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Die neue Kita am Ochtmisser Kirchsteig besteht aus insgesamt 93 farbigen Mobil-Teilen. Foto: sp
Die neue Kita am Ochtmisser Kirchsteig besteht aus insgesamt 93 farbigen Mobil-Teilen. Foto: sp

Container für Kinder

Lüneburg. Die Pressemitteilung der Stadt klingt optimistisch: „Die Arbeiten für die neue Kita am Ochtmisser Kirchsteig gehen planmäßig voran.“ Zum Jahreswechsel wolle man die Tagesstätte in Betrieb nehmen. Doch so ganz planmäßig kann es nicht laufen: Im August hatte die Verwaltung noch erklärt, dass die Einrichtung Anfang Dezember starten soll, jetzt ist vom Jahreswechsel die Rede. Im Sozialbereich wird gemunkelt, dass es womöglich noch etwas später losgehen dürfte, unter anderem weil die Küche nicht pünktlich geliefert wird. Auch sei man noch auf der Suche nach Personal. Erzieherinnen sind bekanntlich nicht einfach zu finden, der Arbeitsmarkt für Fachkräfte ist angespannt. Entsprechende LZ-Informationen bestätigt die Stadt.

Wie berichtet, sollen auf dem Gelände der geschrumpften Flüchtlingsunterkunft in den gerade neu aufgestellten roten und gelben Mobilbauten sechs Gruppen entstehen – drei fürs Krippen-, drei fürs Kita-Alter. Die überwiegend kommunale Lüwobau ist Bauherr, die Stadt mietet die Räume.

Eine Kita-Leiterin ist bereits eingestellt

Im Rathaus sagt Pressesprecherin Ann-Kristin Jenckel dazu: Die Lüwobau werde den Komplex zum 1. Januar an die Stadt übergeben, kurz darauf solle der Betrieb starten. „Allerdings vorerst in reduzierter Zahl mit nur einer Krippen- und einer Kindergartengruppe. Der volle Betrieb wird dann vermutlich bis zum März erreicht werden.“ Auch die Küchenprobleme räumt sie ein: „Solange die Küche nicht fertig ist, wird in den ersten Wochen des Betriebs das gesamte Essen geliefert.“

Eine Kita-Leiterin ist bereits eingestellt. Bis zum Beginn des Betriebes schreibe sie an einem Konzept, führe Vorstellungsgespräche, kümmere sich um die Aufnahme der Kinder und beteilige sich an der Planung für das Außengelände.

Innen gelten die gleichen Standards wie überall

Henning Müller-Rost von der Lüwobau sagt: „Im Innern wird man nicht merken, dass man sich in einem aus einzelnen Modulen zusammengesetzten Gebäude befindet. Bei dem Ausbau gelten zudem die gleichen hohen Standards wie in jeder anderen städtischen Kita.“

Das Rathaus will mit dem neuen Kindergarten das Angebot im Nordosten der Stadt verbessern. Ochtmissen, der Kreideberg und auch die Häuser rund um den Brockwinkler Weg liegen in der Nähe. Die Kitas in Ochtmissen und an der Stöteroggestraße sind gut nachgefragt. Sozialdezernentin Pia Steinrücke hatte in der Vergangenheit bereits deutlich gemacht, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder in Lüneburg seit Jahren steigt. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 zählte die Verwaltung 3849 Mädchen und Jungen im Alter bis zu sechs Jahren in der Stadt, aktuell sind es 4205 – Tendenz steigend.

Von Carlo Eggeling

Warum die Stadt bewilligte Fördermittel ablehnt

Der bessere Topf

Die Stadt Lüneburg muss bekanntlich weitere Betreuungsplätze für kleine Kinder schaffen, um den steigenden Bedarf decken zu können. In den nächsten drei bis vier Jahren sollen in Zusammenarbeit mit freien Trägern mindestens 625 neue Plätze in Krippen und Kitas hinzukommen. Eine Mammutaufgabe, die nicht ohne Unterstützung umgesetzt werden kann. Anfang September hatte die Stadt für 45 Krippenplätze in der Kita Ochtmisser Kirchsteig die Zusage für eine Landesförderung von 540.000 Euro erhalten. Jetzt vermeldete das Land, dass es überdies 540.000 Euro für die Kita Hanseviertel III zur Verfügung stellt.

Fließen wird dieses Geld jedoch nicht. „Wir werden diesen Förderbescheid für den zweiten Bauabschnitt der Kita Hansekids zurückgeben beziehungsweise unseren Antrag für die Mittel zurückziehen“, sagt Stadtpressesprecherin Ann-Kristin Jenckel und erläutert den Hintergrund: „Beim Bau einer Kita prüfen wir grundsätzlich alle in Frage kommenden Fördermittel und stellen rechtzeitig die entsprechenden Anträge, damit keine Fördermittel entfallen. Mittlerweile steht allerdings fest, dass wir die beantragten Mittel nicht benötigen, da wir davon ausgehen, dass wir für den Umbau und die Ausstattung der Kita Hansekids KIP-Mittel – das steht für Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes des Bundes – bekommen werden.“ Diese Mittel seien für die Stadt weitaus attraktiver, da in diesem Programm 89,41 Prozent der gesamten Investitionskosten finanziert werden. Veranschlagt für die Baumaßnahme sind 1,47 Millionen Euro. Aus diesem Fördertopf würden also rund 1,31 Millionen Euro und damit deutlich mehr fließen. ahe