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So sehen die Roboter aus, mit denen die Schüler wie Hannes Gürlech unter der Anweisung von Prof. Dr. Lin Xie arbeiten. Foto: t&w

Eine App gegen Mobbing

Lüneburg. Informatiker – das sind doch Leute, die im Keller versteckt an Computern programmieren und Pizza futtern, oder? „Das ist ein furchtbares Klischee“, sagt Stefanos Dimitriadis und lacht. Er ist Informatiker und möchte eben dieses Klischee mit dem „Tag der Informatik“ bekämpfen, den er jetzt erneut zusammen mit Prof. Dr. Peter Niemeyer organisiert hat.

„Wir wollen, dass junge Leute ein Bewusstsein für Informatik entwickeln, denn die gibt es überall. Allein in Deutschland sind 50 000 Stellen auf dem IT-Fachmarkt offen.“ Genau dort setzt er an: Knapp 100 Schüler aus der Region arbeiten einen Tag lang an verschiedenen Projekten rund um Informatik, begleitet von Studenten, Juniorprofessorin Dr. Lin Xie und von Dimitriadis selbst. In Kleingruppen werden Apps entwickelt oder Roboter programmiert.

Kampf gegen das Klischee

Zum Einstieg spricht Dr. Lin Xie über den Einfluss von Robotern auf unser Leben – im beruflichen wie im persönlichen Bereich. „Bereits jetzt gibt es automatisierte Lagerhäuser, in denen Roboter das Meiste erledigen. Das verändert die Arbeitsmärkte. Während der Bedarf nach Geringqualifizierten sinkt, werden mehr und mehr Hochqualifizierte gebraucht.“

Der Workshop, den Xie betreut, beschäftigt sich mit einer vereinfachten Version eben dieser Roboter. Aufgabe der Schüler ist es, die Roboter zu bewegen und Dinge mit ihnen anzuheben. „Am Anfang waren die Schüler noch etwas verzweifelt, aber inzwischen haben sie den Dreh raus“, berichtet die Professorin stolz. Hannes Gürlech vom Bernhard-Riemann-Gymnasium in Scharnebeck erzählt begeistert, wie seine Gruppe den Roboter mithilfe einer Programmiersprache zum Fahren bekommen hat. Der Zwölftklässler ist mit seinem Informatikkursus dabei – klar, dass er sich über diese Möglichkeit freut. „Es ist mal was anderes, mit Programmiersprache zu arbeiten, das haben wir noch nie gemacht. Aber trotzdem kommen wir damit gut klar.“ Das liege eben daran, dass es so logisch sei. „Außerdem macht es Spaß!“ Bei der Vorstellung der Gruppenergebnisse funktioniert der Roboter dann zwar nicht, aber auch Pannen gehören eben zur IT-Arbeit dazu.

Anonymes Rollenspiel mit Levelsystem und Aufgaben

Dimitriadis hat seine Schüler in vier Gruppen eingeteilt, die jeweils ein Konzept für eine wirksame Anti-Mobbing-App entwickeln sollen. Die Ideen variieren – eine Gruppe zum Beispiel fokussiert sich auf den Austausch der Nutzer anhand gemeinsamer Interessen, der verhindern soll, dass es überhaupt zu Mobbing kommt. Dimitriadis gefällt dieser Ansatz: „Wenn es keine Außenseiter gibt, kann auch niemand so leicht in die Opferrolle gestellt werden.“

Die Gruppe, die am Ende jedoch den Gewinn für das beste Konzept entgegennimmt, hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: „Unsere App Connexions soll ein anonymes Rollenspiel mit Levelsystem und Aufgaben sein, die es zu erfüllen gibt. Manchmal erreicht man ein neues Level nur, wenn man sich einem computergenerierten Gegenüber wehrt, der einen Mobber repräsentieren soll. Und um das zu schaffen, muss man sich beispielsweise mit lauter, fester Stimme der anderen Figur widersetzen“, schildern die Gruppenmitglieder. Durch solche Interaktionen soll das Selbstbewusstsein des Spielers gestärkt werden; Es ist dieser Gedanke, der die App aus den anderen hervorstechen lässt. Aber Dimitriadis hat für alle Teilnehmer lobende Worte: „Mit einem so qualitativ hochwertigen Ergebnis in so kurzer Zeit hätte ich nicht gerechnet.“

Jugendliche ernten Lob für ihre Ergebnisse

Am Ende des Tages tauschen die Schüler ihre Ergebnisse aus. Über alle Workshops verteilt gibt es von den Leitern positive Rückmeldungen, aber auch die Teilnehmer sind sich einig, dass der Anspruch nicht zu hoch gesetzt gewesen sei und dass sich die Arbeit gelohnt habe.

Und vielleicht hat Stefanos Dimitriadis es ja geschafft, ein paar Schüler für den Beruf als Informatiker zu begeistern.

Von Josephine Wabnitz