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Immobilienpreise
Eifrig gebaut wird zwar an vielen Stellen in Stadt und Landkreis Lüneburg, wo wie hier an der Adendorfer Dorfstraße, doch nicht genug. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Und damit steigen auch die Preise. (Foto: t&w)

In Lüneburg wird zu wenig gebaut

Lüneburg. Immobilienbesitzer reiben sich die Hände angesichts der Wertsteigerung ihres Eigenheims. Wer sich seinen Traum von den eigenen vier Wänden erst noch erfüllen möchte oder zur Miete wohnt, dürfte hingegen kräftig schlucken beim Blick auf die Entwicklung: Der Höhenflug bei den Preisen für Häuser und Wohnungen sowie bei den Mieten hält unvermindert an, die Preise kennen nur eine Richtung – steil nach oben. Das belegen zwei aktuelle Analysen zu den Immobilienpreisen in der Region. Eine nennt Steigerungen von bis zu 12,4 Prozent innerhalb eines Jahres bei den Kaufpreisen, eine andere belegt den enormen Anstieg bei den Mieten. Und ein schnelles Ende des anhaltenden Höhenflugs zeichnet sich bislang nicht ab.

Das Maklerunternehmen Homeday hat für seinen Marktreport die Preisentwicklungen in der Region analysiert und die Ergebnisse zusammengefasst. Der größte Preissprung bei Häusern ist danach momentan in Salzhausen zu verzeichnen. Innerhalb eines Jahres verteuerten sich die eigenen vier Wände vor Ort um eben jene 12,4 Prozent. Wenig überraschend: Mit durchschnittlichen Kosten von 2480 Euro pro Quadratmeter werden die teuersten Häuser in Lüneburg angeboten. Mit vergleichsweise hohen Hauspreisen ab 2300 Euro je Quadratmeter müssen Interessenten auch in Adendorf, Reppenstedt, Wittorf und Brietlingen kalkulieren.

Schnäppchen gibt es nur noch im Osten

Deutlich teurer geworden sind Häuser auch in Hohnstorf (Elbe) und Melbeck. Hier verlangen Verkäufer zwischen 10,2 Prozent und 11,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In Südergellersen (3,0 Prozent) oder Tespe (4,4 Prozent) fällt der Anstieg moderater aus. Im Osten des Landkreises sind Schnäppchen durchaus möglich, hier kostet das Eigenheim pro Quadratmeter rund 750 Euro (Amt Neuhaus), in Bleckede sogar nur 620 Euro pro Quadratmeter. Das ist gerade mal ein Viertel des Preises, der im Schnitt in der Stadt Lüneburg verlangt und gezahlt wird.

Auch bei Eigentumswohnungen müssen Kaufinteressenten in der Hansestadt bei Preisen von 2450 Euro pro Quadratmeter am tiefsten in die Tasche greifen. Teuer sind Wohnungen zudem in Bardowick, Adendorf (jeweils 2270 Euro pro Quadratmeter) und Brietlingen (2070 Euro/m²). In Dahlenburg (1140 Euro/m²), im Amt Neuhaus (1150 Euro/m²) und Neetze (1440 Euro/m²) führt der Weg hingegen deutlich günstiger in die eigenen vier Wände.

Den stärksten Preisanstieg bei Eigentumswohnungen nennt die Analyse hier für Bleckede mit 11,8 Prozent – bei allerdings vergleichsweise moderaten Preisen von 1450 Euro pro Quadratmeter. Auch in Brietlingen, Adendorf und Reppenstedt lassen sich über die vergangenen zwölf Monate Preissprünge von bis zu 11,8 Prozent beobachten. Deutlich geringer angezogen haben die Preise in Neetze, Amelinghausen und Scharnebeck (+ 1,2 Prozent bis 2,5 Prozent).

Mieten haben in zehn Jahren um 41 Prozent zugelegt

„Auch in den kommenden Wochen und Monaten muss eher mit weiteren Preissteigerungen gerechnet werden”, schätzt Homeday-Geschäftsführer Steffen Wicker.

Die Immobilienberatung ­Wuest Partner Deutschland hat den gesamten norddeutschen Wohnungsmarkt unter die Lupe genommen. Und da sticht die Stadt Lüneburg heraus: Gut für jene, die das notwendige Kleingeld haben, denn neben Hannover, Osnabrück und Braunschweig sei die Hansestadt ein „sehr aussichtsreicher Investmentstandort“ – attraktiver gar als Hamburg. Schlecht aber für diejenigen, die mit wenig Geld auskommen müssen: Für Lüneburg, wo Mieter eh schon deutlich mehr zahlen müssen als noch vor zehn Jahren, wird auch für die nächsten Jahre das deutlichste Plus erwartet. Dabei sind die Mieten von durchschnittlich 7 Euro pro Quadratmeter vor zehn Jahren schon auf knapp unter 10 Euro gestiegen – ein Anstieg von rund 41 Prozent.

Der Hauptgrund: Um die mit dem Zuzug verbundene Nachfrage zu decken, werde deutlich zu wenig gebaut. Nur 62 Prozent des zu erwartenden Bedarfs könnten abgedeckt werden. Diesen Bedarf benennt die Analyse mit 1136 weiteren Wohnungen in den nächsten fünf Jahren. Auch die Stadtverwaltung hat das Problem des Mangels erkannt, sie hat bekanntlich ein Wohnungsbauprogramm aufgelegt: Bis 2021 sollen 2100 neue Wohnungen entstehen.

Weitere Erkenntnis für die Hansestadt

80 Quadratmeter Durchschnittswohnung

  • Verdoppelt hat sich laut der Untersuchung seit 2008 der Preis für eine Eigentumswohnung .
  • Unabhängig von Miete oder Eigentum beträgt die durchschnittliche Wohnungsgröße 79,3 Quadratmeter (bei Neubauten 109 Quadratmeter).
  • Der Anteil von 1- und 2-Zimmer-Wohnungen beträgt 15 Prozent
  • 35,2 Prozent der Lüneburger wohnen in den eigenen vier Wänden
  • Neu gebaute Wohnungen in den vergangenen drei Jahren pro Jahr: 226
  • Die Leerstandsquote beträgt 1,5 Prozent

Von Alexander Hempelmann