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Plattdeutsche Projektschule
An der Lüneburger Hermann-Löns-Schule ist der plattdeutscher Liedermacher Peter Paulsen zu Gast. Er und Lehrerin Urte Gehrckens-Gärtner singen mit den Kindern. (Foto: t&w)

Der Klang des Nordens

Lüneburg. Wer an der Hermann-Löns-Schule das Sekretariat sucht, wird künftig nach der Beschilderung „Schrievstuuv“ Ausschau halten müssen, und wer doch mal orientierungslos auf der Spur nach seinem Klassenraum ist, wird in der „Studeerstuv“ fündig werden. Die neuen Bezeichnungen sind aber nur ein kleiner Baustein einer großen Idee, für die die Einrichtung im Grimm jetzt zertifiziert wurde: Seit Beginn des neuen Schuljahres ist sie „Plattdeutsche Projektschule“. Nicht ohne Grund.

Seit gut zehn Jahren bietet Lehrerin Urte Gehrckens-Gärtner für die vielen kleinen lernbegierigen Schüler eine Arbeitsgemeinschaft für die niederdeutsche Sprache an, singt mit ihnen Lieder, probt Theaterstücke, spielt Spiele, übt Sketche und liest Geschichten – alles auf Platt. „Mein Ziel war und ist es, die alte Sprache zu erhalten“, sagt sie, „denn sie ist eine Mundart voller Humor, hat eine lange Tradition und gehört einfach zu unserer Kultur.“ Und das sehen auch andere so.

Peter Paulsen ist pensionierter Lehrer aus Schleswig-Holstein, hat in seiner aktiven Berufslaufbahn in Dithmarschen ebenfalls jahrzehntelang eine niederdeutsche AG geleitet. Jetzt hat er die Kinder der Löns-Schule anlässlich der Zertifizierung besucht und mit ihnen gemeinsam musiziert. „Ich habe gehört, dass das hier eine der besten plattdeutschen Schulen Deutschlands sein soll“, meinte der niederdeutsche Liedermacher – und sah sich nicht getäuscht.

Auch im Kunstunterricht wird bald Platt gesprochen

Ob Vorlesewettbewerb oder Theaterfestival, Seniorenfeiern oder schuleigene Adventsnachmittage: Überall sind die Kinder der Plattdeutsch-AG präsent, zeigen ihr Können. „Die Mundart hat bei uns aber auch in vielen anderen Bereichen Einzug genommen“, verdeutlicht Urte Gehrckens-Gärtner, „so behandeln wir im Fach Deutsch Geschichten auf Platt, singen im Musikunterricht niederdeutsche Lieder, begrüßen und verabschieden uns in der alten Sprache und zählen auch im Morgenkreis in der Mundart durch.“

Und das wird künftig noch weiter intensiviert: „Besonders in Grundschulen soll die sogenannte Immersionsmethode, also ein beiläufiger Fremdsprachenerwerb durch alltägliche Kontakte, eingesetzt werden“, sagt die Lehrerin, „deshalb werde ich den Kunstunterricht künftig auf Platt unterrichten.“ Zudem wird in der schuleigenen Bibliothek eine niederdeutsche Ecke eingerichtet – hierfür hatte Peter Paulsen bei seinem Besuch bereits Liederbücher und CDs mitgebracht. Es soll eine plattdeutsche Informationswand geben und die Schüler ihre Durchsage über das Mikrofon künftig mundartlich verkünden. Hehre Ziele, die alle nur einen Haken haben: Die Arbeit wird wohl an Urte Gehrckens-Gärtner hängen bleiben.

Lehrerin fehlen die Mitstreiter im Kollegium

„Das ist leider der Knackpunkt, dass sich aus dem Kollegium noch keiner gefunden hat, der in diesem Bereich eine Fortbildung machen will“, sagt die AG-Leiterin. Ein Problem, das auch Wiebke Erdtmann kennt: „Niederdeutsche Sprachbegegnung ist im Curriculum der Grundschulen festgeschrieben“, erklärt die Fachberaterin für die plattdeutsche Sprache an der Landeschulbehörde, „doch dafür fehlen uns leider die Fachkräfte.“ Wie eben auch an der Hermann-Löns-Schule. Deshalb hat Urte Gehrckens-Gärtner vorgesorgt: Damit ihre Kolleginnen und Kollegen auch weiterhin Klassenräume und Sekretariat finden, steht unter der plattdeutschen Bezeichnung die Erklärung auch auf Hochdeutsch.

Von Ute Lühr