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Über diese Beschilderung stolperte ein Fahrschüler in einer Führerscheinprüfung. Jetzt stellt sich heraus, dass er sich richtig verhalten hatte. Die Beschilderung wurde inzwischen geändert. Foto: t&w

Und ewig grüßt der Schilderwald

Lüneburg. Jahrelang hat es keiner gemerkt oder es wurde schlicht ignoriert. Andernfalls hätte der Handelshof in der Goseburg wohl auch wegen ausbleibender Kunds chaft längst seine Tore schließen müssen. Denn eine Beschilderung besagte eigentlich, dass die Durchfahrt der Straße, die zu dem Großmarkt führt, verboten ist. Einen TÜV-Prüfer interessierte dies bei Führerscheinprüfungen offenbar nicht. Nun stellt sich heraus, dass dies falsch war.

Über diese Beschilderung stolperte ein Fahrschüler in einer Führerscheinprüfung. Jetzt stellt sich heraus, dass er sich richtig verhalten hatte. Die Beschilderung wurde inzwischen geändert. Foto: t&w

„Die Beschilderung von 2001 war nicht richtig, was aber offenbar sehr lange niemandem auffiel“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Konkret geht es um zwei weiße Zusatzschilder, genauer deren Anordnung unter einem Durchfahrverbotsschild für Kraftfahrzeuge und Motorräder Bei der Pferdehütte. Nach der bisherigen Anordnung hätten hier nur landwirtschaftliche Fahrzeuge weiterfahren dürfen, allerdings auch nur 600 Meter weit.

„Immer von oben nach unten“

Weil die Stadt erkannte, dass dies unsinnig ist und der Handelshof so auch nicht mehr erreichbar gewesen wäre, wechselte sie die Reihenfolge der beiden Zusatzschilder. „Die Grundregel für das Lesen von Schildern ist ja immer von oben nach unten“, erläutert Moenck. Das Ergebnis: Jetzt wird angezeigt, was immer gemeint war, nämlich dass Kraftfahrzeuge nur noch 600 Meter weiterfahren dürfen, der landwirtschaftliche Verkehr aber davon ausgenommen ist.

Erstaunlich nur: Diese Grundregel scheint zumindest einem Mitarbeiter des TÜV Nord bei Führerscheinprüfungen in Lüneburg nicht bekannt gewesen zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, warum er einen Fahrschüler durch die Prüfung fallen ließ, der – vorschriftsmäßig – nicht in die Straße hineinfahren wollte. „Darauf habe ich den TÜV schon vor ein paar Jahren aufmerksam gemacht, aber davon wollte man nichts wissen“, sagt Mehmet Karasu, der viele Jahre Fahrlehrer in Lüneburg war.

„Jeder Mensch kann Fehler machen“

Auf eine Nachfrage der LZ, ob es sein könne, dass Prüfer die Verkehrszeichen nicht kennen, reagiert der TÜV abwehrend. Dem sei nicht so, versichert Pressesprecher Rainer Camen und ergänzt, dass der Vorgang damals per Beschwerdemanagement aufgearbeitet und abgeschlossen worden sei. Überdies habe der Prüfling nicht nur diesen Fehler in der Prüfung gemacht.

Erst auf mehrfaches Nachfragen räumt der TÜV-Sprecher ein, dass wohl auch seitens des Prüfers nicht alles richtig gelaufen ist: „Jeder Mensch kann Fehler machen.“

Von Ulf Stüwe

Führerscheinprüfung

In Lüneburg fallen besonders viele durch

4510 Prüfungen hat der TÜV Nord in Lüneburg 2017 abgenommen. 1710 Prüflinge bestanden die Prüfung nicht, eine Durchfallquote von 39 Prozent. Lüneburg liegt damit über dem Bundesdurchschnitt, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamts hervorgeht.

Die bundesweite Durchfallquote lag danach auf alle Führerscheinklassen bezogen bei 36,8 Prozent, der höchste Wert in den vergangenen zehn Jahren. Bei den Praxisprüfungen fielen bundesweit insgesamt 28,1 Prozent durch.

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