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Die Witwe des einstigen Studentenführers Rudi Dutschke, Gretchen Dutschke-Klotz, sprach mit Schülern in Melbeck. Foto: t&w

Zeugin einer bewegten Zeit

Melbeck. Gretchen Dutschke-Klotz ist Teil der bundesdeutschen Geschichte. Die Witwe des 1979 an den Spätfolgen eines Attentats gestorbenen Wortführers der Stude ntenbewegung Rudi Dutschke war jetzt Gast am Gymnasium Lüneburger Heide in Melbeck, um den Schülern aus ihrem Buch „1968: Worauf wir stolz sein dürfen“ vorzulesen, das sie nach eigenem Bekunden vor allem auch für deutsche Kinder geschrieben hat. So diskutierte die aus den USA stammende Autorin folgerichtig während der Veranstaltung mit den jungen Leuten über Zeitgeschichte und aktuelle politische Themen.

„Gretchen Dutschke-Klotz ist eine Zeitzeugin, die in den Kern der 68er-Zeit blicken kann“, leitete der stellvertretende Schulleiter Dr. Timo Lüth die Lesung ein. Und das tat sie dann auch. „Die 68er-Bewegung ist eine Erfolgsgeschichte. Sie war eine Kulturrevolution, deren roter Faden die Demokratisierung der Gesellschaft war“, sagte die 76-Jährige. Dieser Prozess sei nicht zu planen gewesen, räumt sie ein. Dennoch, alle Aktivisten der antiautoritären Bewegung habe der Wunsch nach einem demokratischen Deutschland geeint, nach den schlimmen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Herrschaft, den Gräueltaten der Nazis während des Zweiten Weltkrieges und dem Holocaust.

1964 lernte sie Rudi Dutschke in West-Berlin kennen

„Die Wut auf die Väter und Täter war ein starkes Motiv für die Nachkriegsgeneration, die Welt verändern zu wollen.“ Denn die damals jungen Leute seien mit ihren Fragen alleine gelassen worden und bekamen keine Antworten darauf, wie die schweren Verbrechen der Nationalsozialisten möglich werden konnten. „Eltern und Großeltern wollten vergessen. Sie wollten nicht reden, sondern nur das Land wieder aufbauen.“

Einblick ins Private gewährte sie ihren Zuhörern auch: Bei einem Besuch in West-Berlin lernte sie im Sommer 1964 Rudi Dutschke kennen. Die 22-Jährige verliebte sich in ihn. Er aber machte der jungen Amerikanerin recht schnell klar, er sei Revolutionär und daher gebe es keinen Platz für eine Frau in seinem Leben. „Er gab mir einen Korb.“

Später, nach ihrer Rückkehr in die USA, erhielt sie einen Brief aus Pforzheim. Ohne Absender. Es war Dutschke, der ihr schrieb. „Er meinte, es sei meine Entscheidung, ob ich nach Deutschland zurückkommen will. Das war nicht unbedingt eine Liebeserklärung, aber ich packte meine Sachen.“ Sie ging zurück nach West-Berlin. Am 23. März 1966 heiratete die Philosophie-Studentin den Aktivisten.

Die Leute müssen auf die Straße gehen

Die Frage, ob sie ihn in seiner politischen Haltung beeinflussen konnte, bejahte sie. Ihre christlich geprägte Haltung unterstützte er zum Beispiel. „Wenn man eine Sache mit Hass anfängt, dann bleibt es dabei. Aber wenn man etwas mit Liebe beginnt, dann kann sich etwas entwickeln.“ Diesen Worten, so Gretchen Dutschke-Klotz, habe er zugestimmt. Daher sei der RAF-Terror der 1970er-Jahre nicht vereinbar mit dem gewesen, was die 68er wollten, sagte sie. „Das war gegen die Idee der antiautoritären Bewegung.“

Nach dem Tod ihres Mannes zog sie 1985 zurück in die USA. Seit 2010 lebt sie wieder in Berlin und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. „Deutschland ist heute ein demokratisches und freies Land, auf das jeder Bürger stolz sein kann.“ Jedoch müsse sich vor allem die junge Generation politisch engagieren, um das Errungene zu bewahren, sagte Dutschke-Klotz, als die Schüler von ihr wissen wollten, ob sie einen Rechtsruck in der Politik wahrnehme. „Inzwischen ist es wieder so, dass der Hass stärker wird.“ Nicht nur in Deutschland. „Ich hoffe, dass sich die Menschen dieser Welle entgegenstellen.“ Dafür müssten sie auf die Straße gehen. „Im Internet bringt das nichts. Es ist nur ein Kommunikationsmittel.“

Von Stefan Bohlmann

10 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    Nach Stroebele jetzt die Witwe des Rudi Dutschke.
    Wer kommt denn als Nächster?

    Horst Mahler?
    Jürgen Rieger kann ja nicht mehr kommen.

    Ich würde Bettina Röhl empfehlen – ihr Buch „Die RAF hat euch lieb“
    ist durchaus lesenswert.

    • Wer kommt denn als Nächster? Herr Maaßen. Er wird bestimmt in seinem Buch die AfD hochleben lassen. schmunzeln.

    • Herr Kasteinecke,

      Sie lesen und verstehen auch nur was in Ihr Weltbild passt?!
      „Daher sei der RAF-Terror der 1970er-Jahre nicht vereinbar mit dem gewesen, was die 68er wollten, sagte sie. „Das war gegen die Idee der antiautoritären Bewegung.“
      Also ist doch Ihre Buchempfehlung etwas deplatziert ,oder?

      • Norbert Kasteinecke

        Sie sollten es wirklich lesen.

        • Na, Herr Kasteinecke, rackern Sie wieder im Reklame-Weinberg Ihrer neo-primitivistischen Herren Höcke und Gauland?

          Bettina Röhl, die Tochter der Journalistin und späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof und des Verlegers Klaus Rainer Röhl, schreibt inzwischen unter dem Titel „Bettina Röhl direkt“ regelmäßig lange, sehr wirre, beinahe psychotische Hasskolumnen für das extremistisch langweilige, weil ununterbrochen leeres rechtspopulistisch-fremdenfeindliches Phrasenstroh dreschendes Greisengrummel-Online- und Monatsmagazin „Tichys Einblick“. Die AfD-Propagandistin Röhl hat vor kurzem auch zu einem Staatsstreich aufgerufen und zur Absetzung Merkels, um „die Invasoren, die nach Deutschland eindringen, endlich abzuwehren“.

    • Hallo Herr Kasteinecke, tatsächlich ist, soweit ich weiß, geplant, dass zum Abschluss der Reihe Bettina Röhl an unsere Schule kommt. Vielleicht sind sie dann endlich zufrieden.

      • Norbert Kasteinecke

        Zufrieden bin ich dann noch lange nicht, aber es ist immerhin ein Anfang.

        Sollten Sie für eine weitere Reihe, eine andere Reihe, Bedarf haben, kann ich gern versuchen einen Termin mit Michael Stürzenberger zu vereinbaren.
        Nur mal so als Vorschlag.

        Danke für die Mitteilung – halten Sie uns weiter auf dem Laufenden?

  2. Norbert Kasteinecke

    Na Otto, trollen Sie wieder ein bisschen herum – ohne Quellenangabe?

    Aber ein Bot arbeitet nun mal so, ist mir bekannt.

    Dass Sie allerdings Zugriff auf die Bezahlabteilung des Spiegel haben, ist mir neu.
    Als ich Ihren Wespenkommentar las, dachte ich schon, Sie kämen aus der LZ-Redaktion oder vom RND, aber das ist ja nicht möglich.
    Klar ist mir jedoch, dass der Inhalt des Buches Ihnen weh tut und klar ist ebenfalls, dass Sie wieder nur diffamieren und diskreditieren können.
    Die Liste haben Sie doch noch ?

  3. Deutschland-Kurier nur für Sie Norbert Kasteinecke

    Neben Bendels und Klonovsky zählt die Internetseite weitere Redaktionsmitligeder auf: Erika Steinbach, Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung; Dr. Maximilian Krah, stellvertretender Vorsitzender der AfD Chemnitz; Dr. Nicolaus Fest, AfD-Politiker aus Berlin; Dr. Malte Kaufmann, Sprecher der AfD Heidelberg; Jan Nolte, AfD-Bundestagsabgeordneter. Ein linksgrünversiffter Schelm, wer da böses oder gar parteiliche Nähe des Blattes vermutet, wie es einst Philip Amthor gegenüber der Süddeutschen tat. Er warf der AfD vor, dass sie „sich wohl ganz bewusst in eine rechtliche Grauzone der Parteienfinanzierung begeben“ habe.

    Die Prima Sonntag hat sich mittlerweile von den hetzerischen Inhalten des Deutschland Kuriers distanziert.