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Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, hat der bei vielen Entscheidungen ein Wort mitzureden. Das gefällt nicht jedem Chef. Dabei ist es das Recht der Arbeitnehmer, eine Vertretung zu gründen. Foto: Robert Kneschke

Wehe, die Belegschaft will mitreden

Lüneburg. Wenn IG-Metall-Sekretär Lennard Aldag sich mit Kollegen aus Betrieben trifft, geht das oft nur in Hinterzimmern von Kneipen: „Die haben Angst um ihren Arbeitsplatz, wenn sie einen Betriebsrat gründen wollen.“ Dabei nehmen sie ein Recht wahr, eines, das ihnen das Betriebsverfassungsgesetz garantiert. Wer die Wahl von Betriebsräten behindert, macht sich sogar strafbar, bis zu einem Jahr Gefängnis steht darauf. Doch die Erfahrung von Aldag und anderen Gewerkschaftern aus der Region ist jene: Geschäftsleitungen würden bei derartigen Bestrebungen versuchen, die jeweiligen Akteure rauszuwerfen oder sie auf schlechtere Posten zu setzen.

Ähnliche Erfahrungen hat Manuela Schäffer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gemacht. In einem Lüneburger Hotel zum Beispiel scheiterten Beschäftigte und NGG bei einer Versammlung mit ihren Plänen. Der Grund aus ihrer Sicht scheint ein Kernproblem aller Gewerkschaften zu sein: „Wir haben dort zu wenig Mitglieder.“
In Altenheimen werden Wahlen gern torpediert

Wahlbeteiligung fiel über alle Sparten hinweg etwas geringer aus

Doch trotz Rückschlägen bleiben die Gewerkschafter zuversichtlich. Im Frühjahr waren Beschäftigte in der Region zu Betriebsratswahlen aufgerufen. Die in Lüneburg vertretenen Organisationen können nur eine vorläufige Bilanz ziehen, da immer noch nicht alle Daten ausgewertet seien. Das liege am komplizierten Verfahren. Nach einer ersten Einschätzung fiel die Wahlbeteiligung über alle Sparten hinweg etwas geringer aus. Es gebe dank des guten wirtschaftlichen Klimas mehr Beschäftigte in den Firmen, doch man habe nicht alle mobilisieren können.

 

 

 

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Im Bereich der Altenpflege erlebt Robert Kirchner, dessen Bereich sechs Landkreise im Nordosten Niedersachsens umfasst, dass Konzerne Heime übernehmen. „Eigentlich haben wir gute Rahmenbedingungen“, sagt der ver.di-Sekretär. Denn Personal werde gesucht. Trotzdem versuchten Heimbetreiber, Kosten zu sparen und die Betriebsratswahlen zu torpedieren. „In den kleinen Einrichtungen ist es ein mühsamer Prozess, Mitglieder zu gewinnen.“ Nur wenn man schlagkräftig sei, könne man auch Forderungen durchsetzen. Gelohnt hat sich das inzwischen für Beschäftigte einer Lüneburger Einrichtung, dort werde jetzt ein anderes Tarifmodell angelegt, was für die Mitarbeiter ein monatliches Gehaltsplus von bis zu 750 Euro bedeuten könne.

Generationswechsel gehen oft mit Problemen einher

Die IG Bau Chemie und Energie, die in Lüneburg beispielsweise beim Autozulieferer Yanfeng und dem Klebstoffspezialisten Fuller vertreten ist, bereitet sich auf einen Generationswechsel vor. Einige der aktiven Betriebsräte gehen in den kommenden Jahren in Rente, mit einem Förderprogramm versuchen die Arbeitnehmervertreter, Nachwuchs zu gewinnen, der sich dann in Unternehmen für die Belegschaft einsetzt.

Generationswechsel ist auch für die IG Metall ein Thema. Allerdings unter anderen Vorzeichen, berichten Rainer Näbsch und Lennard Aldag: Wenn alte Chefs von ihrem Nachwuchs abgelöst werden, komme es vor, dass der Junior den Beschäftigten alte Vereinbarungen streichen wolle, um Kosten zu drücken. Wenn Mitarbeiter dann einen Betriebsrat gründen wollten, setze ein „Union Bustin“ ein, ein Schlechtmachen und Aushebeln von Gewerkschaften. Nicht jeder halte es aus, dagegen anzustehen.

Allerdings gebe es durchaus Unternehmen, die keine Probleme damit haben, wenn sich eine Arbeitnehmervertretung gründet, wie jetzt bei der Firma Electric Paper Informationssysteme. Zu Recht, finden die Gewerkschafter, denn Beschäftigte hätten ja durchaus im Blick, was der Firma nütze, und seien zu Kompromissen bereit.

Von Carlo Eggeling

One comment

  1. filialen arbeiten mit bekannten tricks um betriebsräte zu verhindern. die personaldecke wird unter einer bestimmten zahl gehalten und jede filliale soll angeblich nur für sich verantwortlich sein.