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Nach über 30 Jahren im Wildpark Lüneburger Heide setzt sich Lothar Askani zur Ruhe. Foto: Adrian Fohl

Der große Kult-Falkner

Nindorf. Er war Mister Falkner. Fast jeder, der schon mal im Wildpark Lüneburger Heide war, kennt ihn. Nun endet eine Ära – standesgemäß mit einem großen Falknertreffen im Wildpark am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Oktober. Damit verabschiedet sich Kult-Falkner Lothar Askani nach über 30 Dienstjahren im Wildpark von seinen Fans.

Mehr als 100 persönliche Einladungen an befreundete Falkner hat Askani im Vorfeld verschickt – ein Großteil davon wird an dem Falknertreffen teilnehmen. Jeweils von 10 bis 16 Uhr erhalten die Wildpark-Besucher auf der großen Veranstaltungswiese beim Wasserspielplatz einen persönlichen Einblick in die Falknerei. Die Falkner berichten aus ihrem Erfahrungsschatz zu den Themen Zucht, das Abrichten von und die Jagd mit Greifvögeln. Neben den unterschiedlichen Greifvogel-Arten wie Steinadler, Seeadler, Habichte oder Wanderfalken, werden auch verschiedene Jagdhunderassen vorgestellt.

Ein knorriger Schwabe

Mit der Verabschiedung von Lothar Askani in den Ruhestand geht im Wildpark Lüneburger Heide eine Ära zu Ende. Der knorrige Schwabe mit dem lichten Kopfhaar und dem markanten weißen Rauschebart ist vor mehr als 30 Jahren dem Ruf vom jetzigen Wildpark-Senior-Chef Norbert Tietz in den Norden gefolgt. Der hatte seinerzeit den Wildpark von Georg-Friedrich von Krogh übernommen und suchte einen kompetenten Falkner, der im Park eine Falknerei aufbauen sollte. Gesagt, getan.

Gleich an seinem ersten Arbeitstag in Nindorf zeigte Askani mit ein paar eigenen Greifvögeln eine improvisierte Flugshow – das war der Anfang der überaus erfolgreichen Falknerei-Geschichte im Wildpark Lüneburger Heide.

Zahllose Greifvögel und Eulen, darunter auch seltene und teils vom Aussterben bedrohte Arten, schlüpften unter Askanis Obhut aus dem Ei. Bis zum Schluss stand er an vorderster Front auf der Greifvogel-Fluganlage und präsentierte dem erstaunten Publikum seine Lieblinge im Flug, vermittelte viel Wissenswertes und rettete den einen oder den anderen kleinen Besucher-Hund davor, Futter für seine Adler zu werden, weil so mancher Hundebesitzer die Warnschilder übersehen hatte.

Vor 40 Jahren machte er den Falknerschein

Wie wird man eigentlich zum Falkner? Indem man sein Hobby zum Beruf macht. Ursprünglich hatte Askani Werkzeugmacher gelernt, übte den Beruf aber nicht lange aus. Er half damals einem örtlichen Falkner ab und zu aus und entdeckte seine Begeisterung für die Falknerei. Vor rund 40 Jahren machte der heute 68-Jährige seinen Falknerschein, arbeitete lange Jahre in der Deutschen Greifenwarte im Neckartal, bevor es ihn in den Norden zog. Zum eigentlichen Rentenbeginn mit 65 Jahren fühlte sich Lothar Askani noch zu jung, um den Falkner-Handschuh beruflich an den Nagel zu hängen.

Doch jetzt ist die Zeit gekommen, sich um das Haus, den Hund „Vita“ – ein Deutsch Drahthaar – und die eigenen Vögel im Garten zu kümmern. Und um seine Hobbys. Dazu gehört natürlich die Jagd – mit und ohne Greifvögel.
Ein bisschen privat züchten möchte Askani und hier und dort einen Auftritt mit seinen Vögeln anbieten. Vielleicht eine Woche Urlaub in Masuren – mal ohne Vögel – und ein bisschen Radfahren, um in Bewegung zu bleiben, das sind seine Pläne. Schön, wenn man seinen Beruf im Ruhestand wieder zum Hobby machen kann.

Von Rainer Krey