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Jenny Elvers hat ihre Autobiografie geschrieben. Derzeit lebt die frühere Heidekönigin mit ihrem Sohn Paul in Lüneburg. Foto: t&w

Bis der Körper nicht mehr mitmacht

Lüneburg. Sie ist der wohl bekannteste Exportschlager Amelinghausens. Sie war es, die die Wahl zur Heidekönigin über die Grenzen des kleines Heideortes hinaus b ekannt gemacht hat. Sie gilt als „Mutter aller Luder“, war mit Prominenten wie Udo Jürgens liiert, mit Heiner Lauterbach zusammen, mit Farin Urlaub von den „Ärzten“. Sie hat alle Höhen und Tiefen des Showbusiness kennengerlernt. Und schließlich den ganz tiefen Absturz erlebt: Schauspielerin Jenny Elvers. Mit 46 Jahren blickt sie jetzt auf ihr Leben zurück. Sie hat eine Autobiografie geschrieben. Darin schildert sie ihren Alkoholabsturz. Dennoch sei ihre Biografie kein Buch über Sucht. Ihr Blick geht auch nach vorn.

Gnadenlos schildert Jenny Elvers in ihrem Buch die Folgen des Alkohols. „Ich liege auf dem harten Fliesenboden einer Restauranttoilette – mit dem Gesicht nach unten“, lautet der erste Satz. „Meinen Körper spüre ich nicht. Ich kann mich nicht bewegen.“ Am 17. September 2012 lallt und kichert sie in einer Livesendung des NDR – ihre Sucht wird schlagartig öffentlich.

Ein peinlicher Fernsehauftritt

Sie geht in den Entzug. „Ich kann vor Schmerzen nicht einmal mehr schreien“, schildert sie die ersten Tage in Therapie. „Mein Weg führt durch die Hölle. Einmal komplett durch, ohne Abkürzung.“ Den peinlichen Fernsehauftritt nennt sie heute „meine Erlösung“.

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„Wackeljahre: Mein Leben zwischen Glamour und Absturz“, heißt der Titel ihres Buchs – und in dem geht es keineswegs nur um Alkohol. Es ist eine Biografie, die auch erzählt von einer jungen Frau, die aus der Lüneburger Heide loszieht, um die Welt zu erobern. Zielstrebig – für manche aus dem Heideörtchen Amelinghausen vielleicht zu zielstrebig – geht sie ihre Karriere an. Während ihrer Amtszeit als junge Heidekönigin 1991 fällt sie in der der Discothek schon mal durch freizügige Kleidung auf. Skandal! Geschadet hat es ihr nicht. Im Gegenteil. Es folgen Foto- und Model-Aufträge, erste Fernsehauftritte. Der rote Teppich – an der Seite berühmter Männer. „Meine naive Eitelkeit damals war ein Fehler“, schreibt sie heute . „Plötzlich galt ich als Vorreiterin eines ganz neuen Berufsstandes: Ich war Deutschlands vermeintlich erstes Luder.“

Zielstrebige Perfektionistin mit Lächel-Fassade

Jenny Elvers kann auch über sich lachen, mit viel Selbstdistanz gibt sie Auskunft. „Ich kann jetzt schon mit 46 auf ein bewegtes Leben zurückblicken.“

Sie beschreibt sich in „Wackeljahre“ als zielstrebige Perfektionistin mit Lächel-Fassade, die immer wieder Aufmerksamkeit sucht und auch an den eigenen Ansprüchen und Unsicherheiten zu zerbrechen droht. „Sei aufgeschlossen, freundlich und unkompliziert – dann sind alle mit dir zufrieden“ – das habe sie früh gelernt. „Immer lustig. Immer nett.“ Die Ängste. Auch die, als die Mogelpackung auf der Bühne entlarvt zu werden. Ängste, Schlafstörungen, Alkohol – bis der Körper nicht mehr mitmacht.

In ihrem Buch geht es auch um die schwierige Beziehung mit Heiner Lauterbach und den Liebesspagat mit Hip-Hopper Thomas D. von den Fanta Vier.

Die Rückkehr in die Heide fehlt

Ihren Durchbruch hat Elvers 1996 mit dem Kinofilm „Männerpension“ von Detlev Buck. Eine Szene verfolgt sie bis heute – kurz lupft sie den Rock, ein Höschen trägt sie darunter nicht. Später wird es durchaus seriös. Sie spielt im Hamburger Schauspielhaus und die Buhlschaft im Berliner „Jedermann“. Für ihre Rolle in Bucks Film „Knallhart“ findet sie 2006 weithin Anerkennung als ernste Darstellerin – „selbst das Feuilleton schrieb sehr wohlwollend über mich“, heißt es dazu. Zu spät. „Bei mir kam diese Ehre nicht an. Ich fiel…tiefer und tiefer.“

Der Vater ihres Sohnes Paul (17) wird nicht genannt, Trennung und Sorgerechtsstreit mit Sänger Alex Jolig nicht erwähnt. Am Schluss schlägt das Buch den Bogen zum Ende der Therapie. Die Jahre danach fehlen. Nichts über die Teilnahme an „Promi Big Brother“, am Dschungelcamp oder den zweiten Playboy-Auftritt 2016. Auch die Rückkehr in die Heide fehlt. „So ist es runder. Den Rest braucht es da nicht“, sagt Elvers. „Vielleicht gibt es in einigen Jahren noch ein zweites Buch.“ Ohne Alkohol. rnd/dpa

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/blog/nachrichten/aus-aller-welt/1853022-jenny-elvers-ich-war-eine-charakterlose-alkoholikerin

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