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Heine-Haus
Für viele nur eine Stufe, für Rollstuhlfahrer ein Hindernis: Der Haupteingang zum Heine-Haus. (Foto: t&w)

Kleine Stufe, große Hürde

Lüneburg. Mit großer Vorfreude schaut Andreas Feldmann auf die standesamtliche Trauung seines Sohnes, die im Heinrich-Heine-Haus stattfinden soll. Sorgen bereitet im Vorfeld jedoch eine Barriere: Die Stufe am Haupteingang des denkmalgeschützten Hauses Am Ochsenmarkt ist für den Rollstuhlfahrer nicht zu überwinden. Deshalb hat er dem Standesamt einen Vorschlag gemacht, doch dort winkte man ab.

Das Reinkommen ins Heine-Haus sei nicht das Problem, sagt Feldmann. Ein Taxi fahre ihn zum Parkplatz der Volksbank, der hinter dem Heine-Haus liegt. Dessen Hintereingang ist barrierefrei. Nach der Trauung verlassen Hochzeitspaar und Gäste das Gebäude über den Haupteingang. Andreas Feldmann wäre verständlicherweise gerne dabei. Wenn da nicht die Stufe wäre. Deshalb hat er im Internet recherchiert. „Dort fand ich eine Anlegerampe, 90 Zentimeter lang, 7 Kilo schwer, zusammenklappbar.“ Sie koste 85 Euro.

Der Lüneburger rief beim Standesamt an und fragte, ob eine solche Anschaffung nicht möglich sei. Diese könne dann immer Rollstuhlfahrern sowie Eltern mit Kinderwagen den Zugang ins Haus erleichtern. Laut seiner Aussage hieß es dort, dass eine solche Anschaffung nicht in Frage komme. Er könne ja seine eigene Rampe mitbringen.

Das stößt Feldmann in Zeiten, in denen Barrierefreiheit immer wieder gefordert und in öffentlichen Gebäuden möglichst umgesetzt wird, auf. Ihm ist bewusst, dass dies in denkmalgeschützten Gebäuden nicht immer einfach ist. Doch sein Vorschlag sei eine probate, einfache Lösung, die dauerhaft einen barrierefreien Zugang ermögliche.

Stadtverwaltung verweist auch auf alternative Trausäle

Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck verweist darauf, dass es in Lüneburg mehrere Trausäle gibt, die barrierefrei seien. Der Trausaal im Wasserturm sei mit einem Fahrstuhl zu erreichen – Miete kostet allerdings 200 Euro extra, am Glockenhaus gebe es eine Rampe. Das Heine-Haus sei über den Hintereingang barrierefrei zugänglich. „Drinnen gibt es eine fest installierte Rampe zum Trautisch.“

Im vorigen Jahr habe es in allen Trausälen mehr als 900 Eheschließungen gegeben. „Trotz dieser großen Anzahl an Trauungen, wo natürlich immer auch Rollstuhlfahrer unter den Hauptpersonen und ihren Gästen sind, ist es eigentlich bislang noch nie vorgekommen, dass sich keine Lösung fand, um bei kleineren Schwierigkeiten gemeinsam mit der Familie zu helfen. Das ist Alltag.“ Es sei aber auch aus Gründen der Sicherheit und Haftung keine Option für die Stadt, mit einer faltbaren Rampe zu arbeiten. „Für den Privatgebrauch ist das möglich. Aber wer haftet, wenn sich jemand an der Rampe zu schaffen macht während der Trauung und dann etwas passiert? Auch ist die Standesbeamtin während der Trauung allein und kann nicht im Anschluss vor die Tür flitzen und die Rampe aufbauen. Wie soll das gehen?“

Von Antje Schäfer