Mittwoch , 19. September 2018
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Verbraucherzentrale
Das Geschäft mit der Liebe boomt im Internet. Nicht immer geht es dabei mit rechten Dingen zu. (Foto: Steidi)

Teurer Spaß auf dem Dating-Portal

Lüneburg. Abzocke von Schlüsselnotdiensten, gefälschte Online-Shops, dubiose Inkasso-dienste, Ärger mit fehlerhaften Telefonrechnungen – allesamt Probleme, über die Verbraucher im Jahr 2017 im Lüneburger Regionalzentrum der Verbraucherzentrale Niedersachsen regelmäßig klagten. Die beiden Verbraucherschützerinnen Sabine Oppen-Schröder und Imke Hagen haben jetzt den Jahresbericht präsentiert.

So kam ein junger Lüneburger hilfesuchend ins Büro in der Schröderstraße 16. Sabine Oppen-Schröder schildert seinen Fall: „Er hatte sich auf einer Dating-Plattform für eine 14-tägige Probe-Mitgliedschaft zum Preis von einem Euro angemeldet. Der Betrag wurde von seinem Bankkonto abgebucht.“ Der Schock kam später: „Überraschenderweise erfolgten monatliche Abbuchungen von jeweils rund 90 Euro, die er umgehend von seiner Bank zurückbuchen ließ. Was folgte, waren Rechnungen, Mahnungen und die Zahlungsaufforderung von einem Inkassounternehmen über 470 Euro.“

Sabine Oppen-Schröder schaltete sich ein: „Es gelang, die unberechtigten Forderungen zurückzuweisen. Die Betreiber des Portals hatten auf ihrer Seite nicht ausreichend auf die langfristig kostenpflichtige Mitgliedschaft hingewiesen und nicht ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht informiert.“

Rentnerin zu Unrecht mit Schadenersatz gedroht

Geholfen wurde auch einer Rentnerin, die Lüneburgerin hatte sich in einem Telefonat von einem anderen Telefonanbieter abwerben lassen. Imke Hagen: „Ihr wurde ein günstiges Angebot für Festnetztelefonie unterbreitet. Sie wurde aber unsicher, widerrief den Vertrag innerhalb der Widerrufsfrist per Einschreiben mit Rückschein.“ Das Unternehmen schickte auch die Bestätigung. Die Lüneburgerin blieb bei ihrem alten Anbieter. Imke Hagen sagt: „Kurze Zeit später kam dennoch die erste Rechnung vom anderen Anbieter. Diese und weitere Rechnungen ignorierte die Dame verständlicherweise. Der ,neue‘ Anbieter forderte Schadenersatz, wenn sie nicht zahle – in Höhe von 207 Euro.“ Die Verbraucherzentrale klärte die Geschichte mit dem Telefonanbieter, der den Vertrag stornierte und auf die Forderung verzichtete.

Knapp 19 Prozent aller Beratungen spielten sich in Lüneburg für den Bereich Internet und Telefon ab. Im Juni 2017 wurden die Verbraucherrechte hier gestärkt. Die neue Transparenzverordnung verpflichtet Anbieter von Mobilfunk-, Festnetz- und Internetverträgen, ihre Angebote klarer zu gestalten. Kaum vergleichbare Verträge oder die Werbung mit übertriebenen Übertragungsraten sollen so der Vergangenheit angehören.

Neue Regelung für Mobilfunkverträge

Sabine Oppen-Schröder erläutert: „Verbraucher können beispielsweise per App oder im Kundenportal eine Höchstgrenze der monatlichen Kosten einstellen. Stellt der Anbieter ein übermäßiges oder anormales Verbrauchsverhalten fest, muss er seinen Kunden kostenlos einen Warnhinweis zukommen lassen. Unterlässt der Anbieter das Einstellen einer Höchstgrenze und schickt er auch keinen Warnhinweis, darf er beim erstmaligen Auftreten eines übermäßigen Datenverbrauchs nur verhältnismäßige Kosten in Rechnung stellen – höchstens 100 Euro.“

Hintergrund

Sabine Oppen-Schröder (l.) und Imke Hagen beraten in ländlichen Regionen auch per Video-Chat. (Foto: A/be)

Beratung per Video-Chat

Wer auf dem Land wohnt und sich im Lüneburger Büro der Verbraucherzentrale beraten lassen wollte, musste bis Dezember 2017 zum Teil weite Wege zurücklegen. Das gehört der Vergangenheit an. Sabine Oppen-Schröder und Imke Hagen sind nun auch per Video-Chat zu erreichen. Möglich wird das durch das Projekt „Stärkung des Verbraucherschutzes im ländlichen Raum“, gefördert vom Agrar- und Verbraucherschutzministerium. Dafür wurde das Lüneburger Büro um eine Stelle auf zwei Stellen aufgestockt.

Zum Projekt gehört auch die Bereitstellung eines Online-Terminkalenders, über den Verbraucher rund um die Uhr Termine selbst eintragen können – künftig auch für die kostenpflichtigen Vor-Ort-Beratungen. Der neue Beratungsweg steht allen Verbrauchern offen und wird derzeit noch kostenfrei angeboten. Wer mit den Lüneburger Beraterinnen Kontakt per Video-Chat haben will, muss sich unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/videoberatung-neues-angebot anmelden.

Von Rainer Schubert

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