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Packstationen
Die nächste gelbe Wand: Eine weitere Packstation gibt es jetzt beim Getränkemarkt Vor dem Neuen Tore in Lüneburg. (Foto: t&w)

Abholen statt bringen

Lüneburg. Hamburg, München und Berlin machten es vor, vier Jahre später hatte Lüneburg seine erste „gelbe Schrankwand“, wie die von der Post-Tochter DHL aufgestellten „Packstationen“ mitunter genannt werden. Das war vor zehn Jahren, inzwischen sind dank boomendem Online-Handel weitere hinzugekommen, auch in der Region. Und ein Ende der Entwicklung scheint nicht absehbar.

„Wir planen für das kommende Jahr vier weitere Stationen in Lüneburg, auch Bardowick, Reppenstedt und Scharnebeck sollen eine erhalten“, sagt Heiko Menzel, für den Aufbau der DHL-Packstationen zuständiger Regionalleiter für Norddeutschland. Insgesamt zwölf dieser Stationen, die das Versenden und Abholen von Paketen und Päckchen rund um die Uhr ermöglichen, gibt es in der Region, jetzt wurde beim Rewe-Getränkemarkt Vor dem Neuen Tore die Dreizehnte in Betrieb genommen.

Mehr als eine Milliarde Pakete

Der Regionalleiter hat gut zu tun, denn die stetig wachsenden Einkäufe im Internet – der Online-Handel stieg laut Statistik-Portal „statista“ in den vergangenen zehn Jahren von 13,4 auf 63,9 Milliarden Euro – sichern nicht nur Online-Händlern wie Amazon und Zalando fette Gewinne, auch der Paketdienst brummt. „Im vergangenen Jahr haben wir erstmals die Marke von einer Milliarde Paket-Sendungen geknackt“, sagt Post-Pressesprecher Jens-Uwe Hogardt. Doch in den Stolz mischt sich auch die Sorge, die eigenen Qualitätsansprüche nicht sichern zu können: Zeitnahe Lieferung, möglichst schon am nächsten Tag.

Immer mehr Packstationen werden deshalb errichtet. Gab es 2008 in der Region Lüneburg lediglich eine einzige mit 74 Fächern, werden es in diesem Jahr 1167 Fächer sein. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, wie Heiko Menzel deutlich macht: „2019 wird die Zahl in der Region auf 1751 Fächer wachsen.“

Nicht immer ist es die DHL, die nach neuen Standorten Ausschau hält, gelegentlich werden Wünsche nach einer Packstation auch an das Unternehmen herangetragen. So bat Volkswagen um eine eigene Station in seinem Werk in Wolfsburg und die Bundeswehr eine für ihre Soldaten in Munster. „Auch die Uni Lüneburg kam auf uns zu und hat seitdem eine Packstation auf dem Campus“, sagt Menzel. Nicht jeder Wunsch werde berücksichtigt, „die Rahmenbedingungen müssen stimmen“. Dazu zählt ein ausreichend großes Einzugsgebiet, ebenso das Parkplatzangebot am Aufstellort.

Auch genehmigungsrechtliche Aspekte wie ein passender Bebauungsplan und das Verlegen eines Stromanschlusses müssten berücksichtigt werden, das sei nicht immer einfach. „In Lüneburg klappt das Zusammenspiel mit den Behörden aber gut“, sagt Menzel. Bevorzugt setzt sein Unternehmen aber auf Kooperationen, gern mit Supermärkten, „davon profitieren beide Seiten“. Lüneburgs Rewe-Marktmanager Lars Klingauf bestätigt: „Es stärkt die Kundenbindung.“

Beschwerden über nicht zugestellte Sendungen

Auch die Packstation-Kunden – bundesweit sind es derzeit 10 Millionen angemeldete Nutzer – würden laut Post profitieren: „Viele Berufstätige, die während der Öffnungszeiten der Postfilialen noch arbeiten, nutzen diesen 24-Stunden-Service, der von uns kostenlos angeboten wird.“ Doch ganz so selbstlos, wie Pressesprecher Jens Hogardt es darzustellen versucht, agiert das Unternehmen nicht. Immer wieder sieht es sich Beschwerden von Kunden ausgesetzt, die über teils wochenlange Nichtzustellungen von Paketsendungen klagen, mehrfach hatte die LZ darüber berichtet. „Der Arbeitsmarkt ist sehr angespannt, es ist schwer, Fachkräfte zu bekommen“, räumt Hogardt ein. Besonders in der Vorweihnachtszeit oder bei Grippewellen werde dies deutlich. Mit den Packstationen könnten solche „Belastungsspitzen“ aber herausgenommen werden. Überdies habe die Post zusätzliche Kräfte für die kommende Weihnachtszeit eingestellt.

Hintergrund

Standorte

Insgesamt 13 Packstationen betreibt die Post-Tochter DHL in der Region, davon allein sechs in Lüneburg:

  • Adendorf
  • Bad Bevensen
  • Bienenbüttel
  • Bleckede
  • Dahlenburg
  • Lüneburg (6)
  • Neetze
  • Salzhausen

Für 2019 sind geplant:

  • Bardowick
  • Lüneburg (4)
  • Reppenstedt
  • Scharnebeck

Von Ulf Stüwe

3 Kommentare

  1. „Der Arbeitsmarkt ist sehr angespannt, es ist schwer, Fachkräfte zu bekommen“, räumt Hogardt ein.

    Die „Fachkräfte“ werden teilweise bei Leiharbeitsfirmen rekrutiert, kommen teilweise aus Polen oder Südosteuropa und sprechen kaum oder kein Deutsch. Nach kurzer Einweisung werden diese Mitarbeiter dann in den Gr0ßstadtdschungel geschickt.

    Oder aber diese Menschen werden bei der Posttochter „Delivery“ zu niedriegeren Löhnen eingestellt. Das ist dann wohl auch ein Grund der hohen Fluktuation im Paketzustellbereich. Harter Job, geringer Lohn, was macht man, wenn man was besseres findet?

    • Jahrtausendstark

      So sieht es aus. Das Wort „Fachkraft“ klingt ja immer super bis diese Fachkräfte sehen was sie für ihre harte Arbeit verdienen.

      • was erwarten sie? spd und grün haben den größten niedriglohnsektor europas bei uns eingeführt. cdu und fdp reichte es noch nicht und wollen es bis heute noch schlimmer machen. dass da die afd auf dem markt erscheint, war logisch. sie brauchte nur einen aufhänger, der schuld hat. die flüchtlinge sollen es sein. sie nehmen unsere arbeit weg und wenn sie es nicht tun, ist es auch nicht richtig, es wird dann von der sozialen hängematte gesprochen. und jetzt nehmen sie uns auch noch die wohnungen weg und unsere frauen. kausalität ist eben nicht jedermans sache. hausgemachte probleme haben wir unseren wirtschaftsvasallen in der politik zu verdanken. fachkräftemangel sind hausgemacht. nicht mal jede zweite firma bildet aus. die meisten arbeitnehmer haben innerlich schon längst gekündigt. wer die hälfte seines verdienstes für die miete abdrücken muss und dann auch noch steuern zahlt, weiß eben, was am ende übrig bleibt. für die meisten lohnt es sich nicht zu arbeiten.