingt nett, ist aber eine Herausforderung, denn Heilmann weiß: „Was wir machen, wird nicht jeder gut finden, es gibt unterschiedliche Interessen.“

Erste Baustelle Umlaufsperre

Erste Erfolge kann man bereits sehen: die umgebaute Umlaufsperre an der Lösegrabenbrücke, durch die jetzt auch größere Lastenfahrräder kommen. „Wir müssen überall prüfen, wo wir Hürden vor allem für diese Form von Fahrzeugen, die für den Lieferverkehr immer wichtiger werden, beseitigen können“, sagt Heilmann. Dies sei ein zentraler Baustein, um den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren.

Ein Elektroschwerlastenrad an der Lösegrabenbrücke. (Foto: Heilmann)

Eine seiner Aufgaben liegt darin, die Radverkehrsstrategie 2025 umzusetzen. Wie berichtet, haben Uni-Professor Peter Pez und seine Mitstreiter einen Ist-Zustand der Fahrradwege aufgenommen und Verbesserungsvorschläge erarbeitet – ein daumendicker Wälzer. Heilmann will mehr. Mit der Politik müsse das Miteinander von Fußgängern, Radlern und Buskunden entwickelt werden.

Doch es gibt den Handel, der auf Autofahrer und Parkplätze setzt. Das weiß der Vater einer Tochter. Er sagt: „Man kann Kunden zum Umstieg bewegen. Dafür muss es Anreize geben, zum Beispiel einen Lieferservice der Geschäfte.“ Er hofft auf weitere Anregungen aus einer Umfrage, die der Radlerclub ADFC gerade laufen hat. Dass er selber Vorbild ist versteht sich von selbst: Zu einer Tagung am Wochenende in Bochum ist er mit Bahn und Bus gefahren. ca/bol