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Bauern Bienen
Imker Holger Netzel aus Reinstorf hält eine abgemähte Blüte hoch. Für seine Bienen, sagt er, ist nichts mehr zu holen. Die Ackerlandschaft ist eine einzige grüne Wüste. (Foto: kre)

Ärger um Häcksler-Einsatz

Reinstorf. Holger Netzel lässt den Blick über die Weite der abgeerneten Äcker schweifen – und fühlt sich unwillkürlich an die Wüste erinnert: An eine grüne Wüste zwar, in der aber trotzdem nichts mehr wächst, nichts mehr blüht, was Bienen und andere Insekten am Leben hält. Abgesehen von der Zwischenfrucht, die auf einem Acker unweit seines Hauses ausgebracht worden war.

Ölrettich, Gelbsenf, Phacelia – ein wahres Schlemmerparadies für Bienen in kargen Zeiten. Doch auch diese Nekar- und Pollenquelle gibt es seit Mitte dieser Woche nicht mehr. Der Landwirt hat sie kleingehäckselt – als Vorbereitung für die nächste Aussaat. Und mit dieser Arbeit am Dienstag begonnen– einem Tag, an dem das Wetter noch einmal spätsommerlich warm und angenehm war. Ideales Flugwetter auch für Netzels Bienen, die die Gründüngung anflogen und im Häckslerwerk endeten. Eine Katastrophe – und ein gefundenes Fressen für die Schwalben, „die in Scharen über dem Acker kreisten“, berichtet der Imker verärgert.

Zur falschen Zeit  auf dem Acker?

Dass der Landwirt seinen Acker bestelle, sei sein gutes Recht. Holger Netzel stellt das auch gar nicht infrage – „aber muss er das ausgerechnet an einem Tag und in einer Zeit machen, in der die Bienen noch einmal ausfliegen? Frühmorgens oder am Abend, wenn die Bienen den Stock nicht mehr verlassen, sei die richtige Zeit dafür.

Der Reinstorfer ist sich sicher: „Dieses Verhalten entspricht nicht der guten landwirtschaftlichen Praxis.“ Er schaltet die Polizei ein. Pressesprecher Kai Richter bestätigt den Vorfall und sagt: „Es wurden rund 15 Hektar Fläche gehäckselt. Die Kollegen haben den Fall aufgenommen, wir prüfen das jetzt.“

„Der Landwirt hatte bis zur Bearbeitung des Feldes einen ökologisch wertvollen Bestand geschaffen.“ – Walter Hollweg , Sprecher der Landwirtschaftskammer

Auf LZ-Anfrage äußert sich auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit Sitz in Oldenburg: Sie schreibt in ihrer Stellungsnahme: „Um die Frage, ob der Landwirt gegen Gesetze verstoßen hat, genau beantworten zu können, müsste geprüft werden, ob die Zwischenfrucht im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen oder als ökologische Vorrangfläche angebaut wurde. Sollte das der Fall sein, so kann es hinsichtlich des Mähens Beschränkungen geben. Diese möglichen Beschränkungen würden sich aber nicht auf den Bienenflug beziehen.“

Und weiter: „Sollte die Zwischenfrucht ohne Auflagen angebaut worden sein, gibt es keine Eingrenzung bezüglich des Mahdtermins. Der Landwirt kann dann zu jeder Zeit das Feld bearbeiten.“

„Winterbienen“ im Häcksler geschredder

„Ergänzend“, so Walter Hollweg, Sprecher der Kammer weiter, „möchte ich darauf hinweisen, dass der Landwirt bis zur Bearbeitung des Feldes einen ökologisch wertvollen Bestand geschaffen hat, der auch und insbesondere den Bienen zugute kam“.

Doch das nutzt Netzel wenig, wenn gerade die sogenannten „Winterbienen“ im Häcksler geschreddert werden, beziehungsweise, wenn ihren das Futterangebot noch weiter reduziert wird: Denn es sind die Winterbienen, die jetzt große Mengen an Fett, Eiweiß und Nährstoffen speichern müssen – die dann zur Ernährung und Futterproduktion für die erste Frühjahrsbrut dienen, denn diese wird von den Winterbienen aufgezogen. Umso wichtiger sei es daher, dass die Winterbienen im Herbst genug Pollen bekommen, denn dann können sie auch gute Ammenbienen werden.

Von Klaus Reschke

19 Kommentare

  1. Christian Trautwein

    Wer als Landwirt solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde mehr.

    Das geht meiner Meinung einfach zu weit, wenn jeder x-Beliebige meint, er könne Anspruch auf den Besitz eines Anderen erheben. Wenn ich im Garten meinen Rasen mähe, würde keiner auch nur auf die Idee kommen, zu verlangen, um Löwenzahn und Klee herumzumähen. Aber einen Landwirt würde man am Liebsten mit Einschränkungen und Vorschriften enteignen.

    • wer soll nach ihrer meinung die verantwortung für die natur übernehmen? viele können es ja scheinbar nicht.

      • Christian Trautwein

        Der Schein trügt! – Jeder erntet das, was er sät. Besser selbst mit gutem Beispiel vorleben, als andere auf den Pranger zu stellen.
        Als Landwirt macht man nichts Schlechtes, wenn man eine Zwischenfrucht einarbeitet, um z.B. noch eine Wintersalat auszusâen. Und als Imker hat man eine Fürsorgepflicht für seine Bienen und kann diese nicht einfach dem Landwirt zuschieben. Wenn keine Futtergrundlage mehr besteht, dann muss er die Bienen wo anders hinbringen oder zufüttern, aber niemals hat ein fremder in erster Linie die Schuld, wenn meine Bienen hungern.
        Dieses Prinzip ist meiner Meinung auch auf andere Bereiche übertragbar.

        • Christian Trautwein
          der schein trügt? wohl kaum. dass verschwinden vieler arten beweißt die dummheit vieler menschen.
          Jeder erntet das, was er sät? nicht immer, wenn es in der zukunft noch trockener wird. es geht auch hier leider nicht um die natur, sondern nur ums geld. stirbt die biene, stirbt der mensch. dabei macht so mancher gartenbesitzer mit. englischer rasen taugt nichts für die natur. so mancher garten ist voll mit giftpflanzen, womit weder heimische vögel noch insekten was anfangen können,aber sie sehen für kinder besonders verlockend aus. es gibt nicht nur bauern, die auf die umwelt scheißen.

        • Es gibt ca. 570 Wildbienenarten in Deutschland. Für diese Arten hat kein Imker eine Fürsorgepflicht – sondern wir ALLE! Diese Arten lassen sich nicht einfach irgendwo anders hinbringen. Das z.B. an sonnigen Spätsommertagen früh am Morgen oder später am Abend gehäckselt oder im Garten gemäht wird sollte eine Selbstverständlichkeit für jeden sein, nicht nur für Öko-Bauern!

  2. Ein einfaches Gespräch zwischen Imker und Landwirt hätte dies auch verhindern können der Landwirt braucht die Bienen und der Imker benötigt die Pflanzen um seinen Bestand aufrecht zu erhalten. Da werden die meisten Landwirte einlenken.
    Dem Landwirt kann hier meiner Meinung nach keine Schuld gegeben werden, auch Sie können nicht auf alles achten und immer alles wissen 🙂

  3. Vielen Dank für diesen interessanten Bericht! Ich kann den Imker verstehen, und finde es gut und mutig, dass er auf den Missstand bzw. Fehler hingewiesen hat! So gut es auch ist, dass Blühstreifen gefördert werden und viele konventionelle Landwirte anfangen, wieder etwas für die Artenvielfalt zu tun: hier ist offensichtlich noch viel Arbeit und Aufklärung erforderlich. Unsere Landwirtschaft wurde ja bekanntlich jahrzehntelang auf Effizienz getrimmt, das Vertrauen in die Technik und Verheißungen der Agrarkonzerne scheint vielerorts noch immer noch sehr groß. Solange Blühtreifen vielerorst aber eher wie „Alibi-veranstaltungen“ wirken (und dann auch noch zur Unzeit abgemäht werden) ist der Natur kaum geholfen. Dabei wäre es sehr wichtig, bäuerliche Traditionen und uraltes Wissen um die Zusammennhänge der Natur zu reaktivieren. Kleinere Ackerflächen, mit Büschen und Bäumen am Rand wären m. E. z.B. sehr zu begrüßen. Wer das einfordert, wird aber leider viel zu oft als „Ökospinner“ oder „unwissender Stadtbewohner“ abgetan. Gut zu beobachten war das im letzten Jahr, als Umweltministerin Hendricks einen breiten Dialog über die Zukunft der Landwirtschaft und Agrarsubventionen anstossen wollte, und Bauernverbände und Landwirtschaftsministerium behaupteten, dies sein nicht Sache des Umweltministeriums. Ein Blick in das überaus sehenswerte LZ-Multimedia Projekt „High-Tech die Zukunft der Landwirtschaft“ dokumentiert das Selbstverständnis vieler konventioneller Landwirte relativ gut. Ich erlaube mir wage Zweifel, ob wir mit noch mehr Maschinen undTechnik (Drohnen und GPS…) , immer größeren Ackerflächen, und noch mehr Pflanzengift, Jauche und Kunstdünger die Ernährung der Weltbevölkerung sicherstellen könnnen. Im Gegenteil: wenn wir dieses Konzept in Regionen exportieren, in denen es heute kleinbäuerliiche (angeblich ineffiziente) Strukturen gibt, wäre das m. E. fatal. Kurzum: Blühstreifen sind ein schöner Anfang, aber doch eher ein Tropfen auf den heißen Stein, solche Maßnahmen wären m. E. nur dann wirklich produktiv, wenn sie mit einem umfangreicheren Um-Denken, einer Annnäherung an die Natur (und das was Esoteriker gern „Mutter Erde“ nennen) verbunden sind.- Dazu gehört auch, dass man in der Landschaft nicht überall aufräumt, wie in seinem Wohnzimmer, sondern dass man bereit, Wildwuchs zuzulassen und ggf. auf auf die „Wirtschaftlichkeit“ der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu verzichten, wo es möglich ist. Wird wohl ein Traum bleiben, ich weiß ….

  4. Marion Miedaner-Watteler

    Der Landwirt hat völlig gedankenlos alles geschreddert inkl der Bienen … so etwas gehört bestraft!!! Hat er auch noch Geld bezogen dafür, dann gehört ihm das plus eine dreifache Geldbusse wieder entzogen. Hat er kein Geld bezogen sondern es auf freiwilliger Basis angesäat, dann gehört ihm eine einfache Geldbusse auferlegt; denn auch bei freiwilligem Anlegen muss man sich der ganzen Verantwortung stellen und nicht mittendrin alles zerstören inkl der Bienen, da er noch nicht einmal während deren Ruhezeiten geschreddert hat. Und ist das ganze noch nicht gesetzlich geregelt, dann kann man das mit diesem Fall tun.

    • Wofür soll der Landwirt Geld bekommen wenn er für gute landwirtschaftliche Praxis sorgt. Es werden schon länger Zwischenfrüchte angebaut, auch wenn man kein Geld dafür bekommt. Es geht dabei um Humus in den Boden zu bringen, und da säät man nach einer früh geerntet Fläche eine Zwischenfrüchte, die dann vor der Herbstsaat wieder eingearbeitet wird. Solche Zwischenfrüchte für die man eine Förderung bekommt bleiben über dem Winter auf dem Feld und dürfen erst ab dem 15.02. eingearbeitet werden. Wenn der Imker davon wusste das seine Bienen auf der Fläche sind, hätte er auf den Landwirt zugehen gekonnt und im Bescheid geben. Dann wäre dieser sicherlich auch Kompromiß bereit gewesen wegen dem Mulchzeitpunkt. Aber immer die Schuld beim Landwirt suchen. Sollen die Imker auch selbst mal was dafür machen. SIE können sich ja mal am Saatgut beteiligen für eine Bienenweide die der Landwirt auf eine seiner Flächen anlegen kann. Das kostet nämlich auch etwas.

    • Du bist ja ein ganz schlauer.
      Mach dich doch bitte erstmal schlau,unter welchen Bestimmungen und Auflagen ein Landwirt wirtschaften muss,um überhaupt Geld von der EU zu erhalten. Da kommst du noch mit Strafen daher.
      Genauso gut kannst du aber die Bienen zähle ,die im Hächsler gelandet sind.
      Ein Dialog zwischen beiden hätte hier sicher geholfen. Der Einzige,der Arbeit mit dem Bestand hatte,ist in dem Fall der Landwirt.

    • Warum soll man denn jemanden bestrafen, nur weil er seine Arbeit macht??? Man weiß nicht ob sich in diesem Fall der Imker mit dem Landwirt abgestimmt hat, und der Landwirt wusste das sich die Bienen genau dieses Imkers in seinem Feld befinden. Wenn hier zb Wintergerste ausgesät werden soll,so muss der Landwirt seine Fläche bearbeiten da die Saat bis zum 1 Oktober zu erfolgen hat, wenn noch leicht gedüngt werden soll. Siehe Düngeverordnung / Crosscompliance Katalog. Ich sehe das Problem eher bei mangelnder Absprache.Es ist eine Frechheit dann hinterher seinen eigenen Fehler bei andren zu suchen.

  5. Erstmal sollte man sich fragen warum der Bestand geschröpft wurde !
    Es geht darum das ein Aussamen der betandsbildenen Pflanzen in jedem Falle verhindert werden muss , das sie nicht in der folgefruchrucht als unkraut chemisch bekämpft werden müssen .
    Das kann mechanisch durch schegeln , unterpflügen oder Niederwalzen mit der Konsequenz das bei entsprechenden flugwetter Bienen schaden nehmen können .
    Auch wenn es hier niemand gern hört , aber der Einsatz des totalherbizt glyphosat wäre in jedem Falle nützlingsschonender gegenüber aller nechanischen varianten gewesen !
    Jeder derer die hier auf die Landwirtschaft schimpft sollte mal mit sich selber ins kämmermein gehen und fragen welche Maßnahmen er zum bienenschutz beisteuern kann !

  6. Der Imker beeindruckt mich wirklich sehr. Erst partizipiert er ungefragt von dem auf Kosten des Landwirts angebauten Planzen um dann nach der Ernte in diesem wirklich extremen Jahr wo Futter überall knapp ist den Landwirt zu verklagen?! Das Kreuz muß man erst Mal haben. Ich arbeite selber in der Landwirtschaft und viel mit Imkern zusammen aber die kommen von ihrem Verhalten nicht Mal in die Nähe dieses Mannes. Genau auf diese Art und Weise wird kein Landwirt mehr blühende zwischenfrüchte anbauen. Freiwillig dann Nie.

  7. Danke an den Imker der solch eine Hetze malwieder auf die Landwirtschaft auslöste. Ein Glück das ich als Landwirt keine blühende und winterharte Zwischenfrucht ausgesäet habe. Die meisten wissen gar nicht, das Zwischenfrucht nicht Samen bilden soll und auch nicht im nächsten Frühjahr übermäßig gewachsen sein darf. Das würde beides eine übermäßige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln hervorrufen. Wenn alle anderen außer die Landwirte das alles besser wissen, dann macht das selber ,besser !!! Und der Landwirt kommt dann zum meckern.

    • Pflanzenschutzmitteln? tja, welch ein witz, welche pflanze soll denn vor welcher pflanze geschützt werden? die geld einbringt, oder doch nur die , die für die umwelt wertvoller sind? wäre das wort pflanzengift nicht angebrachter? soldaten fallen ja auch nur. die verniedlichungen so mancher begriffe haben in deutschland methode.

  8. der imker hat nichts falschen gesagt, oder behauptet. nur ertappte regen sich hier künstlich auf, oder?

  9. So ein schmarn wenns nach den en ginge dürfte man keine einzige Wiese mehr mähen oder häckseln man kann doch kein nez um einen Acker spannen das Ja keine hinfliegt
    Oder soll man vorher um die Wiese laufen und den Bienen sagen ihr müsst hier weg es wird gleich geheckselt wo sind wir den die Leute wolln doch was zu essen oder Milch und noch viel mehr fragt euch doch mal woo kommt das alles den her wir arbeiten auch am tag 15stunden und Dan sollst sowas auch noch machen wo sind wir den

  10. Wartet nur, Wespen!

    Nachdem Ihr nacheinander unseren IT-Mann und unsere Redaktionsassistentin gestochen, beim Konferenzessen unsere Schnitzel belagert und dicke Stücke aus unseren Fritten gefräst habt und massenhaft in unsere Biere geplumpst seid, fragen wir uns: Was macht Euch so unbesorgt und hochnäsig? Denn jetzt, da die Klimaerwärmung richtig loslegt, ziehen bald die richtig dicken Dinger aus dem Süden bei uns ein und machen Euch fertig, ha! Da wäre zum Beispiel der Mittelmeerskorpion, der Euch mit seinem flinken Stachel den Garaus machen wird! Sein Gift kann nämlich sogar Menschen tö- … Halt, stop!

    Reicht Euch doch noch mal die Hand!

    Euern Otto

  11. Zur Einordnung der Größenordnung einer Schädigung von Bienen durch das Hächseln von in Blüte stehenden Flächen sei auf die Feldversuche von R. Frick und P. Fluri von den Eidgenössischen Forschungsanstalten für Agrar-und Milchwirtschaft zu Bienenverlusten beim Mähen mit Rotationsmähwerken mit integriertem Aufbereiter hingewiesen. So wurden bei in voller Blüte stehendem Weißklee Verluste von 9 bis 24 Tausend und bei Phacelia von 90 Tausend Bienen je ha ermittelt (Agrarforschung 8(5): S.196-201, 2001).
    In Reinstorf wurde in einem blühendem Bewuchs mit Phacelia, Ölrettich und Ackersenf eine ähnliche Technik wie bei der Untersuchung in der Schweiz mit schreddernder und hächselnder Wirkung eingesetzt. Die Problematik großer Sammelbienenverluste, die in der Summe zwei Bienenvölker je ha ausmachen können, und auch die nicht zu unterschätzenden Verluste bei anderen Insekten, wie Hummeln, Wildbienen, Schwebfliegen, beim Bearbeiten von in voller Blüte stehenden landwirtschaftlichen Kulturen besteht schon lange. In Süddeutschland ist es immer wieder das Abernten von Wiesen mit blühendem Löwenzahn. Vor einigen Jahren war es auf einem sehr großen Feld im Landkreis Lüneburg die Ernte eines blühenden Ackerwicken- Roggengemischs für eine Biogasanlage.
    Trotz der Erkenntnis, dass Bienen aufgrund ihrer Gehörlosigkeit kaum eine Chance haben, den schlagkräftigen und schnellen Ernte- oder Bearbeitungsmaschinen rechtzeitig auszuweichen, werden Zwischenfälle, wie vor kurzem in Reinstorf, nach wie vor als „Gute Landwirtschaftliche Praxis“ oder „Ordnungsgemäße Landwirtschaft“ von den landwirtschaftlichen Fachbehörden und dem Gesetzgeber eingestuft.
    Die Stellungnahme der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Fall in Reinstorf, „möchte ich darauf hinweisen, dass der Landwirt bis zur Bearbeitung des Feldes einen ökologisch wertvollen Bestand geschaffen hat, der auch und insbesondere den Bienen zugute kam“ ist zynisch in Anbetracht der offensichtlichen Bienenverluste des Imkerkollegen.
    Was steht einer gesetzlichen Regelung entgegen, ähnlich der zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nach Bienenschutzverordnung, dass in Blüte stehende landwirtschaftliche Kulturen bei Bienenbeflug nicht abgeerntet werden dürfen? Freiwillige Absprachen zwischen Landwirt und Imker dürften nach meiner Einschätzung nur in seltenen Fällen zielführend sein, da der Landwirt im Normalfall die landwirtschaftlichen Arbeiten in Abhängigkeit vom Wetter, dem Erntetermin oder anderen Entscheidungskriterien mit kurzer Vorlaufzeit plant und durchführt.
    Wie die Landwirtschaftskammer zutreffend feststellt, würden bei der Förderung von Agrarumweltmaßnahmen oder ökologischen Vorrangflächen auferlegte Beschränkungen hinsichtlich des
    Mähens sich nicht auf den Bienenflug beziehen. Das heißt im Klartext, wenn die nach den
    Förderrichtlinien auferlegten Antragsvoraussetzungen und Fristen eingehalten werden, dürfen Flächen
    auch zu Zeiten des Bienenflugs abgeerntet werden, ohne eine Kürzung dieser umweltbezogenen
    Subventionen befürchten zu müssen.
    Bezüglich einer Argumentation, Landwirte würden mit dem Anlegen von Blühflächen ökologisch bedeutsame Leistungen erbringen, die von der Gesellschaft und auch Imkern nur unzureichend anerkannt würden, erlaube ich mir die Bemerkung, dass der überwiegende Teil dieser sinnvollen Maßnahmen in erheblichem Umfang mit Subventionen der EU und des Landes, d.h. mit Steuergeldern, gefördert wird. In Niedersachsen kann die Subvention bei einer Kooperation mit einem Imker noch um 100 Euro je ha gesteigert werden. Unter diesem Gesichtspunkt ist es nicht nachvollziehbar, dass bei gezielt mit öffentlichen Mitteln geförderten ökologischen Landbewirtschaftungsmaßnahmen nach wie vor überholte Maßstäbe für eine „Gute Landwirtschaftliche Praxis“ angewendet werden.