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Die Visualisierung zeigt die Gartenperspektive des Gebäudes. Foto: Neustadtarchitekten

Gemeinsam günstige Mietwohnungen bauen

Lüneburg. Das Grundstück am Meisterweg ist bereits planiert. „In den kommenden Wochen soll mit den Tiefbau-Arbeiten für unser gemeinschaftliches Wohnprojekt begonnen werden“, sagt Heike Rode von der Gruppe „Gemeinschaft.Sinn GmbH“. Es handelt sich um ein Modellprojekt, bei dem preisgünstiger Wohnraum geschaffen wird, der von Menschen mit unterschiedlichen Wohnbedürfnissen und Lebensentwürfen gemietet werden kann.

Wie berichtet, wurde die Kleingartenkolonie „Hopfengarten“ seit Jahren immer spärlicher bewirtschaftet. Mit dem Kleingärtner-Bezirksverband hatte die Stadt vereinbart, dass es zu keinen Neuverpachtungen kommt. Denn auf dem Areal sollen sich Baugruppen und -gemeinschaften ansiedeln können. Die restlichen Kleingärten haben allerdings Bestandsschutz. Geplant ist eine zeilenweise, schrittweise Bebauung, die auch davon abhängig ist, wann Gärten aufgegeben werden.

Ein Badewannen-Raum im obersten Stockwerk

Da im südlichen Teil des Areals keine Gärten mehr bestellt wurden, kann das Bauvorhaben von Gemeinschaft.Sinn nun beginnen. Das 1700 Quadratmeter große Grundstück grenzt direkt an den öffentlichen Durchgang zur KulturBäckerei, daran schließt sich zur Kurve hin ein weiteres Wohnprojekt der Gruppe „Meisterblick“ an, das zeitgleich gebaut wird.

Elf Wohneinheiten unterschiedlicher Größe sind für das Projekt Gemeinschaft.Sinn geplant. „Wir möchten verschiedene Wohnbedürfnisse erfüllen, damit Einzelpersonen sowie Familien und WG‘s gemeinschaftlich leben können“, sagt Oliver Höppner von der Gruppe. Zwei Wohnungen sowie der Gemeinschaftsraum sind zudem barrierearm konzipiert. Flure und Türen sind breiter, geeignet auch für Menschen mit Beeinträchtigungen.

In dem zweigeschossigen Gebäudekomplex wird es eine gemeinschaftliche Werkstatt und eine Waschküche im Keller geben. Im obersten Stock zieht ein Badewannen-Raum ein, da alle Wohnungen nur mit Duschen ausgestattet sind. Der Garten wird zusammen bewirtschaftet. Die Gruppe setzt auf ein Mobilitätskonzept: Autos sollen gemeinsam genutzt werden, Carsharing- und eine Lastenrad-Station sind weitere Ideen.

Bau von bezahlbaren Wohnungen soll forciert werden

Das Besondere am Projekt ist: „Menschen können die Wohnungen mieten, müssen also kein Eigentum erwerben. Wir versuchen, Wohnraum zu 7 bis 8 Euro pro Quadratmeter anzubieten“, sagt Heike Rode. Kein leichtes Unterfangen. Denn die Gruppe musste für den Kauf des Grundstückes vom Land rund 330 Euro pro Quadratmeter zahlen. „Dabei soll doch der Bau von bezahlbaren Wohnungen forciert werden.“ Dass die Gruppe ihr Projekt trotz des hohen Grundstückspreises umsetzen kann, liegt an der N-Bank. „Wir konnten sie nach zähen Verhandlungen überzeugen, uns als Modellprojekt anzuerkennen, sodass eine Förderung möglich ist“, sagt Höppner. Dennoch muss eisern kalkuliert werden, „deshalb werden wir uns bei der ökologischen Bauweise einschränken müssen“.

Unterstützung wünscht sich die Gruppe durch Privatkredite. Jeder könne Geld einbringen, das mit bis zu 1,5 Prozent verzinst wird. „Das ist günstiger, als wenn wir Geld bei der Bank aufnehmen. Mehr als 100 Personen haben uns schon ein Darlehen gegeben, das jederzeit kündbar ist.“

Im Dezember 2019 soll das Haus bezugsfertig sein.

Mehr Informationen zum Projekt auf www.gemeinschaftsinn.wordpress.com im Internet.

Von Antje Schäfer

Vorreiter in Lüneburg war die Gruppe LeNa

Wohnen in der Gemeinschaft

Das erste gemeinschaftliche, generationsübergreifende Wohnprojekt in Lüneburg brachte die Gruppe LeNa am Brockwinkler Weg auf den Weg. Inzwischen sind einige weitere Projekte mit unterschiedlicher Ausrichtung in der Umsetzung beziehungsweise angedacht. Auch im geplanten Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg sollen Grundstücke für Baugruppen vorgehalten werden, ebenso im Hanseviertel-Ost.

Die Stadtverwaltung begrüßt Baugruppenprojekte, „weil sie einen Mehrwert für die Stadtentwicklung darstellen“, sagt Stadtbaurätin Heike Gundermann. Die Gruppen realisierten in der Regel ihre Projekte als Mehrfamilienhäuser. Diese Bauform spare Ressourcen und Flächen. Baugruppen trügen auch dazu bei, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, da Menschen von der Planung bis zur Umsetzung vieles selbst realisierten. Außerdem würden von ihnen neue Mobilitätskonzepte gelebt, die der Entlastung der Umwelt dienen. Und sie seien aus gesellschaftlicher und sozialer Sicht ein Gewinn. „Denn hier tun sich oft Menschen verschiedener Generationen zusammen mit dem Ziel, eine lebendige Nachbarschaft auch über die Baugruppe hinaus zu gestalten.“

Der Verein „Mehr Leben“ ist ein regionales Forum für neue Gruppen und Initiativen, die ihr Wohnprojekt schon bezogen haben oder noch in der Planung sind. Ein Stammtisch – stets am ersten Montag eines Monats ab 19 Uhr im Mälzer – bietet die Gelegenheit zum Austausch.