Aktuell
Home | Lokales | Bienenbüttel | A39-Auffahrt für Bienenbüttel?
A39-Auffahrt
Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Wenn es aber auf der geplanten A 39 zwischen Bad Bevensen und Lüneburg zu einem Unfall kommen sollte, ist schlimmstenfalls mit 20 Minuten Wartezeit bis zum Eintreffen der Retter zu rechnen. (Foto: benekamp – stock.adobe.com)

A39-Auffahrt für Bienenbüttel?

Bienenbüttel. Wenn Dirk Giere an die geplante A39 denkt, dann beschleicht ihn ein ungutes Gefühl. Was, wenn sich auf dem rund 20 Kilometer langen Autobahnteilabschnitt zwischen Lüneburgs Osten und Bad Bevensen ein Unfall ereignet? „Die Einsatzkräfte wären im ungünstigsten Fall mindestens 20 Minuten unterwegs zum Einsatzort“, hat der Bienenbütteler Gemeindebrandmeister errechnet. Und ein möglicher Stau sei dabei noch gar nicht mit einbezogen. Giere hat die Planungsunterlagen studiert, darüber mit dem Team der Feuerwehrführung beratschlagt – und kam vor wenigen Wochen zu folgendem Schluss: Bienenbüttel braucht eigene Sonderzufahrten zur A39, ausschließlich für Rettungsfahrzeuge.

Sorgen bei den Bürgern

Kurz vor Ende der Frist, in der Einwendungen gegen die Planung des zweiten Abschnitts vorgebracht werden konnten, reichte Giere also seine Idee als Vorschlag bei der Gemeinde ein, die diese offenbar an die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr weiterleitete. So weit, so gut. Womit Giere aber nicht gerechnet hatte, war, dass genau dieser Vorschlag Sorgen innerhalb der Bevölkerung auslösen würde. Eine „heimliche“ Auffahrt auch für ganz normale Autofahrer etwa wittert Grünen-Fraktionsvorsitzender Reinhard Schelle-Grote hinter der Idee, ja, den ersten Schritt zu etwas, das doch nach einer Bürgerbefragung vor Jahren schon vom Tisch gewesen sein sollte: nämlich zu einer offiziellen Auffahrt auf Bienenbütteler Gemeindegebiet.

Zusätzliches Land für eine Zufahrt fehlt

Und damit nicht genug. „Die Einwendung der Feuerwehr konterkariert die Haupteinwendung der Gemeinde“, ist Wolfgang Schneider überzeugt. Er hatte zusammen mit Politik und Bürgern im A39-Begleitausschuss für die Gemeinde eine Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren erarbeitet, mit der vor allem Schaden von Grundstückseigentümern durch das Autobahnprojekt abgewendet werden sollte. Für Zufahrten aber brauche es zusätzliches Land und das herzugeben, meint er zu wissen, weigerten sich mindestens zwei betroffene Landwirte.

„Die Feuerwehr ist nie an uns herangetreten.“ – Wolfgang Schneider , Vorsitzender Begleitausschuss

Bienenbüttels Bürgermeister Dr. Merlin Franke äußert sich zu alldem gegenüber der LZ nicht. Mit dem Argument, der Antwort auf eine dahingehende Anfrage der Grünen nicht vorgreifen zu wollen. Die hatten nämlich bereits im Gemeinderat die Situation kritisch hinterfragt, speziell auch die Vorgehensweise des Gemeindebrandmeisters. „Der Begleitausschuss hat Einwendungen vorgelegt, die von allen politischen Gremien hohe Anerkennung erhalten haben.

Anfahrtszeit von mehr als zehn Minuten

Wäre es vor diesem Hintergrund nicht sinnvoll gewesen, den Begleitausschuss einzubeziehen?“, heißt es von dieser Seite. „Die Feuerwehr ist nie an uns herangetreten“, bedauert auch Begleitausschussvorsitzender Schneider und fragt sich, weshalb die offizielle Stellungnahme der Gemeinde in mehreren Gremien behandelt werden musste. Und die der Feuerwehr nicht. Auch dränge sich ihm der Verdacht auf, dass die Feuerwehr den A39-Abschnitt als Einsatzstrecke für sich gewinnen wolle – ohne dabei die Kosten für eine entsprechende Ausbildung und Ausstattung zu bedenken.

Gemeindebrandmeister Giere weist diesen Vorwurf jedoch weit von sich. „Das heißt nicht, dass wir als Feuerwehr gerne Einsätze auf der Autobahn fahren wollen“, nur müsse man sich möglichen Missständen stellen- Und mit einer Anfahrtszeit von mehr als zehn Minuten im Ernstfall sei ein solcher klar gegeben. Die Entfernung zwischen den Anschlussstellen B216 bei Barendorf und L232 zwischen Altenmedingen und Secklendorf betrage rund 17 Kilometer. Die nächstliegenden Feuerwehren könnten die Autobahn je Richtung nur auf einer Fahrbahnseite befahren, was im ungünstigsten Fall eine Strecke von etwa 25 Kilometern vom jeweiligen Feuerwehrstandort bedeute, erklärt Giere.

Abstand zwischen Kanal und Trasse zu gering

Sein Lösungsvorschlag: Sonderzufahrten für Einsatzfahrzeuge auf halber Strecke zwischen den Anschlussstellen, beidseitig im Bereich der geplanten PWC-Anlage oder bei Wulfstorf. Die Sonderzufahrten müssten dann auch für den sonstigen Verkehr gesperrt sein.

Doch genau an diesem Punkt entzünden sich die Zweifel des Grünen-Politiker Schelle-Grotes: „Ich habe schon solche Auffahrten gesehen: Da steht nie ein Poller“, sagt er. Schneider derweil ist schon einen Schritt weiter gegangen, hat gegenüber der Gemeinde „schriftlich protestiert“, obwohl er einer solchen Maßnahme für den offiziellen Autobahnverkehr im Grunde genommen kaum Chancen einräumt: „Der Abstand zwischen Kanal und Trasse ist viel zu gering, als dass man da irgendwo eine reguläre Autobahnauffahrt hineinquetschen könnte.“

Von Anna Petersen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.