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Der Ausbau dieses kleinen Vastorfer Weges ist entscheidend für den Bauernverband. Foto: cm

Vastorfer brechen mit Bauernverband

Vastorf. Die Vorrangfläche für Windenergie in Wulfstorf im Landkreis Uelzen stand für die Vastorfer schon immer unter einem schlechten Stern. Nach sieben Monaten Verhandlungen zwischen Bauernverband und Gemeinde kam es nun bei der jüngsten Ratssitzung zum Bruch: Die Politiker lehnten die Nutzung und den Ausbau eines Vastorfer Weges als Zufahrt zur Anlage einstimmig ab. Damit ist der Bauernverband gezwungen, eine andere Trasse zu finden, falls der Standort im Raumordnungsprogramm des Landkreises Uelzen genehmigt wird.

1000 Transporte in acht Monaten

Die ganze Sache fing schon eher ungünstig an: Zunächst einmal wussten die Vastorfer überhaupt nichts von den Plänen der drei Kilometer entfernten Nachbarn, bis der Bauernverband, der die Anlagen plant, die Gemeinde im März offiziell informierte. Vastorf gab eine offizielle Stellungnahme zum Raumordnungsprogramm ab. „Wir haben uns gegen den Standort ausgesprochen“, erklärte Gemeindedirektor Dennis Neumann auf LZ-Nachfrage. Als Gründe gab die Gemeinde unter anderem das Vorkommen von Rotmilan und Seeadler an. „Das musste damals schnell gehen, deshalb konnten wir noch keine harten Fakten liefern.“ Die Gemeinde gab daraufhin ein avifaunistisches Gutachten in Auftrag, um ihre Einwände zu untermauern. Das Ergebnis kam wegen der aufwendigen Prüfungen erst im September (siehe „Zur Sache“).

In der Zwischenzeit gingen die Verhandlungen zwischen Bauernverband und Gemeinde weiter. Der etwa 1,3 Kilometer lange Weg ist essentiell für den Bauernverband. „Diese Trasse ist die umweltverträglichste, wirtschaftlichste und zugleich die, die mit den wenigsten Belastungen für die Anwohner verbunden ist“, erklärte Projektentwickler Steffen Föllner vom Bauernverband bei der Ratssitzung im Juni.

Kontroverse Diskussionen

Wie berichtet soll der Weg auf 4,60 Meter Breite als Schotterweg ausgebaut werden. Dazu müssten einige Bäume gefällt und der Graben an der Kreisstraße verrohrt werden. Der Einfahrtsbereich selbst soll mit Eisenplatten verbreitert werden, damit die bis zu 76 Meter langen Lkw mit den Elementen der Windanlagen die Kurve überhaupt nehmen können. „Wir rechnen mit etwa 1000 Transporten in sechs bis acht Monaten Bauzeit“, erläuterte Föllner.

Der Rat zeigte sich skeptisch, vor allem was die Kosten für Unterhalt und Abschreibung angeht und verwies das Thema noch einmal in die Fraktionen. Dann kam die Sommerpause. Warum sich die Entscheidung des Rates so lange hinzog, sieht Neumann den „kontroversen Diskussionen“ geschuldet. „Der Bauernverband hat quasi eine Drohkulisse aufgebaut: Wenn Ihr uns den Weg nicht gebt, müssen wir durch Gifkendorf“, so Neumann. Der Rat sprach mit den Gifkendorfern. „Der Tenor lautete: Wenn Ihr gegen den Standort seid, könnt Ihr auch den Weg nicht zum Ausbau freigeben“, erklärte Neumann. Daraufhin wandte sich der Bauernverband an Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer, der den Vastorfer Rat geschlossen nach Barendorf zitierte.

Massive Kritik an Entscheidung des Rates

Das bestätigte die Vastorfer nur in ihrer Position. Bei der Ratssitzung gab Peter Lade den Vorsitz ab und trug selbst die Begründung vor: „Wir können dem Ausbau des Weges in dieser Form nicht zustimmen“, erklärte er. „Es müssen Bäume gefällt werden und der Schwerlastverkehr würde dazu führen, dass sich Flora und Fauna komplett verändern.“

Ein weiterer, nicht ganz unwichtiger Grund: Wegen der Ertüchtigung der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg müssen etliche Bahnübergänge geschlossen werden. Auf den, der auf dem besagten Weg liegt, können die Vastorfer gut verzichten. Wenn er aber ausgebaut und Zufahrt zur Windanlage wird, wird eher ein anderer geschlossen, der für die Vastorfer aber viel wichtiger ist.

Für den Bauernverband ist die Entscheidung des Rates eine Katastrophe: „Die Gründe für die Entscheidung der Gemeinde sind mir völlig unklar und lassen sich nicht nachvollziehen“, sagte Steffen Föllner vom Bauernverband. „Ich weiß nicht, wie sie das ihren Bürgern erklären wollen.“

Von Claudia Misiek

Zur Sache

Geschütze Arten nachgewiesen

Das avifaunistische Gutachten, das Biologin Julia Langer vortrug, belegt zwei Brutnachweise für den Rotmilan und einen Brutverdacht für den Kranich. Zwei weitere Verdachtsmomente für den Seeadler und den Schwarzstorch müssten weiter untersucht werden. „Das Ergebnis wäre meiner Meinung nach schon ein Verbotstatbestand für die Windkraftanlagen“, sagte Langer. Der Rat beauftragte die Verwaltung zu prüfen, ob mit diesem Gutachten gegen das Raumordnungsprogramm des Landkreises Uelzen vorgegangen werden kann. „Ich glaube nicht, dass wir das kippen können“, sagte Dennis Neumann. „Aber bei der Detailprüfung im Rahmen der Genehmigung wird es spannend.“ cm

4 Kommentare

  1. dem bauernverband geht es hier nicht um die natur, sondern nur um das bequeme geschäft. wie lange wird es wohl dauern, bis das abgelehnte windkraftareal zu bauland erklärt wird, schließlich will man ja vom wetter unabhängig werden?

    • Jahrtausendstark

      „wie lange wird es wohl dauern, bis das abgelehnte windkraftareal zu bauland erklärt wird, …“

      Herr Bruns,
      Wenn sie 1+1 zusammenzählen können, dann können sie doch sicher auch bis 3 zählen ;o). So lange.

  2. Die Bauern sollten mal deutlich machen, ob sie Bauern oder Energieversorger sind.

    Dieser pathetische Bauernbegriff nervt ziemlich!

    • Landwirte sind in erster Linie selbstständige Unternehmer. Sie werden nur im Vergleich zu anderen Unternehmen/Selbstständigen teils ungewöhnlich stark subventioniert. Einerseits durch die eigenen Staaten und andererseits durch die EU. Ich glaube sie gelten (wohl ab einer bestimmten Größe des Betriebes) ähnlich wie Banken als Systemrelevant. Schließlich tragen sie zu einem nicht unerheblichen Teil zur Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln bei.
      Doch wie in jedem anderen Unternehmen ist das Ziel, Gewinne zu erwirtschaften. Dazu haben die meisten Unternehmen nicht nur ein Standbein. Warum sollen Landwirte dann eine Ausnahme machen? Sie haben i.d.R. nunmal den Landbesitz der für Windkraftanlagen ausgewiesen werden kann. Und wenn ich an die Dürreperiode in diesem Jahr denke können die Pachteinnahmen aus den Windkraftanlagen vielleicht so manchen Landwirt vor dem Ruin bewahren. Deshalb ist das für mich alles nachvollziehbar und kein Widerspruch.