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WG-Zimmer
Rund zwei Jahre ist es inzwischen her, dass das Studentenwohnheim in der Lessingstraße eingeweiht wurde. Es ist ebenso wie die anderen längst ausgebucht. (Foto: t&w)

Wenn Wohnen zur Hürde wird

Lüneburg. Nicht nur der soziale Wohnungsbau bereitet Probleme (LZ berichtete), neben jungen Familien, Alleinstehenden und Senioren haben es auch Studenten immer schwerer, in Lüneburg ein bezahlbares Zimmer zu finden. Der Durchschnittspreis liegt derzeit bei 342 Euro, im Vergleich zum Vorjahr ist es an der Ilmenau damit nochmal teurer geworden. 2017 waren es 323 Euro.

Die Zahlen hat das Moses-Mendelssohn-Institut (MMI) anlässlich des Semesterstarts im Oktober gemeinsam mit dem Immobilienportal „WG-Gesucht.de“ erhoben. Untersucht wurden alle Hochschulstädte, in denen mindesten 5000 Studenten leben. Ein Index gibt Auskunft darüber, wie groß die Anspannung ist. Lüneburg liegt in der Rangfolge der 96 Städte auf Platz 40. Angeführt wird die Tabelle von München, dort wurde erstmals die 600-Euro-Grenze erreicht. Am günstigsten ist Chemnitz mit 230 Euro.

Dass die Suche für Studenten schwieriger als je zuvor ist, erklärt Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des MMI, so: In vielen Städten seien die Grundstücks- und Immobilienpreise einfach zu hoch, um im privaten Segment noch Mieten darzustellen, die ins studentische Budget passen. „Und die finanzielle Förderung von Bund und Ländern ist dort bisher kaum ein ausreichender Ansatz, doch zu bauen.“

1500 neue Erstsemester-Plätze

Für das nahende Wintersemester hat die Leuphana Universität 1500 neue Erstsemester-Plätze vergeben. Der Großteil der Studenten möchte auch in Lüneburg wohnen und nicht pendeln. Kein einfaches Unterfangen, so werden inserierte WG-Zimmer häufig schon nach wenigen Minuten wieder von den Portalen gelöscht, weil sich zu viele Interessenten melden. Studenten berichten von Besichtigungsterminen mit bis zu 30 Mitbewerbern.

Foto © Philipp Schulze / phs-foto.de
Die Bilder sind honorarpflichtig und unterliegen nicht dem Erstverwertungs-, bzw. dem Exklusivrecht.

Das MMI hat auch die Auslastung der Wohnheime in den Blick genommen, das Ergebnis: Für nicht einmal jeden zehnten Studenten steht eine subventionierte Unterkunft zur Verfügung. Lüneburg steht etwas besser da. Der Anteil derjenigen mit Wohnheim-Platz liegt bei 10,2 Prozent. Petra Syring, Pressesprecherin des Studentenwerks OstNiedersachsen, bestätigt, dass die sechs Wohnheime in Lüneburg mit insgesamt 520 Plätzen längst voll belegt seien. „Die Ergebnisse der Studien spiegeln auch unsere Wahrnehmung wider.“ Lediglich die Warteliste sei in diesem Jahr kürzer. Führte sie im September 2017 noch 150 junge Menschen, stünden aktuell lediglich 36 Personen darauf.

Zimmer sind immer schnell weg

Ebenfalls mit sechs Studentenwohnheimen ist auch der Verein Campus in Lüneburg aufgestellt, sie bieten 346 Plätze in 296 WG-Zimmern und 50 Einzelwohnungen. „Momentan sind noch neun Zimmer frei“, sagt Pressesprecherin Nele Jennert, schiebt aber gleich hinterher: „Darauf gibt es aber schon Bewerber.“ Auch sie bestätigt die große Nachfrage, die meist schon im August spürbar wird, wenn die ersten Zulassungsbescheide verschickt werden. „Die Zimmer sind immer super schnell weg.“ Eine Warteliste führt Campus nicht, Studenten können sich online bewerben. Die Preisspanne der Unterkünfte bewegt sich von einem elf Quadratmeter großen Zimmer für 255 Euro bis hin zu 36 Quadratmeter für 418 Euro.

Wohnpauschale deckt Kosten nicht

Der Allgemeine Studierendenausschuss der Leuphana Universität, kurz AStA, kritisiert vor allem die Tatsache, dass sich die Kosten längst nicht mehr mit der Wohnpauschale decken lassen, die im BAföG-Satz vorgesehen ist. Diese liegt bei 250 Euro und ist damit „eindeutig realitätsfern“, sagt Sprecherin Lena Lukow. „Besonders zu Beginn des Semesters finden viele Erstsemester kein WG-Zimmer und müssen dann auf einer Matratze auf dem Boden schlafen oder können durch die Bettenbörse des AStA kurzfristig eine freie Couch beziehen.“

Das Problem betrifft in Niedersachsen nicht nur Lüneburg, so bezahlen Studenten in Osnabrück mit 363 Euro noch mehr. Dass Wissenschaftsminister Björn Thümler bei einem Treffen mit verschiedenen niedersächsischen ASten im Mai vorgeschlagen hat, dass Studentenschaften Immobilien kaufen, um das Prob­lem damit selbstständig zu lösen, fasst Merten Ebbert, er gehört ebenfalls dem Sprecherkollektiv an der Leuphana an, so auf: „Dieser Vorschlag zeugt nicht nur von einem völlig falschen Verständnis studentischer Selbstverwaltung, sondern zeigt auch, wie der Wissenschaftsminister seine Verantwortung in dieser Problematik auf andere übertragen will.“

Wohnheim-Preise

So viel kostet ein Zimmer

Die Zimmer in den Wohnheimen des Studentenwerks sind allesamt möbliert, in den Preisen sind die Nebenkosten enthalten:

  • Lessingstraße : 265 Euro für 9,5 m² (20 m²: 387 Euro)
  • Salzbrückerstraße : 176 Euro für 10 m²
  • William-Watt-Straße : 197 Euro für 12 m²
  • Wichernstraße : 168 Euro für 16 m²

Von Anna Paarmann

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