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Schießerei Kaltenmoor
Beamte des Sondereinsatzkommandos waren nach der Schießerei in Kaltenmoor zur Wohnungsdurchsuchung angerückt. Jetzt werden die Geschehnisse vom April dieses Jahres am Landgericht verhandelt. (Foto: be)

Anklage wirft Duo versuchten Mord vor

Lüneburg. Ein knappes halbes Jahr nach der Schießerei von Kaltenmoor müssen sich zwei 22 und 25 Jahre alte Männer von Donnerstag, 27. September, an vor dem Lüneburger Landgericht verantworten. Die Vorwürfe: versuchter Mord in sieben Fällen, Körperverletzung, Verstöße gegen das Waffengesetz. Wie berichtet, soll das Duo Anfang April am Einkaufszentrum aus einem Audi heraus mehrmals auf eine Gruppe von sieben Männern geschossen haben. Ein 20-Jähriger wurde lebensgefährlich verletzt. Die Schützen hätten billigend in Kauf genommen, dass Menschen hätten getötet werden können. Anlass soll ein Streit zwischen Angeklagten und der Gruppe gewesen sein.

In der Anklage heißt es, dass die Angeklagten beide „mehrfach mit einer Pistole“ geschossen hätten. Ermittler waren damals davon ausgegangen, dass angesichts von bis zu 20 Schüssen möglicherweise zwei Schusswaffen im Spiel waren, davon eine Schreckschusswaffe. Nach LZ-Informationen wurden Tatwaffen bis heute nicht gefunden.

Bereits Mitte November 2017 sollen die beiden Angeklagten laut Mitteilung des Landgerichts mit einem anderen Mann aneinander geraten sein. Der Jüngere habe den anderen niedergeschlagen und ihm mehrmals gegen den Kopf getreten.

Ein fehlgeschlagenes Drogengeschäft

Zum Motiv der Taten sagt die Mitteilung des Gerichts nichts. Die Polizei war in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass ein geplatztes Drogengeschäft eine Rolle gespielt haben könnte. Im vorigen Herbst waren an der deutsch-holländischen Grenze mutmaßliche Drogenkuriere geschnappt worden – Stoff und Geld kamen nicht in Lüneburg an.

Das Landgericht hat besondere Sicherheitsvorkehrungen angekündigt, die sollen aber nicht so martialisch ausfallen wie bei dem Prozess nach der Schießerei am Klinikum im September 2014. Bei dem Prozess, der im Sommer 2015 begann, standen Polizisten mit Maschinenpistolen am Markt. Dieses Mal soll es lediglich verschärfte Kontrollen im Gebäude geben, sagt eine Gerichtssprecherin: „Eine reine Vorsichtsmaßnahme, die aufgrund des Hintergrundes angebracht ist.“

Die Polizei hatte damals mit Hochdruck ermittelt, Spezialeinheiten durchsuchten Wohnungen in Lüneburg, Hamburg und Lübeck. Aufgrund des Drucks stellte sich der 22-Jährige nach der Schießerei der Polizei. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Sein mutmaßlicher Komplize ist auf freiem Fuß. Die Beweislage reichte nicht für einen Haftbefehl. Es soll noch einen dritten Verdächtigen geben, der ebenfalls am Geschehen in Kaltenmoor beteiligt war. „Es hat nicht für eine Anklage gereicht“, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Es herrscht eine Art Burgfrieden

Auf der Hude blickt man mit Spannung auf den Prozess. Die Beamten wissen aus diesem und anderen Verfahren, dass Beteiligte dieser Auseinandersetzung zu Lüneburger Großfamilien gehören. Dort herrsche scheinbar eine Art „Burgfrieden“. Anders als nach der Schießerei am Klinikum haben Polizisten aktuell keine Befürchtungen, dass sich der Streit gewalttätig fortsetzt.

Das Gericht hat sieben Verhandlungstage bis Ende November angesetzt und neben Zeugen drei Sachverständige geladen.

Von Carlo Eggeling