Aktuell
Home | Lokales | Mit dem Fahrrad in die Stadt
Fahrradfahrer Lüneburg
Im Bereich Vor dem Neuen Tore/Neuetorstraße sind Radler auf einem 2,60 Meter breiten Weg in beide Richtungen unterwegs. Die Planer schlagen vor, einen Radfahrstreifen auf die Straße zu legen. (Foto: t&w)

Mit dem Fahrrad in die Stadt

Lüneburg. Wer den Verkehrsinfarkt vermeiden will, muss auf nachhaltige Mobilität setzen. Das ist auch der Stadt Lüneburg bewusst. Seit vielen Jahren bemühen sich Politik und Verwaltung deshalb um die Förderung alternativer Verkehrsmittel, brachten 2007 das Radverkehrskonzept 2015 auf den Weg. Dieses sollte mit der Radverkehrsstrategie 2025 fortgeschrieben werden. Der Endbericht wurde jetzt vorgestellt.

„Ziel der Untersuchung war es, das bestehende Netz weiterzuentwickeln, Mängel aufzuzeigen und Verbesserungsmöglichkeiten zu skizzieren“, sagt Verkehrsdezernent Markus Moßmann. Der Fokus habe auf der Verbesserung der neun Hauptrouten bis zur Stadtgrenze sowie der Bedingungen im Stadtring und der Innenstadt gelegen. Erweitert wurde das Konzept durch zwei neue Verbindungen, die das geplante Baugebiet am Wienebüttler Weg an Vögelsen sowie den Stadtteil Lüne an Scharnebeck anschließen sollen. Das ging einigen nicht weit genug.

Professor Dr. Peter Pez, Verkehrsexperte von der Leuphana, kritisiert in seiner Stellungnahme die Reduzierung auf die Hauptrouten: „Stadtteilverbindende und dabei nicht zentrumsgerichtete Verbindungen sind ein wesentlicher und eben nicht ignorierbarer Bestandteil des Radverkehrsgeschehens. Radverkehrsförderung muss deshalb flächendeckend wirken.“

Ochtmissen besser an Bardowick anbinden

Moßmann sagt dazu: „Wir konnten mit dem für die Fortschreibung des Radverkehrskonzeptes 2015 zur Verfügung stehenden Mittelansatz die tangentiale Verbindung nicht betrachten. Das werden wir in einem weiteren Schritt verfolgen.“ Einige Ansätze wurden allerdings doch aufgenommen: „So prüfen wir den Vorschlag von Professor Pez, Ochtmissen mit Bardowick zu verbinden, was für jene von Interesse sein kann, die dort den Bahnhof erreichen möchten.“

Auch sonst stehen der Förderung des Radverkehrs nicht alle Türen offen: „Wir müssen mit dem vorhandenen Straßennetz arbeiten“, erklärt der Verkehrsdezernent, „wir haben keinen echten Stadtring, oftmals fehlt der Platz für großzügige Radfahrstrecken, zudem liegt im Innenstadtbereich mit dem Kopfsteinpflaster ein Belag, der denkmalgeschützt ist – Radfahrer aber extrem nervt.“

Dennoch gibt es an vielen Stellen Möglichkeiten, die Situation für Radfahrer zu verbessern. „Die neuen Erhebungen sind Vorschläge und dienen als Grundlage für die Abwicklung künftiger Maßnahmen“, sagt Moßmann, „einige davon sind unstrittig, andere diskussionswürdig.“ Wie die Empfehlungen für die Straßen Vor dem Neuen Tore/Neuetorstraße. Dort teilen sich Fußgänger und Radfahrer rund 2,60 Meter breite Wege im Zweirichtungsverkehr – die zudem in schlechtem Zustand sind. „Hier schlägt das Planungsbüro vor, an der Südseite einen Radfahrstreifen auf der Straße anzulegen und dann auf Höhe des Übergangs zum Wall eine Querungsmöglichkeit zu schaffen“, sagt der Dezernent, „das ergibt aus unserer Sicht aber keinen Sinn. Eine Streckenführung im nördlichen Bereich ist hier ideal.“ Allerdings fehlt der Platz: „Für den Ausbau der Wege müssten wir Grunderwerb tätigen, alle halbe Jahre fragen wir bei den Eigentümern an. Das ist ein zähes Unterfangen.“

Neuer Radfahrstreifen in der Hindenburgstraße

An anderer Stelle sind die Vorschläge konsensfähig – oder werden bereits umgesetzt, wie an der Hindenburgstraße. Dort soll ein 1,85 Meter breiter Radfahrstreifen auf der Fahrbahn entstehen, der von der Frommestraße bis zum Bürgeramt führt. Auf Höhe der Kfz-Zulassungsstelle werden derzeit bereits die Wege verlegt und Laternen versetzt, um den Bereich für die Radfahrer sicherer zu gestalten.

„Ansonsten werden wir nach dem Baukastenprinzip vorgehen“, sagt Moßmann. Nicht alles ergebe Sinn, beispielsweise die Bleckeder Straße in Angriff zu nehmen, da hier demnächst die Brückenarbeiten der Bahn anstünden. Klar aber sei: „Die Mittel werden gleichmäßig und sinnvoll auf das gesamte Stadtgebiet verteilt – immer mit Fokus auf die Hauptrouten. Denn diese sind das ganze Jahr über befahrbar und beleuchtet, garantieren dadurch ein hohes Maß an Sicherheit.“

Von Ute Lühr

One comment

  1. Es wäre schön, wenn die ‚Kreuzung‘ Dahlenburger Landstraße/Bahnhofsstraße mal überarbeitet werden würde.

    Man hat viele Radfahrer mit teilw. hoher Geschwindigkeit aus versch. Richtungen, Fußgänger und relativ schmale Wege im Verhältnis zum Personenaufkommen.

    Ich finde es erstaunlich wie Zwiegespalten hier agiert wird. Auf der einen Seite hat man am Bahnhof 2 Fahrradparkhäuser und plant ggf. sogar ein drittes zu bauen, auf der anderen Seite existiert absolut keine Infrastruktur die mit sovielen Radfahrern umgehen kann.

    Das ganze wird nur unterboten durch die Anbindung an der Blecker Landstraße.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.