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Sie sagen noch einmal Ja: Rainer Junker (r.) und Eberhard Junker-Schumacher mit ihrem Liebling: Mops Carlos gehört dazu. Foto: t&w

Doppelt hält besser

Lüneburg. Zwei Herren in schmucken dunkelgrauen Anzügen, passende Krawatten, zwei ernste, aber glückliche Gesichter – so war es, als sich Rainer Junker und Eberhard Schumacher in Lüneburg als erstes gleichgeschlechtliches Paar öffentlich das Ja-Wort gaben. Das war vor 17 Jahren, am Samstag sagten die beiden Männer um 13.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus noch einmal Ja zueinander. Damals gingen die zwei eine Lebenspartnerschaft ein, inzwischen hat der Gesetzgeber die Verbindung sozusagen rechtlich der klassischen Ehe gleichgestellt. Also erneuert das Paar den Bund fürs Leben.

„Es geht um komplette Gleichstellung“

Rainer lacht und sagt: „Doppelt hält besser.“ Sein Mann ergänzt: „Es geht auch um komplette Gleichstellung.“ Eben die wollen die Jungs – das will man einfach sagen, wenn man die zwei erlebt – erreichen. Doch selbstverständlich geht es auch um Gefühle. Eberhard hat schwere Krankheiten hinter sich: „Ich bin dem Tod dreimal von der Schippe gesprungen, dann gab es auch noch einen Blitzeinschlag in unser Haus. Rainer war immer über alle Maßen für mich da. Ich möchte ihm meine Dankbarkeit zeigen.“

Rainer lächelt. „Na ja, und wir wollen auch noch richtig schön feiern.“ Doch das fällt ein bisschen kleiner aus als 2001. Jetzt soll alles „ein bisschen leger laufen“. Also T-Shirt statt Schlips. Essen mit Freunden. Beim ersten Mal waren es zum Polterabend in der Hasenburg mehr als 150 Freunde und zur Hochzeit nicht viel weniger. Damals waren die beiden in verschiedenen Gruppen aktiv, die sich mit Fragen um die sexuelle Identität beschäftigt haben. Heute spiele das keine so große Rolle mehr, sagt Eberhard. Lediglich bei den Luenegays, sie organisieren die Wahl zum Schwulen Heidekönig, machen sie noch mit.

2001 war die sogenannte Homo-Hochzeit etwas Besonderes. Schwule und Lesben wurden scheel angesehen: irgendwie nicht normal. Eberhard erinnert sich noch, wie er in den 80er-Jahren während seiner kaufmännischen Ausbildung zu einer Firmenfeier eine Bekannte mitnahm: „Als Alibi.“ Doch schon früh habe er sich zu seiner Homosexualität bekannt, sagt der 59-Jährige: „Die Zeit des Versteckens war vorbei, alles wurde breiter diskutiert.“ Rainer ergänzt: „Mein Vater fand mein Schwulsein am Anfang nicht gut. Als das Thema in die Talkshows kam, hat er es dann verstanden und akzeptiert.“ Und später gewusst, dass sein Rainer bei Eberhard in guten Händen ist.

Der 68 Jahre alte ehemalige Bahnbeamte gibt ehrenamtlich für Zuwanderer Sprachkurse. In muslimischen Ländern halten viele die Liebe unter Männern für eine Sünde. Rainer erzählt, er habe aus Eberhard nie einen Hehl gemacht: „Er ist mein Lebenspartner, jetzt sage ich, er ist mein Mann.“ Abwertende Sprüche habe es nicht gegeben. Wohl auch, weil er ganz selbstverständlich mit seiner Beziehung umgeht.

Beziehung reift in 28 Jahren

Die ist kaum anders als bei anderen Paaren. Die beiden sind in einem Haus im Moorfeld zu Hause, es sieht aus wie in vielen Wohnzimmern, der Garten samt Teich lädt zum Entspannen ein. Auf der Terrasse bekommt Eberhard seinen eigenen Kaffeebecher mit dem Aufdruck Ebi. Ab und an gibt es mal Knies, aber wo gibt es den nicht?

Kennengelernt haben sie sich an der Ostsee, die sie immer noch lieben. Gern fahren sie zu Freunden nach Neustadt mit dem kleinen schnuckeligen Hafen. Wenn sie erzählen, strahlen sie beide. 28 Jahre sind sie ein Paar. „Klar hat sich etwas verändert“, erzählt Eberhard. Es sei nicht mehr wie frisch verliebt: „Da sind Vertrauen, Geborgenheit, Liebe, das Gefühl, wir gehören zusammen.“ Rainer nickt, lächelt wieder und guckt seinen Ebi an. Doch ein bisschen wie frisch verliebt.

Das Geschlecht ist egal

Ein großes Versprechen

Die Leiterin des Bürgeramtes, Susanne Twesten, hat die beiden vor 17 Jahren „verlebenspartnert“, jetzt traut sie Rainer Junker und Eberhard Junker-Schumacher noch einmal. „In den vergangenen Jahren hat sich das Gesetz geändert“, sagt die Standesbeamtin. Strittig war in der Lebenspartnerschaft unter anderem das Recht, Kinder zu adoptieren. Die Ehe stellt gleichgeschlechtliche Gemeinschaften nun der Verbindung von Mann und Frau gleich.

„ Für mich hat das nichts geändert“, sagt die Standesbeamtin. „Die Ehe ist ein großes Versprechen, das man sich gibt. Die beiden sind auch nicht die ersten, die sich noch mal trauen. Neulich hatte ich zwei ältere Damen, die seit 40 Jahren zusammen sind.“ In Zahlen liest sich das so: Im vergangenen Jahren ließen 16 Paare ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln, davon elf weibliche Paare. Dazu kamen zwei „neue“ Trauungen. In 2018 gab es bereits 18 Umwandlungen und 16 Hochzeiten, auch hier lagen die Frauen mit 21 Verbindungen vorn.

Auf ihre Rede für die beiden müsse sie sich nicht groß vorbereiten, sagt Susanne Twesten: „Wir kennen uns, in Lüneburg trifft man sich ja. Und die beiden sind zwei ganz nette Männer.“

von Carlo Eggeling

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