Aktuell
Home | Lokales | Die Vorleserinnen
Marion Jaunich (v.l.) und Lilli Roffmann sprechen ausgewählte Artikel in einen Rekorder ein, so erhält auch Erna Heinbockel einen Zugang zur Lokalzeitung. Foto: phs
Marion Jaunich (v.l.) und Lilli Roffmann sprechen ausgewählte Artikel in einen Rekorder ein, so erhält auch Erna Heinbockel einen Zugang zur Lokalzeitung. Foto: phs

Die Vorleserinnen

Lüneburg. Für Erna Heinbockel ist es ein Muss, über das Lüneburger Stadtgeschehen informiert zu sein. Sie möchte schließlich mitreden können. Dabei ist die lokale Presse ihre Informationsquelle, nur kann sie die Landeszeitung nicht selbst lesen. Heinbockel ist sehbehindert, das ist für sie aber keinesfalls ein Hindernis. Die LZ erhält sie als Hörversion, unterstützt von sieben ehrenamtlichen „Auflesern“ ermöglicht sie das auch anderen blinden Menschen.

Ausgewählte Artikel werden auf CD gesprochen

„Leider wissen viel zu wenige von dem Angebot“, sagt die Lüneburgerin, die sich im Vorstand des regionalen Blindenvereins engagiert. Seit 26 Jahren gibt es die Landeszeitung schon für die Ohren, 2010 hat Heinbockel die Koordination übernommen. Das Prinzip ist einfach: Ehrenamtliche wie Marion Jaunich und Lil-li Roffmann sprechen ausgewählte Artikel in ein Aufnahmegerät. Wer an der Reihe ist, liest eine Woche lang die Zeitung. Dienstags soll die CD, die Heinbockel vervielfältigt und rausschickt, dann im Briefkasten des Abonnenten sein. Zurzeit nutzen 14 Personen das Angebot, das für Mitglieder des Blindenvereins 30 Euro im Jahr kostet, für Nicht-Mitglieder 36 Euro.

Marion Jaunich ist inzwischen seit sechs Jahren dabei. Sie sagt: „Ich suche die Artikel aus, von denen ich glaube, dass sie am meisten interessieren.“ Häufig seien das Beiträge aus der Lokalpolitik. „Das finde ich ganz wichtig. Wenn man mit einem Bekannten irgendwo sitzt, möchte man sich ja über das aktuelle Geschehen austauschen können.“ Gerade für Blinde sei darüber hinaus das Thema Teilhabe ein ganz wichtiges, ist Jaunich überzeugt.

Einmal im Jahr gibt es ein Treffen des Blindenverbands, dann kommen Ehrenamtliche und Abonnenten zusammen, um sich auszutauschen, Kritik und Wünsche zu äußern, zuletzt Ende September.

Haken, Spruch des Tages und Kommentare kommen gut an

„Eine Hörerin hat dabei darum gebeten, dass das Aufnahmegerät ausgeschaltet wird, wenn sich jemand beim Lesen räuspern oder husten muss. Die Geräusche werden auf Band als störend empfunden“, erzählt Heinbockel, die außerdem die Bestätigung erhalten hat, dass vor allem der Spruch des Tages, die Rubrik „Am Haken“ und die Kommentare gut ankommen.

Lilli Roffmann möchte künftig vor allem eine Anmerkung beherzigen: „Die Kommentare der LZ-Redakteure zu bundespolitischen Themen sind sehr gefragt“, sagt sie. „Wir lesen bewusst eher den Lokalteil, also das, was man nicht schon im Radio erfahren hat.“

Von Anna Paarmann

Unterstützung

Vorleser gesucht

Damit der Aufwand für jeden einzelnen Ehrenamtlichen etwas verringert wird, in Urlaubs- und Krankheitszeiten flexibler agiert werden kann, sucht Erna Heinbockel für ihr Team Verstärkung. Infrage kommt jeder, der bereit ist, alle paar Wochen etwas Zeit zu investieren und sich mit der Technik auseinanderzusetzen. Die einzige Maßgabe: Die CD sollte nach sechs Ausgaben mindestens eineinhalb Stunden Material umfassen. Auch Personen, die die Landeszeitung gern auf CD erhalten möchten, können sich bei Erna Heinbockel unter (0152) 08670347 melden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.