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Henrik Strampe und seine Mutter Sabrina ernten die ersten Süßkartoffeln auf den Feldern des Familienbetriebs. Foto: ada

Süße Knollen aus Gienau

Gienau. Streift Henrik Strampe über sein Süßkartoffelfeld , ist er mehr als ein Bauer auf seinem Acker. Hier wird er zum Landwirt, Wissenschaftler, Versuchsleit er und Tüftler in einem. Mit kritischem Blick, liebevollen Handbewegungen und Stolz begutachtet er die Pflanzen, die er vor rund 120 Tagen gesetzt hat. Inzwischen tragen sie Knollen, sind erntereif und genau so, wie sie sich der Gienauer gewünscht hat. Damit ist Henrik Strampe der erste Süßkartoffelproduzent des Landkreises Lüneburg, dessen Knollen bald auch im regionalen Handel zu kaufen sind.

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(Agrarwissenschaftler)“ parallax=“off“ direction=“left“ revealfx=“fromleft“]

Süßkartoffeln selber anbauen: Was als fixe Idee während des Studiums begann, ist für den 28-jährigen Agrarwissenschaftler längst zum Herzensprojekt geworden. „Im ersten Moment dachte ich, Süßkartoffeln könnten ähnlich wie Kartoffeln gehandhabt werden. Ich vermutete, der Anbau müsste auch im Norden funktionieren“, sagt Henrik Strampe, der auf dem Kartoffelhof der Eltern aufgewachsen ist. Heute weiß er, mit der Speisekartoffel hat die Süßkartoffel herzlich wenig gemeinsam. „Das ist etwas komplett anderes. Süßkartoffeln sind reinster Gemüsebau“, erklärt er.

Orangefleischige Süßkartoffel

Doch die Idee von der selbstgeernteten Süßkartoffel ließ ihn nicht mehr los. Er informierte sich über die Pflanzen, ihren Anbau, ihre Ernte und erklärte sie 2018 zum Versuchsobjekt auf dem Kartoffelhof Strampe.

Zwei Sorten suchte sich Henrik Strampe dafür aus: die orangefleischige Süßkartoffel, die sich vor allem zum Kochen, für Pürees und ähnliches eignet und die weißfleischige Süßkartoffel, mit der man Chips oder Pommes machen kann. Ihr Anbau ist aufwendig: Gut drei Monate sind die Süßkartoffeln in Erddämmen gewachsen.

Setzlinge fast täglich kontrolliert

Jede Pflanzenreihe hat Henrik Strampe mit Wasserschläuchen ausgelegt und mit Folie aus Maisstärke abgedeckt. Fast jeden Tag stattete er seinen Setzlingen einen Besuch ab, begutachtete und dokumentierte ihre Entwicklung bis der Erntetag näher rückte. „Man ist ziemlich nervös, wenn man das erste Mal buddelt. Bei jeder Pflanze sorgt man sich und denkt, jetzt haben wir wieder eine weniger“, sagt Henrik Strampe.

 

 

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Grad Celsius ist die Temperatur, bei der die Süßkartoffeln in Gienau zehn Tage lang in einer Halle lagern müssen, um das empfindliche Gemüse schalenfest zu machen.“ parallax=“off“ direction=“left“ revealfx=“fromleft“]

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Dank Tröpfchenbewässerung, konstant hoher Temperaturen und regelmäßiger Kontrolle sind die Knollen größer als üblich – eine Ernte von etwa 2,5 Tonnen Süßkartoffeln scheint möglich. „Wenn man das Ergebnis sieht, ist es ein gutes Gefühl, das einen bestärkt, weiter zu machen“, sagt Henrik Strampe.

Es duftet nach Erde, als Sabrina Strampe die Süßkartoffel aus dem Boden dreht. Behutsam streicht sie den Schmutz ab, dreht und wendet die Knolle auf der Suche nach Verletzungen. Die Ernte ist Handarbeit und da packt die ganze Familie mit an. Vater Eckardt Strampe und zwei Mitarbeiter stehen an den Schaufeln, Mutter Sabrina und Henrik Strampe sammeln die Knollen einzeln auf. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn noch ist das Gemüse extrem empfindlich. Schon kleinste Berührungen können die Schale verletzen.

Wärmebehandlung macht Süßkartoffeln haltbarer

Bis die Süßkartoffeln in den Handel können, müssen sie noch einer Wärmebehandlung, dem so genannten „Curing“, unterzogen werden. Anders als in den üblichen Anbaugebieten, etwa Amerika oder China, bietet Norddeutschland keine perfekten klimatischen Bedingungen, um die Süßkartoffeln nach der Ernte luftgetrocknet schalenfest zu machen. So müssen die Knollen in Gienau etwa zehn Tage lang in einer Halle bei 28 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von rund 85 Prozent gelagert werden. „Danach sind sie dann auch handhabbar“, erklärt Henrik Strampe, der auch hierbei nichts dem Zufall überlässt. Regelmäßig kontrolliert er die Temperatur, denn „die ist jetzt das Entscheidende. Wir haben aber die besten Voraussetzungen“.

Bleibt also eigentlich nur noch eines zu hoffen: „Unser Wunsch ist natürlich, dass die Verbraucher die Süßkartoffel gut annehmen“. Denn dann, so viel sei verraten, will Henrik Strampe im nächsten Jahr noch viel mehr Süßkartoffeln pflanzen, hegen, pflegen und ernten.

Von Anke Dankers