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Molkereien Zuckerfabrik
Nach der monatelangen Trockenheit ist der Mais auf vielen Feldern verdorrt. Die Milchbauern rechnen mit massiven Einbußen und Qualitätsverlusten. Das wiederum dürfte Folgen haben für die Milchleistung ihrer Kühe. (Foto: phs)

Die Konzerne und ihre Solidarität

Lüneburg. Viel ist zu den Dürreschäden in der Landwirtschaft schon gesagt worden. Die Bauern klagten ihr Leid. Politiker zeigten sich betroffen. Klimaforscher prognostizierten weitere Dürren. Die Bundesagrarministerin versprach Millionen-Hilfen. Nur in einer Branche blieb es bisher auffallend still. Und das obwohl ihr Geschäft ohne Bauern zum Erliegen kommen würde. Denn ohne Milch keine Molkerei, ohne Rüben keine Zuckerfabrik.

Die Hochwald Foods GmbH, die Nordzucker AG, die Uelzena eG, das sind in der Region drei der großen Konzerne, die landwirtschaftliche Rohstoffe weiterverarbeiten – und dafür im direkten Kontakt zu den hiesigen Landwirten stehen. „Marktteilnehmer“ nennt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) diese Unternehmen und fordert von ihnen „Landsolidarität“. Doch wie halten es die Konzerne mit ihrer Verantwortung in dieser Krise? Was leisten sie, um den Millionenverlusten auf den Höfen etwas entgegenzusetzen?

Hinweise auf desaströse Raufutterernte

Die erste Anfrage geht an die Hochwald Foods GmbH, Betreiberin der Lüneburger Molkerei und Produzentin des Lünebest-Joghurts. Hauptsitz des Konzerns ist Thalfang, Ansprechpartnerin für die Presse Kathrin Lorenz. Ein Anruf, daraufhin die Zusage: „Ich kümmere mich.“ Sieben Fragen, etliche Nachfragen und vier Wochen später dann die Absage: „Hochwald nimmt zu Ihrer Anfrage keine Stellung. Ich hoffe auf Ihr Verständnis.“

Auskunftsfreudiger zeigt sich der Mitbewerber Uelzena, ebenso wie Hochwald eine Genossenschafts- und damit eigentlich eine Bauern-Molkerei. PR-Managerin Karina Bode-Koch beantwortet die Fragen innerhalb weniger Tage und erklärt: „Wir fühlen uns für die wirtschaftliche Situation unserer Milcherzeuger verantwortlich.“ Mit den Auszahlungspreisen gehe die Molkerei „so hoch wie irgend möglich – allerdings müssen wir dabei auch die derzeitigen Marktverhältnisse berücksichtigen“. Gegenüber den Abnehmern „weisen wir unter anderem auf die desaströse Raufutterernte und die Leistungseinbußen durch Hitzestress bei den Kühen hin“.

Konkrete Zahlen nennt auch die Uelzena-Sprecherin nicht, doch eine Nachfrage bei Landwirten aus der Region ergibt: Große Unterschiede gibt es bei den Auszahlungspreisen offenbar nicht, Uelzena soll lediglich rund einen Cent mehr gezahlt haben. Viele Experten rechnen allerdings mit einem Anstieg der Milchpreise – unabhängig von irgendeiner „Landsolidarität“. Grund dafür: das knappe Milch-Angebot als Folge von Hitzestress und Futterkrise.

Nordzucker zahlt einen Vorschuss

Weniger dramatisch dürften die Einbußen bei der Rübenernte ausfallen, doch auch dort rechnet Nordzucker mit erheblichen Mindererträgen. Geerntet wird ab September, „und obwohl die Rübe sehr lange gut mit der Trockenheit zurechtkam, stößt sie in einigen unserer Anbauregionen zunehmend an ihre Grenzen“, erklärt Unternehmenssprecherin Tanja Schneider-Diehl.

Doch unabhängig von Rübenernte und Preisen, die seit dem Auslaufen der Quotenregelung auf einen Tiefstand gesunken seien, hat Nordzucker auf die Dürre und die finanziellen Probleme auf vielen Betrieben bereits reagiert. „Wir haben die Zahlungen für Rübenlieferungen 2018 vorgezogen“, erklärt Schneider-Diehl. Am 25. Juli sei ein Teil des Geldes für die noch zu erntenden Rüben – etwa 15 Prozent – an die Landwirte geflossen. Wichtigster Grund für Nordzucker: „Als Partner unserer Anbauer wollten wir in dieser angespannten Situation mit extremer Trockenheit Entlastung bieten.“

Kommentar

Eine Frage des Respekts

Anna Sprockhoff. (Foto: privat)

Ohne Frage: Es ist nicht einfach mit der Verantwortung. Es ist nicht einfach, als Konzern zwischen Bauern und Lebensmitteleinzelhandel zu stehen. Und es ist nicht immer einfach, die richtigen Worte zu finden. Doch ist das ein Grund, sich als Molkerei gar nicht zu äußern? Fragen zum Umgang mit den eigenen Lieferanten abzutun mit dem Satz: „Hochwald nimmt keine Stellung“? Liebe Unternehmenskommunikation im fernen Thalfang: Das ist definitiv zu einfach. Und nein, ich habe dafür kein Verständnis!

Die Dürre in diesem Jahr bringt etliche Landwirte an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten, darunter vermutlich viele, viele Milchbauern – denn die haben in den vergangenen Jahren mit ihrer Milch ohnehin zu wenig verdient. Und die werden auch in den kommenden Monaten noch unter den Folgen der Dürre leiden, weil ihre Kühe bei weniger Futter auch weniger Milch geben werden.

Mir ist klar, dass auch eine Molkerei so eine Krise nicht einfach so lösen kann. Doch die Frage, ob sie es zumindest versucht, sollte erlaubt sein. Und nein, ich erwarte keine Wunder, kein Versprechen, in Zukunft allen Milchbauern das Doppelte zu zahlen. Aber ich erwarte zumindest eine Antwort. Aus Repekt! Nicht vor mir, sondern vor den Landwirten! Anderen Konzernen gelingt das ja auch.

Von Anna Sprockhoff

One comment

  1. Anna Sprockhoff
    hallo, die bayern haben andere probleme , die am ende in die gleiche pleite führt. deren BIO-MILCHBAUERN WISSEN NICHT WOHIN MIT IHRER MILCH.
    die probleme sehen alle nach hausgemacht aus, oder? wer hindert bauern daran sich deutschlandweit zusammen zu schließen, um sich gegenseitig bei problemen zu helfen? in bayern gab es zum beispiel keine dürre. in anderen bundesländern sieht es immer anders aus. bei den bauern verliert mal der eine, dann der andere. muss nicht sein, oder?