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Sandabbau
Der Abgeordnete Detlev Schulz-Hendel (M.) informierte sich im Juli bei der BI Vierhöfen über die Probleme beim Sandabbau. (Foto: t&w)

Sandabbau wird Politikum

Vierhöfen. Der umstrittene Antrag zum Kies- und Sandabbau in Vierhöfen des Baustoffproduzenten Manzke wird nun auch die niedersächsische Landesregierung beschäftigen. Dafür sorgt der Landtagsabgeordnete Detlev Schulz-Hendel (Grüne) aus Amelinghausen. Mit Rückendeckung seiner Fraktion hat er am Montag (10. September) eine Kleine Anfrage auf den Weg gebracht. Auch in einer Stellungnahme gegenüber der LZ schlägt er sich auf die Seite der Bürgerinitiative Vierhöfen, mit der er sich im Sommer getroffen hatte. Unterdessen hat der Landkreis Harburg als Genehmigungsbehörde noch ein paar weitere Fragen mit dem Antragsteller zu klären.

Der dritte Anlauf

Für den Baustoffproduzenten Manzke aus Volkstorf ist es schon der dritte Anlauf, Zugriff auf das vom Land ausgewiesene Vorranggebiet für Rohstoffsicherung zu bekommen. Das Areal zwischen Vierhöfen und Westergellersen beträgt zirka 27,9 Hektar. Die Rohstoffgewinnung soll teilweise im Nassabbau erfolgen. Das treibt nicht nur die Bürgerinitiative, sondern auch die Gemeinde Vierhöfen um. Beide befürchten, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Früher hatte das Kies- und Mörtelwerk Kirchgellersen dort Boden abgebaut und einen Baggersee hinterlassen. Vierhöfener Aktivisten bringen das in Zusammenhang mit vernässten Kellern in der Siedlung einerseits und dem Trockenfallen von natürlichen Quellen auf der anderen Seite.

Der geplante Sandabbau war kürzlich auch Thema im Umweltausschuss des Harburger Kreistags. Demnach soll Manzke seinen Antrag abermals nachbessern, heißt es. In welchen Punkten genau, wollte der Kreis nicht erklären. Kreissprecherin Katja Bendig sagt nur so viel: „Die Antragsunterlagen müssen unter mehreren Gesichtspunkten überarbeitet werden.“ Eine Frist sei nicht gesetzt worden.

BI Vierhöfen ist ein besonders kritisches Publikum

Die LZ fragte bei der Manzke Kies/Sand/Recycling (KSR) GmbH nach. Geschäftsführer Matthias Krause sagt: „Wir haben den Antrag mit besonderer Gewissenhaftigkeit und fachgerecht angefertigt, unter anderem mit Unterstützung der Dekra.“ Krause weiter: „Aber da, wo verschiedene Fachleute an verschiedenen Stellen tätig sind, ergeben sich nun mal Fragen.“ Laut Krause betreffe das auch Punkte aus Sicht der Gewerbeaufsicht, beispielsweise ob für den geplanten Sozialcontainer für die Arbeiter eine Statik vorliege. Aber auch Fragestellungen zu naturschutzfachlichen Belangen spielten eine Rolle, beispielsweise „zur Kartierung von Tierarten wie Vögeln und Käfern“. Oder Fragen zu Straßeneinfahrten und Vernässungen zur Staubminderung. Krause: „Wir wissen, dass mit der BI Vierhöfen ein besonders kritisches Publikum hinschaut. Deswegen haben wir auch einen gewissen Hang zur Perfektion entwickelt, da wir mit unserem Antrag nicht scheitern wollen.“

„Wir haben einen gewissen Hang zur Perfektion entwickelt, da wir mit unserem Antrag nicht scheitern wollen.“ – Matthias Krause, Manzke KSR GmbH

Mit dem Landtagsabgeordneten Schulz-Hendel ist das kritische Publikum nun um ein prominentes Mitglied reicher. In der Kleinen Anfrage an die Landesregierung will der Abgeordnete beispielsweise Folgendes in Erfahrung bringen: „Sieht die Landesregierung eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung, da das geplante Abbaugebiet an ein Vorsorgegebiet für Trinkwassergewinnung grenzt?“ oder „Sieht die Landesregierung einen Zusammenhang zwischen dem Sandabbau und dem Eindringen von Wasser in Keller von Gebäuden in Vierhöfen im Winter 2008?“

Vorranggebiet oder nicht?

In dem insgesamt 13 Punkte umfassenden Papier stellt Schulz-Hendel auch das Vorranggebiet als solches infrage. Für sich persönlich scheint er das schon beantwortet zu haben: Gegenüber der LZ sagte Schulz-Hendel, dass es angezeigt sei, „dass im Land geprüft wird, dieses Gebiet aus dem Landesraumordnungsprogramm für diesen Zweck rauszunehmen“.

Krause hingegen verspürt mit Blick auf das Landesraumordnungsprogramm „einen guten Wind aus Hannover“, da das Vorranggebiet auch unter Maßgabe des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) überhaupt erst für die Rohstoffgewinnung identifiziert wurde. Krause: „Das LBEG handelt ja auch im Auftrag der Politik, die Rohstoffgewinnung für künftige Generationen zu sichern.“

Von Dennis Thomas

One comment

  1. Sandabbau wird Politikum? wieso wird? selbst der umweltverein gellersen hat sich schon mit diesem thema beschäftigt und sich mit fachleuten beraten und eine ortsbegehung durchgeführt. man kam zum ergebnis, dass durch den jetzt schon durchgeführten sandabbau fließrichtungen des grundwassers sich verändert haben, zum schaden der anwohner.

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