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Katja Grundmann und Anna Sprockhoff erhielten in Frankfurt am Main den Sonderpreis des renommierten Katholischen Medienpreises. Foto: t&w
Katja Grundmann und Anna Sprockhoff erhielten in Frankfurt am Main den Sonderpreis des renommierten Katholischen Medienpreises. Foto: t&w

Medienpreis für LZ-Redakteurinnen

Frankfurt am Main. Hohe Auszeichnung für Katja Grundmann und Anna Sprockhoff: Die beiden LZ-Redakteurinnen erhielten am Donnerstagabend in Frankfurt am Main den Sonderpreis des renommierten Katholischen Medienpreises. Die Jury würdigte damit die Fortsetzung ihres multimedialen Projektes „Aufwachsen als Flüchtlingskind“, erschienen in der Landeszeitung im Oktober 2017 und im Internet unter www.landeszeitung.de/fluechtlingskinder.

Bischof Gebhard Fürst (v.l.), Katja Grundmann (Landeszeitung), Moderatorin Claudia Schick und Joachim Frank (Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands). Foto: mr

Katja Grundmann und Anna Sprockhoff hatten im vorigen Jahr ihre mehrfach preisgekrönte Serie (unter anderem mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung) fortgesetzt. In „Aufwachsen als Flüchtlingskind – ein Jahr danach“ besuchten sie die Kinder und Jugendlichen in ihren geflüchteten Familien noch einmal, um sich berichten zu lassen, wie es ihnen seitdem ergangen ist.

„Ein eindrucksvoller Einblick in Familien“

Gelungene und gescheiterte Versuche zeichnen die beiden Journalistinnen anhand ihrer jungen Protagonisten nach. Für die Juroren ein multimediales Projekt, „das exemplarisch die Herausforderungen zeigt, vor denen eine ganze Generation Flüchtlingskinder in Deutschland steht“. Katja Grundmann und Anna Sprockhoff seien nah an die Jugendlichen herangekommen, aber auch nicht so nah, dass ihnen die Distanz verloren gegangen wäre. „Ein eindrucksvoller Einblick in Familien, der möglicherweise Vorurteile abbauen und Verständnis für die Situation von (zunächst) fremden Menschen in Deutschland schaffen kann.“

Foto: mr

In ihrer Laudatio lobte  Prof. Dr. Andrea Rübenacker von der Deutsche Welle Akademie Bonn  „Aufwachsen als Flüchtlingskind“ als „ein bemerkenswertes journalistisches Großprojekt“. Katja Grundmann und Anna Sprockhoff hätten den Finger in die Wunde gelegt und mit ihrer Arbeit exemplarisch gezeigt, vor welchen Herausforderungen eine ganze Generation von Geflüchteten stehe.

Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge

Foto: mr

Die Deutsche Bischofskonferenz verleiht den Katholischen Medienpreis jährlich gemeinsam mit dem Katholischen Medienverband und der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands. Mit dem Preis sollen herausragende journalistische Werke gewürdigt werden, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen und Einzelpersonen beitragen.

In diesem Jahr wurden neben dem Sonderpreis für die beiden Redakteurinnen der Landeszeitung in der Kategorie Printmedien Johannes Böhme vom Magazin der Süddeutschen Zeitung und in der Kategorie elektronische Medien Feras Fayyad und Gudrun Hanke-El Ghormi (Arte) ausgezeichnet.

Die Preisträger mit Bischof Gebhard Fürst (v.l.) Gudrun Hanke-El Ghomri (Arte), Johannes Böhme (Magazin der Süddeutschen Zeitung), Katja Grundmann (Landeszeitung) und Joachim Frank (Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands). Foto: mr

Von Marc Rath

9 Kommentare

  1. Norbert Kasteinecke

    Glückwunsch !

  2. Die Deutsche Bischofskonferenz verleiht den Katholischen Medienpreis jährlich gemeinsam mit dem Katholischen Medienverband und der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands.
    ob die redakteurinnen den preis auch bekommen hätten, wenn sie das thema kindermissbrauch ,innerhalb der katholischen kirche, thematisiert hätten?

    • Karsten Albrecht

      Das, werter Herr Bruns, steht hier gar nicht zur Diskussion und geht am Thema, nämlich der Leistung der beiden Redakteurinnen, voll vorbei. Setzen sechs.

      • als cdu fraktionsführer sollten sie keine zensuren verteilen. die gehen sonst nach hinten los. die leistung der redakteurinnen ist von mir nicht in frage gestellt. da sie das c im parteilogo haben, eine frage: sind kinder, die von der katholischen kirche missbraucht wurden weniger wert, als flüchtlingskinder? und was heißt hier thema vorbei? für mich sind kinder alle gleich wichtig. die katholische kirche hat die cdu/csu schon wegen ihrer flüchtlingpolitik abgemahnt. umgekehrt habe ich von der cdu über den missbrauch der kirche an kinder nichts relevantes zu lesen bekommen. zufall?

  3. In zwei Punkten haben Sie recht, Herr Bruns: 1.) ALLE Kinder sind Kinder. JEDER Erwachsene, der ihre besondere Schutzbedürftigkeit missachtet, ist ein Unmensch. Unter anderem darauf haben Katja Grundmann und Anna Sprockhoff bestimmt auch die mit ihrer Auszeichnung befassten Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, des Katholischen Medienverbandes und der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands aufmerksam gemacht und somit – hoffentlich – einen Beitrag zu den Inhalten von deren Lifelong Learning-Bereitschaft geleistet. 2.) Auf der Abschlusspressekonferenz der Herbst-Vollversammlung 2018 der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda ließ sich nicht verheimlichen, dass die deutschen Bischöfe dem Beispiel ihres Pontifex meinten folgen zu müssen, indem sie schon vor drei Jahren bei der Beauftragung dafür sorgten, dass die Benennung persönlicher Verantwortlichkeiten – von Bischöfen oder überhaupt nur von konkreten Diözesen – gerade NICHT zum „Forschungsdesign“ ihrer „Missbrauchsstudie“ gehörte. So hielten zum Beispiel für einen Moment alle Bischöfe bei jener Pressekonferenz von vorvergangener Woche in Fulda die Luft an, als die Journalistin Christiane Florin ihre Frage stellte: „Hier sind jetzt über sechzig Bischöfe versammelt. Gab es einen oder zwei, die im Zuge Ihrer Beratungen gesagt hätten: Ich habe so viel persönliche Schuld auf mich geladen, ich kann eigentlich diese Verantwortung des Amtes nicht mehr tragen?“ Erst als Reinhard Kardinal Marx nach kurzem Zögern mit einem knappen, sonoren „Nein“ antwortete, atmete man auf.

  4. Vor zwei Wochen sind Zahlen des Grauens herumgegangen. 4,4 Prozent aller Kleriker in den deutschen Bistümern haben Kinder missbraucht. 1.670 Täter in sieben Jahrzehnten. 3.677 Opfer, die Hälfte jünger als 13 Jahre, die meisten Jungen, ein Viertel Ministranten. Eine Studie des Mannheimer Zentralinstituts für seelische Gesundheit hat Kindesmissbrauch in 27 Diözesen untersucht. Die Verfasser sagen, das Ergebnis sei nur ein Ausschnitt, „eine untere Schätzgröße“. Die Zahlen liegen in Wahrheit also noch viel höher.

    Doch die Untersuchung war nicht unabhängig. Für diese Studie wurden Akten durchforstet, allerdings von der Kirche selbst. Sie hat die Studie finanziert und die Hoheit über die Archive behalten. Wissenschaftler hatten keinen Zutritt. Sie konnten nur Fragebögen an die Bistümer schicken und die Antworten auswerten. So war es möglich, dass die Bistümer mit unterschiedlich großem Engagement mitmachten. Auch wurden nicht alle Archive gleichermaßen überprüft. Bei einigen ging man weit in die Vergangenheit zurück. Bei anderen wurden nur Täter berücksichtigt, die im Jahre 2000 noch am Leben waren. Viele Akten sind zudem längst vernichtet worden. Im Erzbistum München und Freising zum Beispiel, wo auch unter Erzbischof Joseph Ratzinger Beweismaterial aus der Welt geschafft wurde. Auch in anderen Bistümern war das so.

    Ein wichtiges Thema! Für die dominierende Organisationsform christlicher Glaubensgemeinschaften, so sie fortbestehen möchte, gibt es wohl kein wichtigeres. „Schuld und Sühne?“, fragte Daniel Deckers kürzlich in der FAZ (Nr.: 215, Samstag, 15. September 2018, Seite 3) und setzte unter diese Überschrift „eine wahre Geschichte als Parabel der Kirche.“ In diesem wahrhaft bestürzenden Gleichnis über einen grauenvollen Serienverbrecher berichtet Deckers über die Gewalttaten eines „freundlichen“ Kaplans, der mehr als zwei Jahrzehnte lang Minderjährige missbraucht und vergewaltigt hat. Doch statt aufzuklären, versetzte die Bistumsleitung den Mann immer wieder – und er fand und findet neue Opfer.

    Ich könnte mir vorstellen, dass eine lokale Annäherung an dieses zentrale Thema unserer „christlich geprägten Kultur“ (Bernd Althusmann) in Form von Gesprächen unter anderen mit dem leitenden Lüneburger Pfarrer Dechant Carsten Menges aus dem Pfarrhaus St. Marien in der Friedenstraße 8, den Stoff und die Impulse für ein weiteres crossmediales Projekt hergäbe, mit welchem Katja Grundmann und Anna Sprockhoff, denen ich herzlich zu ihren – verdienten – Preisen und Auszeichnungen gratuliere, auch im nächsten Jahr die volle Aufmerksamkeit der ungezählten Befürworter kritischer, mustergültig recherchierter, also handwerklich und sachlich erstklassiger Pressearbeit bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Deutschen Bischofskonferenz gewinnen dürften.

    • Lieber Otto, Entschuldigung bitte, aber es ist, zumindest unter dem soziokulturellen Aspekt, interessant, wie Sie es schaffen, im letzten Absatz Ihres Kommentars doch noch die Kurve zu kriegen. So begrüßennswert Ihre Idee eines breiten Dialogs ist, wären hier nicht doch kritischere Worte angebracht? Sie haben es wahrscheinlich gar nicht so beabsichtigt, aber der Kommentar ist für mich ein Lehrstück in Sachen „Political Correctness“. Ich kümmere mich jetzt mal nicht darum – und erlaube mir, ganz naiv die Frage: Wie wäre es eigentlich gewesen, wenn die gewiss verdienten Redakteurinnen den Preis einfach nicht angenommen hätten? Und damit gegen die (m. E. völlig unzulängliche) Kirchen-interne Aufarbeitung der Verbrechen, die sich da abgespielt haben, zu protestieren? Und nein: ich möchte hiermit auf keinen Fall die Redlichkeit, Professionalität und mustergültige Recherche in Frage stellen, oder gar die Konrad-Adenauer-Stiftung als solche…. Und selbstverständlich ist es auch zu respektieren, wenn die Redakteurinnen sich anders entschieden,undden Preis angenommen haben. – Herzliche Grüße!

      • Bärbel
        sie wissen doch, die scheinheiligkeit leuchtet bei uns heller, als die heiligkeit. die katholiken haben die hölle erfunden, aber nur für ihr fußvolk und nicht für ihre amtsträger.

    • Bärbel, mein Schatz, warum entschuldigst Du Dich? Weshalb knickst und katzbuckelst Du in Kammerzofenart aus der Ferne an mich heran? Übst Du so nicht Selbstzensur und betreibst im vorauseilenden Gehorsam die Gängelung eines frischen, unverstellten Auftretens kraft Deines eigenen Willens unter Vorwegnahme vermuteten erwünschten Verhaltens, also im Namen von Dir bloß eingebildeten, aber eifrig übererfüllten Korrektheitsgeboten? Für welches vermeintlich falsche Benehmen bittest Du mich denn mit dieser hier gegenstandslos konventionellen Höflichkeitsformel präventiv um Nachsicht oder Verständnis? Und wieso ist es unter dem „soziokulturellen“, aber nicht unter dem textkompositorischen Aspekt „interessant“, wie ich „im letzten Absatz meines Kommentars doch noch die Kurve kriege“? Allein, welche Kurve? Und wohin genau, Bärbel? In die Arme von Katja Grundmann und Anna Sprockhoff? Bist Du eifersüchtig, mein Engelchen? Was war denn „Political Correctness“ eigentlich nochmal? Wolkiges Bezichtigungsetikettieren einer vorneweg springenden Gehorsamsleistung, die nicht bloß als Resultat von unterstelltem gesellschaftlich-sozialem Druck erbracht wird, sondern aus Überzeugung oder aus eigenem Antrieb, um diesem Druck von vornherein zu entgehen? Klingt hier vielleicht etwas von der zu Propaganda- und Diffamierungszwecken konstruierten Opposition zwischen linksgrünversifftem Meinungsdiktat und rechtsbraunverpesteter Opferschauspielerei an? Fassen sich manchmal sogar Bärbelinchen an die eigene Schematismus- und Schablonendenkerinnennase?

      Warum, Bärbel, hätten „die gewiss verdienten Redakteurinnen den Preis“ oder die Preise nicht annehmen sollen? Hätten sie damit tatsächlich „gegen die (Deines [und meines] Erachtens völlig unzulängliche) kircheninterne Aufarbeitung der Verbrechen, die sich da abgespielt haben“, protestiert? „Protestieren“ heißt, öffentlich mit legalen Mitteln aufbegehren, um legitimen Widerspruch zu erheben und begründbare Einwände zu bezeugen und zu verkünden. Die Deutsche Bischofskonferenz ist laut Statut der „Zusammenschluss der Bischöfe der [derzeit 27] (katholischen) Teilkirchen (Diözesen) in Deutschland zum Studium und zur Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, zu gegenseitiger Beratung, zur notwendigen Koordinierung der kirchlichen Arbeit und zum gemeinsamen Erlass von Entscheidungen sowie zur Pflege der Verbindung zu anderen Bischofskonferenzen.“ Konrad Adenauer und seine Grundsätze sind für die nach ihm benannte Stiftung „Leitlinien, Auftrag und Verpflichtung. Die Stiftung trägt seit 1964 den Namen des ersten Bundeskanzlers; sie ging aus der bereits 1955 gegründeten ‚Gesellschaft für christlich-demokratische Bildungsarbeit‘ hervor.“

      Katja Grundmann und Anna Sprockhoff haben ihre Preise für „Journalismus der Spitzenklasse“ erhalten, wie Heike Groll, die Jury-Sprecherin der Konrad-Adenauer-Stiftung, am 23. Oktober 2017 hervorhob. Die Arbeit (http://lzplay.pageflow.io/aufwachsen-als-fluchtlingskind#52785) beleuchte durch Portraits, Hintergründe, Interviews und Grafiken die Rolle der Kinder für den mühsamen Prozess der Integration. „Sie öffnen den Familien das Tor zu Deutschland“, sagte Groll. Die Preisträgerinnen hätten mit einer „ausgezeichneten Recherche“ und Erzählform gezeigt, wozu ein kleines Team einer kleinen Zeitung in der Lage sei. Für die kirchlichen Juroren war nun auch die Fortsetzung (http://lzplay.pageflow.io/aufwachsen-als-fluchtlingskind#133571) ein multimediales Projekt, „das exemplarisch die Herausforderungen zeigt, vor denen eine ganze Generation Flüchtlingskinder in Deutschland steht“. Die Autorinnen seien nah an die Jugendlichen herangekommen, aber auch nicht so nah, dass ihnen die Distanz verloren gegangen wäre. „Ein eindrucksvoller Einblick in Familien, der möglicherweise Vorurteile abbauen und Verständnis für die Situation von (zunächst) fremden Menschen in Deutschland schaffen kann.“

      Die abscheulichen Verbrechen, Bärbel, die in den deutschen Kirchen während der letzten siebzig Jahre an Kindern verübt wurden, wurden von Individuen verübt, die der Kirche angehören. Nicht von „der“ Kirche! Und diejenigen, die diese Verbrecher geschützt, ihre Verbrechen vertuscht und ihre Opfer ignoriert haben, waren ebenfalls Individuen, waren Angehörige der Kirche mit Rang, Anschrift und Namen, – nicht „die“ Kirche. Ich vermute, Katja Grundmann und Anna Sprockhoff, haben den kirchlichen Preis angenommen, weil sie Gebhard Fürst, den Bischof von Rottenburg-Stuttgart und Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, sowie Joachim Frank, den Vorsitzenden der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands, ebensowenig für Verbrecher halten, wie sie annehmen, „die“ Kirche sei eine verbrecherische Einrichtung. Mit der Ablehnung der Auszeichnung hätten die Journalistinnen das Tor zu einer Sphäre zugeschlagen, die sich nur von innen aufklären und nur „im Dialog“ verändern lässt. Oben in Marc Raths Artikel steht, die Deutsche Bischofskonferenz verleihe den Katholischen Medienpreis jährlich gemeinsam mit dem Katholischen Medienverband und der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands. „Mit dem Preis sollen herausragende journalistische Werke gewürdigt werden, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen und Einzelpersonen beitragen.“ Vielleich können Katja Grundmann und Anna Sprockhoff mit einer ihrer nächsten Reportagen ja sogar innerhalb der Kirchen bzw. im Bewusstsein von immer mehr Kirchenmitgliedern nach und nach „die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen und Einzelpersonen beitragen“. Warum denn nicht?

      Wenn etwas die Arbeiten der beiden LZ-Redakteurinnen auszeichnet, dann ist es eben ihr Blick für Einzelpersonen und deren spezifische Lebensumstände. Sie generalisieren nicht, sie pauschalisieren nicht und sie machen die von ihnen Portraitierten nicht zu pädagogischen Transportpuppen, aus denen eine volksschulpolitische Erziehungsbotschaft hervorgezogen werden sollte. Die Journalistinnen zeigen, wen und was sie beschreiben, und sie bevormunden auch ihre Leser nicht. Im Gegenteil, sie trauen denen etwas zu! Dabei halten sie es, vielleicht ohne das zu ahnen, mit einem berühmten Weimaraner: „Es ist ein großer Unterschied, ob der Dichter zum Allgemeinen das Besondere sucht oder im Besondern das Allgemeine schaut. Aus jener Art entsteht Allegorie, wo das Besondere nur als Beispiel, als Exempel des Allgemeinen gilt; die letztere aber ist eigentlich die Natur der Poesie, sie spricht ein Besonderes aus, ohne ans Allgemeine zu denken oder darauf hinzuweisen. Wer nun dieses Besondere lebendig faßt, erhält zugleich das Allgemeine mit, ohne es gewahr zu werden, oder erst spät.“ (Quelle: Johann Wolfgang von Goethe: Maximen und Reflexionen, Aus Kunst und Altertum, Fünften Bandes zweites Heft, von 1825. Hier: Berliner Ausgabe. Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen, Band 18, Berlin 1960 ff, S. 516)

      Dass Du, Bärbel, mir in Deinem denkwürdigen Billet-doux von gestern versicherst, „auf keinen Fall die Redlichkeit, Professionalität und mustergültige Recherche [von Frau Grundmann und Frau Sprockhoff] in Frage stellen“ zu wollen, und es „repektierst“, dass die beiden „den Preis angenommen haben“, lässt mich an ein Lüneburg glauben, in dem z. B. Alexander Schwake, Du und ich heute und viele andere auch in fünfhundert Jahren noch supi dupi und mega nice leben können.