Donnerstag , 17. Oktober 2019
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Der Traum von einer Ballonfahrt platzte auch für viele Lüneburger Kunden des Unternehmers aus Handeloh. Foto: CorWin

Ballonfahrer landet im Knast

Lüneburg. Auf den wegen Betruges verurteilten Ballonfahrt-Unternehmer Karsten F. aus Handeloh kommen schwere Zeiten zu. Weil es der 54-Jährige einfach nicht las sen konnte und erneut Fahrten mit einem Heißluftballon anbot, damit gegen Bewährungsauflagen verstieß, widerrief das Amtsgericht Tostedt die Bewährung. Doch es kommt noch dicker: Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt gegen den Handeloher jetzt auch wegen besonders schweren Bankrotts. Der sitzt nun in Untersuchungshaft.

Auf einen sechsstelligen Betrag beziffert Oberstaatsanwalt Kai Thomas Breas das Vermögen, das bei einer groß angelegten Durchsuchung von Wohn- und Geschäftsräumen von Karsten F. am 5. September sichergestellt wurde. Unter anderem wurden dabei mehr als 50 Autos, darunter wertvolle Youngtimer, 28 Heißluftballons und 12 Ballonfahrtkörbe vorgefunden (LZ berichtete). Weil F., gegen dessen Firma Aeolus Aviation GmbH ein Insolvenzverfahren läuft, diese Vermögensgegenstände verschwiegen hat, eröffnete die Staatsanwaltschaft Stade gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs des besonders schweren Bankrotts.

Staatsanwaltschaft sieht „massive Fluchtgefahr“

„Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, droht ihm eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren“, sagt Oberstaatsanwalt Breas. Wegen dieser hohen Freiheitsstrafe, aber auch, weil F. zwischenzeitlich berufliche Aktivitäten im Ausland gestartet habe, geht die Staatsanwaltschaft von einer „massiven Fluchtgefahr“ aus und beantragte Haftbefehl.

Die Haftrichterin schlug am 1. Oktober zu, als F. sich – dieses Mal wegen Steuerhinterziehung – gerade vor dem Amtsgericht Stade verantworten musste. Seitdem sitzt der Handeloher in in der JVA Bremervörde in Untersuchungshaft. Dort wird er ausharren müssen, bis das Landgericht Stade über seinen Einspruch gegen die Aufhebung der Bewährung entschieden hat.

Preise lagen bei 200 Euro pro Person

Wie berichtet, war Karsten F. im Dezember 2017 wegen Betruges und Insolvenzverschleppung zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden, die wurde zur Bewährung ausgesetzt. Über Jahre hinweg hatte er Fahrten mit Heißluftballons angeboten, bereits bezahlte Fahrten – die Preise lagen bei 200 Euro pro Person – aber kurzfristig immer wieder abgesagt. Mehr als 3000 Kunden sollen auf diese Weise geschädigt worden sein, darunter auch viele aus der Region Lüneburg.

Oberstaatsanwalt Breas geht davon aus, dass das Landgericht der Widerspruchsentscheidung des Amtsgerichts folgen wird, „zumal F. nach seiner Verurteilung im Dezember nochmals 155 000 Euro durch Ticketverkäufe für Ballonfahrten vereinnahmt hat“ – ebenfalls ein massiver Verstoß gegen die Bewährungsauflagen.

Erneut 155.000 Euro für Ballontickets eingenommen

Auf den Handeloher warten, sollte es so kommen, damit zunächst die 20 Monate Haft, die ursprünglich auf Bewährung ausgesetzt waren. Selbst wenn das Landgericht dem Einspruch stattgeben würde, bliebe er hinter Gittern, „dann in Untersuchungshaft wegen der Fluchtgefahr“, erläutert Breas. Ob daraus eine mehrjährige Haftstrafe wird, hängt von den weiteren Ermittlungen ab. Für das Einreichen der Anklage hat die Staatsanwaltschaft sechs Monate Zeit.

Von Ulf Stüwe