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Bodo Gerlach steht am mobilen Sägewerk, sein Schwiegervater Willi Nolte überwacht, wie sich die Säge ins Holz frisst. Foto: kre

Der Mann mit dem Sägewerk

Wendhausen/Boltersen. Drei Dinge braucht ein Mann: Eine Kettensäge, ein mobiles Sägewerk und viele, viele Baumstämme. So gesehen ist Bodo Gerlach also ein glück licher Mann. Denn der Wendhausener ist nicht nur Waldbesitzer, er nennt auch gleich ein halbes Dutzend Motorsägen sein eigen. Und sogar ein mobiles Sägewerk.
Ob Bretter für den selbst gebauten Hühnerstall, Bohlen für den Geräteschuppen oder Balken für den Holzzaun und die Hochsitze – auf seinem mobilen Sägewerk „made in Sweden“ sägt Bodo Gerlach so ziemlich alles auf Maß, was ihm vor das Schwert der Kettensäge kommt. Fast auf den Millimeter genau. Und das mitten im Wald, in freier Natur.

Nun ist es nicht so, dass so eine mobile Konstruktion unbedingt zum Grundsortiment in jedem Werkzeugkeller gehört. Aber es macht unabhängig vom Holzhandel und den Baumärkten und vor allem: Es sorgt in der „Do-it-yourself-Welt“ echter Kerle für ein richtig gutes Gefühl. Denn zu wissen, dass man das Holz, mit dem man arbeitet, im Wald selbst gesägt hat, macht die Handwerker-Seele gleich noch mal so stolz.

Sturmholz wird zu Bohlen verarbeitet

Es ist ein wunderschöner Herbsttag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Zeit, die Natur zu genießen haben Bodo Gerlach (64) und sein Schwiegervater Willi Nolte (82) trotzdem nicht: Die beiden Männer haben sich einiges vorgenommen. Am Wegesrand liegt ein Stapel Fichtenstämme. Die Bäume waren beim Unwetter im August den schweren Gewitter- und Sturmböen zum Opfer gefallen. Jetzt sollen die Stämme zu Bohlen aufgesägt werden.

Doch bevor es losgehen kann, muss das 5,50 Meter lange Sägewerk aufgebaut werden. Viel zu beachten haben die Männer dabei nicht. Ohnehin agieren die beiden als eingespieltes Team: „Wichtig ist, dass die Konstruktion gerade steht, damit sie sich bei der Arbeit nicht verzieht“, erklärt Bodo Gerlach. Das Sägewerk besteht aus Aluminium, wiegt daher – ohne Säge – gerade einmal 55 Kilogramm, kann aber mit bis zu 500 Kilogramm schweren Baumstämmen belastet werden. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Kiefern, Fichten, Douglasien, Eichen, Buchen oder irgendeine andere Baumart handelt.

Bei früheren Einsätzen hatten Gerlach und Nolte ihre mobile Konstruktion auch schon so platzieren können, dass sie die Stämme vom Holzstapel direkt auf das Sägewerk heben konnten.

Seilzug und Schlitten führen die Säge

Dieses Mal erledigt Gerlach diese Arbeit mit Hilfe eines Treckers mit Frontlader. „Das ist dann doch die etwas rückenschonendere Variante“, sagt er schmunzelnd, während ihn sein Schwiegervater per Handzeichen einweist. Denn trotz aller Routine muss Gerlach mit viel Fingerspitzengefühl den Trecker steuern – sonst gerät die Last am Frontlader wie ein Rammbock nach links und nach rechts unkontrolliert ins Schwingen. Und das will niemand zwischen all den vielen Bäumen im Wald.

Doch alles geht gut, der erste Stamm ist sicher auf der Stammauflage platziert. Mit Hilfe von zwei integrierten Winden wird die Fichte nun per Hand auf die gewünschte Sägehöhe gekurbelt.

Gerlach wirft die Säge an. Es wird laut im Wald. Das Sägeschwert frisst sich in den Stamm und immer tiefer ins Holz. Späne fliegen. Es riecht nach frischem Nadelholz. Geführt wird die Säge mit Hilfe eines Seilzuges auf einem Schlitten, der am gesamten Stamm entlang fährt. „Wenn erforderlich, können wir so bis zu fünf Meter lange Bretter in jeder beliebigen Stärke sägen“, berichtet stolz der Wendhausener, während Schwiegervater Willi das erste fertige Brett zur Seite packt. Bis zum Einbruch der Dunkelheit werden noch viele Bretter folgen. Aufgesägt im heimischen Wald. Aus eigenen Bäumen. Mehr Nachhaltigkeit geht nicht, findet Gerlach und packt Säge und Zubehör für heute ins Auto. Morgen geht es weiter. Für Gerlach und seinen Schwiegervater gibt es noch viele Bretter im Wald zu sägen.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Man sieht es sofort – ein toller Kerl braucht weder Schutzbrille noch Visier.

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