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Serienmörder Wichmann
Eine kroatische Beamtin sucht mit ihrem Hund auf dem alten Grundstück Wichmanns nach Spuren. Der Hund hat einen Ball als Belohnung bekommen. (Foto: ca)

Dem mutmaßlichen Serienmörder auf der Spur

Lüneburg. Bislang hat die Suche auf dem ehemaligen Grundstück des mutmaßlichen Serienmörders Kurt-Werner Wichmann 87 000 Euro gekostet. Doch das reicht lange nicht aus, Polizeisprecher Mathias Fossenberger sagt: „Am Ende dürfte wohl eine Summe herauskommen, die dem Wert eines Einfamilienhauses entspricht.“ Wichmann wird mit mehr als zwei Dutzend Morden in Verbindung gebracht.

Eine zentrale Rolle spielt sein Haus nahe Vrestorf. Eben das hat die Polizei im April durchsucht, Wände und Böden aufgestemmt, das Grundstück durchwühlt. Die Beamten halten für wahrscheinlich, dass Wichmann mindestens fünf Menschen umgebracht hat, vermutlich mehr.

Fünf Monate später haben die Ermittler noch keine spektakulären Treffer landen können. Wie berichtet, hatten sie gemeinsam mit Spezialisten rund 400 Asservate gesichert, die Hälfte wird von Fachleuten im Landeskriminalamt untersucht: „Es war bis lang keine herausragende Spur dabei. Bei manchen Sache sind Nachuntersuchungen erforderlich. Bei einem Schriftstück untersuchen wir die Tinte, um den Zeitpunkt zeitlich eingrenzen zu können.“

Im Fokus der Göhrde-Morde

Kurt-Werner W. gilt als Mörder von Birgit Meier aus Brietlingen. Die Frau starb im Sommer 1989. Er soll auch die Göhrde-Morde begangen haben. (Foto: ca)

Wichmann, der sich 1993 das Leben nahm, gilt als der Mörder Birgit Meiers. Ihre Überreste wurden vor rund einem Jahr unter der Garage gefunden. Sie galt als 1989 als vermisst. Wichmann steht auch im Fokus der Göhrde-Morde: Im Sommer 1989 hat ein Täter zwei Paare nahe Röthen umgebracht und war mit ihren Autos gefahren. In einem der Fahrzeuge fand sich eine DNA-Spur Wichmanns. Beobachter behaupten, es gebe eine entlastende Erklärung, wie das Material in das Auto gelangt sein könnte. Die Polizei bleibt dabei, dass Wichmann mit den Morden an der Kreisgrenze zu Lüchow-Dannenberg zu tun hatte.

Dass die Staatsanwaltschaft und Polizei überhaupt ermitteln, liegt an der Hartnäckigkeit von Angehörigen, die Druck machten. Der Bruder Birgit Meiers, der ehemalige Chef des Landeskriminalamtes in Hamburg, hat prominente Unterstützer wie den Chef der Hamburger Rechtsmedizin, Klaus Püschel, an seiner Seite. Sie waren es, die Birgit Meier fanden – die Polizei hatte zuvor vergeblich an gleicher Stelle gesucht.

Gab es einen Komplizen?

Wesentliche Rolle für die neuen Recherchen spielt die Annahme, dass Wichmann einen Komplizen hatte, den man wegen Beihilfe belangen könnte. Die Ermittlungsgruppe hat einen konkreten Verdacht, einen Mann aus Wichmanns engstem Umfeld.

Experten im Landeskriminalamt und die Lüneburger Ermittler gehen davon aus, dass Wichmann für bis zu zwei Dutzend weitere Tötungsdelikte verantwortlich sein könnte. Dafür wurden ungeklärte Mordfälle ausgewertet. Da der Friedhofsgärtner zeitweilig in Karlsruhe lebte, halten die Beamten es für möglich, dass er auch dort beispielsweise Anhalterinnen missbrauchte und tötete. Dabei haben sie auch das nahe Ausland im Blick.

Polizeipräsident Robert Kruse hatte in Absprache mit dem Chef der Lüneburger Staatsanwaltschaft, Gerhard Berger, die Ermittlungen an sich gezogen. In der Polizeidirektion wurde eine sogenannte Clearingstelle eingerichtet. Einfach erklärt können Polizeidienststellen nachschauen, ob Wichmann für ungeklärte Tötungsdelikte in ihrem Bereich infrage kommen könnte beziehungsweise können sie selber Daten liefern.

Von Carlo Eggeling