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Oberstleutnant Michael Hoppstädter gibt am 27. September das Kommando über das Aufklärungslehrbataillon 3 ab. Foto: t&w

„Der Standort ist auf Jahre sicher“

Lüneburg. Die Lüneburger Aufklärer bereiten sich auf einen Kommandeur-Wechsel vor: Am 27. September übergibt Oberstleutnant Michael Hoppstädter (43) nach drei Jahren das Kommando über das Aufklärungslehrbataillon 3 „Lüneburg“ an seinen Nachfolger Oberstleutnant Hendrik Staigis. Viel Zeit, sich in die neue Aufgabe einzufinden, wird dem neuen Kommandeur freilich nicht bleiben. Denn nur einen Tag später wird die Masse des Bataillons nach Norwegen verlegt, um dort an der größten Militärübung seit Ende des Kalten Krieges teilzunehmen.

Mehr als 40.000 Soldaten aus 30 Nato-Staaten nehmen an dem Manöver teil. Die Bundeswehr schickt rund 10.000 Soldaten, das Aufklärungslehrbataillon 3 „Lüneburg“ ist mit rund 350 Soldaten und 150 Fahrzeugen an der Übung „Trident Juncture“ (Dreizackiger Verbindungspunkt) beteiligt. Ab 2019 nämlich werden die deutschen Soldaten als sogenannte Speerspitze der Nato eingesetzt. Mit dem Großmanöver soll diese schnelle Eingreiftruppe ihre Kampfbereitschaft unter Beweis stellen.

Die Vorbereitung zu dieser Großübung fand für die Lüneburger Aufklärer noch unter dem Kommando von Michael Hoppstädter statt. Seine Soldaten wird er nun aber nicht mehr nach Norwegen begleiten können. Er wechselt nach Münster in den Stab des 1. Deutsch-Niederländischen Korps in die G2-Abteilung – zuständig dort unter anderem für die „Beurteilung der Feindlage“. Zum Abschluss seiner Dienstzeit in Lüneburg äußert sich der scheidende Kommandeur unter anderem zum Ausbildungsstand der Soldaten, zur Ausstattung der Bundeswehr und zur Zukunft des Standortes Lüneburg.

In wenigen Tagen übergeben Sie das Bataillon an Ihren Nachfolger. Auch wenn das zum beruflichen Alltag im Leben eines Offiziers gehört – was geht jetzt in Ihnen vor?
Michael Hoppstädter: Da ist natürlich auch Wehmut. Die drei Jahre als Kommandeur waren zwar anstrengend, sie waren fordernd, sie haben viel von einem verlangt. Aber es waren auch drei wunderbare Jahre, weil man Verantwortung als Bataillonskommandeur hat, weil man mit tollen Soldaten zusammen arbeiten kann.

Die Aufklärer sollen als sogenannte schnelle Eingreiftruppe binnen kürzester Zeit einsatzbereit sein. Wie ist der Ausbildungsstand der Soldaten?
Der Ausbildungsstand ist sehr hoch. So hoch, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Bislang sind wir in die Auslandseinsätze gegangen auf Ebene einer Kompanie, oder einer gemischten Aufklärungskompanie. Jetzt sind wir praktisch eine Ebene höher ausgebildet, haben die Zusammenarbeit mir anderen Verbänden vielfach geübt. Sei es in Wildflecken, in Simulationszentren, sei es in Munster, sei es in einer sehr großen freilaufenden Übung im Raum Amelinghausen-Munster-Bergen. Das Bataillon ist überprüft und zertifiziert worden, ob wir bereit sind für unseren Auftrag. Diese Überprüfung haben wir mit ‚excellent‘ abgeschlossen. Das ist die höchste Bewertung. Wir sind einsatzbereit!

Können Sie auch einige Worte zur Ausrüstung sagen? Was ist gut, woran hapert es noch?
Die Ausrüstung ist besser geworden, das muss man ganz ehrlich sagen! Es sind sehr viele Fahrzeuge zu uns gekommen. Wir haben gerade auch für die jetzt bevorstehende Übung in Norwegen Winterzusatz-Bekleidung bekommen, die wirklich gut ist. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch das eine oder andere, was man gerne mehr hätte, das ist ganz verständlich. Aber: Das Material, das wir haben, ist für unseren Einsatz gut und ausreichend.

Also spüren Sie die von Ministerin von der Leyen angekündigte Trendwende, nach der mehr Geld für die Bundeswehr bereit gestellt werden soll?
Ja, das spüren wir!

Bosnien, Kosovo, Afghanistan, Mali – jetzt auch noch die schnelle Eingreiftruppe: Sind die Aufklärer in der Lage, diese vielen Einsätze zu bewältigen?
Ich will es mal so sagen: Uns Aufklärer zeichnet aus, dass wir immer dabei sind. Man braucht unsere Fähigkeiten. Bei Stabilisierungs-Missionen wie in Bosnien, Afghanistan, Kosovo, Mali oder wo auch immer. Aber genauso braucht man unsere Fähigkeiten in Sachen Aufklärung auch im hochintensiven Gefecht. Gott behüte, dass es jemals dazu kommt. Aber auch dann braucht man Informationen über den Feind.

Wie beurteilen Sie die Unterstützung der Truppe vor Ort durch die örtliche Politik. Die Diskussion um den Standort-Übungsplatz flammt ja immer wieder mal auf?
Nicht, nur! Diskutiert wurde in der Vergangenheit auch immer wieder darüber, ob man Teile der Kaserne aus der militärischen Nutzung nehmen kann. Aber seit eineinhalb Jahren herrscht diesbezüglich Ruhe, scheint das überhaupt kein Thema mehr zu sein. Und die Zusammenarbeit mit der Stadt Lüneburg war stets sehr gut – beim Rückkehrer-Appell auf dem Marktplatz genauso wie bei Demonstrationen gegen die Bundeswehr. Wir merken außerdem, dass der gesamte Standort Lüneburg wächst: Wir haben in der Theodor-Körner-Kaserne eine zusätzliche Kompanie des Offizieranwärter-Bataillons aus Munster mit 200 zusätzlichen Soldaten untergebracht. Die Abgabe von Bereichen der Kaserne steht daher überhaupt nicht zur Diskussion. Eventuell wird es in Zukunft sogar noch mehr Soldaten im Standort Lüneburg geben. Aus meiner Bewertung heraus ist der Standort deshalb für die nächsten Jahre, wenn nicht sogar für die nächsten Jahrzehnte sicher.

Wo muss aus Ihrer Sicht in der Theodor-Körner-Kaserne investiert werden?
In die Modernisierung der Infrastruktur, in die Unterkünfte unserer Soldaten. Das heißt, in Zukunft wird jedem Soldaten eine Einzelstube zur Verfügung gestellt werden mit eigener Nasszelle. Diesen Standard haben wir schon in der einen oder anderen Unterkunft, aber eben noch nicht überall. Das geht aber auch nicht. Das braucht seine Zeit. Deshalb wird auch weiter in die Kaserne investiert werden müssen. Investieren werden wir auch in die Truppenküche. Auch da wird es eine Sanierung oder einen Neubau auf absehbare Zeit geben.

Demonstrationen gegen die Bundeswehr gehören inzwischen zum Alltag. So zum Beispiel beim Tag der offenen Tür vor wenigen Wochen. Wie denken Sie über solche Aktionen? Und: Würden Sie sich mehr Unterstützung von der Gesellschaft wünschen?
Demonstrationen gehören zur Demokratie! Da gehört es dazu, dass man seine Meinung frei äußern darf – und zwar in alle Richtungen. Solange es im Rahmen des Grundgesetzes bleibt. Mit der Demonstration am Tag der offenen Tür bei uns vor der Wache hatte ich deshalb auch keine Probleme. Die Demonstranten hatten sich so verhalten, wie es vorher abgesprochen war – von ein, zwei Ausnahmen abgesehen. Aber natürlich freuen wir uns, wenn die Bevölkerung zu uns steht und anerkennt, was wir leisten. Ich bin mir sicher, dass die breite Masse der Lüneburger hinter uns steht.

Am 27. September übergeben Sie das Bataillon an Ihren Nachfolger. Was geben Sie ihm mit auf den Weg?
Eine Menge Arbeit und den gut gemeinten Ratschlag, mit der nötigen Gelassenheit an die neue Aufgabe heran zu gehen: Dinge die man nicht ändern kann, so auch hinzunehmen. Vor allem aber wünsche ich ihm, dass, genauso wie in meiner Zeit als Kommandeur, kein Soldat zu Schaden kommt. Weder im täglichen Dienst, noch in den Einsätzen.

Von Klaus Reschke