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Elbbrücke
Vor der Sitzung des Kreistags in der Lopautalhalle zeigt Marko Puls vom Vorstand des Fördervereins „Brücken bauen“, den gelben Button mit dem die Befürworter für den Bau werben. (Foto: phs)

„Die nächsten Hürden warten“

Amelinghausen. Nach einer Fahrzeit von einer Stunde und 15 Minuten kommt der Reisebus aus Neuhaus um 15.38 Uhr am Montag auf der Straße vor der Amelinghausener Lopautalhalle zum Stehen. Mit einem Zischen öffnen sich die Türen, wenig später stehen 20 Einwohner aus dem Amt auf dem Bürgersteig – unter ihnen auch Bürgermeisterin Grit Richter und viele Ratsmitglieder. Alle haben sich einen gelben Button ans Revers geheftet. „Brücke ahoi!“ steht darauf zu lesen. Marko Puls vom Vorstand des Fördervereins „Brücken bauen“ bringt die Gefühlslage der Neuhauser auf den Punkt: „Wir erwarten nichts, erhoffen uns aber viel.“ So spricht, wer schon oft enttäuscht wurde.

„Die sollen diese verdammte Brücke endlich bauen“, raunt ein älterer Herr mit Wanderstöcken und Regenjacke ganz hinten in der Gruppe und schiebt noch nach: „Das Autos darüber fahren, werde ich wohl nicht mehr erleben, schließlich bin ich 80. Aber vielleicht reicht es ja noch für den ein oder anderen Stützpfeiler.“ Sagt‘s und geht weiter. Kein Neuhauser, sondern offenbar ein Amelinghausener. Mit einer Meinung zur Brücke.

„Wir hoffen, dass die Brückenpläneaus der Sterbeschubladerauskommen.“ – Christian Fabel, Sumte

Die haben auch die Mitglieder des Kreistags, die kurz nach 16 Uhr in der Lopautalhalle ihre Sitzung beginnen. Für die Elbbrücke bei Neu Darchau eine wichtige, wenn nicht gar die entscheidende Sitzung. Doch diese ist gut vorbereitet – von der fraktionsübergreifenden Arbeitsgemeinschaft Elbquerung um ihren Vorsitzenden Berni Wiemann (FDP). Im Dezember 2016 vom Kreistag aus der Taufe gehoben, zum Start von vielen belächelt, erwies sich die AG als überaus schlagkräftig, fand Antworten auf viele Fragen, ließ sich auch von steinigen Wegen nicht schrecken. Als Ergebnis stellten die AG-Mitglieder den Antrag, die 2015 auf Eis gelegten Planungen für die Brücke wieder aufzunehmen und das Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Mit breiter Mehrheit stimmt der Kreistag dem Antrag zu.

Respekt für Arbeit der AG Elbquerung

Respekt zollen der AG selbst die Grünen, auch wenn sie den Brückenschlag an der Elbe nach wie vor ablehnen. Somit steht die Arbeitsgemeinschaft Elbquerung auch für das neue Miteinander im Kreistag, das immer mehr um sich greift. Fürchteten viele nach der Kommunalwahl 2016 noch das Chaos, weil sich schnell abzeichnete, dass es keine Mehrheit geben würde, ist seitdem die Erkenntnis gereift, dass es sich viel besser spricht und Kompromisse schmieden lässt, wenn keine Fraktion den anderen ihr Votum aufdrücken kann. Das Ergebnis sind breite Mehrheiten und eine Harmonie auch bei Meinungsverschiedenheiten, die es in dieser Form zuvor noch nicht gab.

„Das Chaos beim Ausfall der Fähren betrifft nicht nur Neuhaus, sondern die ganze Region.“ – Christian Möhring, Wehningen

Harmonisch dürfte auch die Heimfahrt der Neuhauser verlaufen sein. Bürgermeisterin Grit Richter „fiel ein Stein vom Herzen“, der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Heinrich Haul freute sich „über eine Entscheidung, auf die ich schon seit Jahrzehnten warte“, und die Neuhauserin Johnna Lange strahlte einfach nur. Während der Sitzung hatte sie noch auf einem Zettel notiert: „Es geht doch nicht nur um Pendler und Schüler, es geht darum, dass zusammenwächst, was zusammen gehört.“ Geschrieben, als der Grüne Michael Gaus begründete, warum die Mehrzahl seiner Fraktionskollegen gegen die Wiederaufnahme der Planung stimmen würde und viele Neuhauser „Aufhören, aufhören“ riefen. Sachlich fundiert war die Rede zwar, doch für viele Menschen am linken und rechten Elbufer ist die geplante Querung eine „Brücke des Herzens“ und keine des Kopfs.

„Wenn es soweit ist, wird auch das Geld kein Thema mehr sein.“ – Heinrich Haul, Bitter

Gleichwohl zählt für den Vorsitzenden des Fördervereins „Brücken bauen“ auch nach der Entscheidung der nüchterne Blick nach vorn. „Ein erster wichtiger Schritt ist getan, doch die nächsten Hürden warten schon“, sagt der Bleckeder Jörg Sohst. Zunächst die sicheren Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss und anschließend die Suche nach Geldgebern. Denn eines hat auch der AG-Vorsitzende Wiemann deutlich gemacht: „Dies ist keine Entscheidung für den Bau der Brücke, sondern lediglich dafür die Planung abzuschließen.“ Das Ergebnis kann also auch sein, dass am Ende der Planung die Kosten so hoch sind, der Kreistag Nein zu dem 65-Millionen-Projekt sagt. Doch dann aus gutem Grund.

Zieht der Kreis Klage gegen Land zurück?

Keine Rolle bei den Überlegungen für die nächsten Schritte spielt offenbar die Klage des Kreises gegen das Land wegen der zugesagten Erstattung der Planungskosten. „Die wird der Kreis zurückziehen“, ist sich Sohst sicher. Und auch Wiemann setzt darauf, dass „eine Einigung mit dem Land zu erzielen ist, wenn die Planung erstmal läuft“.

Von Malte Lühr