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Detlev Günther aus Amelimghausen ließ sich vom Experten Jan Bade (l.) in die Geheimnisse der Pomologie einweihen. Foto: phs

Auf den Spuren Oberdiecks

Bardowick. Begegnet sind sie sich nie – und doch haben sie eine ganz enge Verbindung: Wie der bekannteste deutsche Pomologe des 19. Jahrhunderts, Johann Georg Conrad Oberdieck, hat sich auch Jan Bade ganz der Erhaltung der Vielfalt alter Obstsorten verschrieben. 2014 wurde ihm dafür der Oberdieck-Preis des Pomologenvereins verliehen, jetzt hat er auch eine der Wirkungsstätten seines Vorgängers besucht: Zu Gast war der 51-Jährige am Mittwoch beim Apfelfest – natürlich in Bardowick.

Rund um Meyers Windmühle hat der Verein Lüneburger Streuobstwiesen seine diesjährige Veranstaltung organisiert – aus gutem Grund: „Oberdieck war zwischen 1819 und 1831 Prediger im Flecken“, erklärt Vereinsvorsitzender Dr. Olaf Anderßon, „hatte hier begonnen, sich für die Pomologie zu interessieren, weil er seinen armen Bauern helfen und ihnen neue Märkte erschließen wollte. Das war der Beginn einer ganz großen Leidenschaft.“ Und die teilt auch Jan Bade.

„Es ist ein Jamba“

Aus Kaufungen bei Kassel ist der Experte angereist, kümmert sich gegen kleines Honorar um die Gartengeheimnisse der Besucher. Auch Daiva und Holger Maack sind mit einem Beutel gekommen, haben Äpfel vom eigenen Baum dabei. „Wir werden von Freunden immer wieder gefragt, was das für eine Sorte ist, und können es ihnen nie sagen“, erklärt der Adendorfer. Das wird sich ab sofort ändern. Bade hat das Obst begutachtet und bestimmt: „Es ist ein Jamba“, sagt Holger Maack, im Alten Land gezüchtet, die Mutter heißt James Grieve, der Vater Melba.

Probieren musste der Experte den Apfel dafür nicht, stellte Daiva Maack überrascht fest: „Ihm genügte ein Blick auf den wohl typischen Schorf rund um den Stil und die Maserung des Fruchtfleisches.“

Spezialisiert auf alte Obstsorten

Mehr als 4000 Sorten hatte Oberdieck zu Lebenszeiten gesammelt und bestimmt, und auch Bades Ordner sind beeindruckend: Jeder Apfel ist genauestens erfasst, mit seinen Merkmalen beschrieben und gezeichnet oder fotografiert.

Zudem gibt es eine umfassende Sammlung von Kernen, die letztlich einen ganz entscheidenden Hinweis auf ihren Träger bieten. Denn das Äußere allein verrät lange nicht alles, wie Bade erklärt: „Die Farbe beispielsweise hängt sehr davon ab, wie viel Sonne eine Frucht bekommen hat.“

Früchte konnten die zahlreichen Besucher überall erhalten, und das in den unterschiedlichsten Zuständen: So gab es frisch gepressten Apfelsaft und verschiedene Sorten in ihrer unbearbeiteten Form. Und wem das noch zu fortgeschritten war, konnte sich auch die Pflanze bestellen und für ihre Entwicklung selber Sorge tragen. Extra aus Pinneberg war dazu eine Baumschule angereist, die sich auf alte Obstsorten spezialisiert hat.

Von Ute Lühr

Zur Sache

Verein mit 80 Mitgliedern

Seit 2010 existiert der Verein Lüneburger Streuobstwiesen e.V., der sich dem Erhalt alter Obstsorten verschrieben hat. Rund 80 Mitglieder umfasst er, gemeinsam kümmern die sich unter anderem um die drei vereinseigenen Flächen in Harms­torf, Wendisch-Evern und die Modell-Streuobstwiese am Schildstein. Hier haben die Mitglieder einen Erlebnispfad angelegt, auf dem beobachtet werden kann, wie sich die Bäume entwickeln. Zudem werden dort auch kleine Fortbildungen geboten, beispielsweise zum Thema Baumschnitt.