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Das einst größte Schiffshebewerk der Welt bekommt bald „Nachbarschaft“.: Die Planung für den Bau einer neuen Schleuse in Scharnebeck geht voran. Foto: phs

Die neue Schleuse kommt

Scharnebeck. Glücklich ist, wer noch einen Sitzplatz bekommt, im völlig überfüllten Gastraum des Hotels Europa in Scharnebeck. Anwohner, Berufsschiffsführer und Ruderer sind am Dienstagabend zum Informationsabend rund um den Bau der neuen Schleuse Lüneburg gekommen. Eingeladen hatte unter anderem die Projektgruppe des Neubauamts für den Ausbau des Mittellandkanals in Hannover (NBA Hannover). Unter der Leitung von Florian Korytko plant die 17-köpfige Projektgruppe 60 Meter westlich des Schiffshebewerks Lüneburg-Scharnebeck den Bau einer neuen Schleuse.

Sie soll dazu beitragen, den Güterverkehr von der Straße und Schiene auf die Wasserwege zu holen. „Der Elbe-Seiten-Kanal ist ein wesentlicher Transportweg für die Güter aus dem Hamburger Hafen. Aber in Lüneburg ist die Schiffsgröße derzeit auf Einheiten bis 100 Meter begrenzt. Wir müssen den aktuellen Anforderungen an den Verkehr gerecht werden“, erklärt Florian Korytko. Im Jahr 2016 habe der Containerverkehr auf dem Elbe-Seitenkanal rund 112.000 Standard-Container umfasst, Tendenz steigend. Das Problem: Viele der modernen Großmotorgüterschiffe und Schubverbände sind zu lang für das Schiffshebewerk. Die neue Schleuse soll mit einer Nutzlänge von 225 Metern Abhilfe leisten und den Wasserweg auch künftig für den Güterverkehr attraktiv halten.

Irgendwann wird das Schiffshebewerk geschlossen.

Das Bauwerk soll als so genannte Sparschleuse errichtet werden. Ein Bauprinzip, bei dem das Wasser für die Schleusung nicht wie üblich aus dem Oberwasser entnommen und dem Unterwasser wieder zugeführt wird. Stattdessen sorgt der Einsatz von Sparbecken innerhalb der Schleuse dafür, dass Schleusungen ganz ohne Eingriff in den Wasserhaushalt des Elbe-Seitenkanals funktionieren. Ein zentraler Aspekt, um die Schleuse autark und damit parallel zum Schiffshebewerk einsatzfähig zu machen.

Erste Hände schießen in die Höhe: „Wird die Schleuse das Schiffshebewerk ersetzen?“ ist eine der Fragen, die die Anwohner bewegt. „Irgendwann wird das Schiffshebewerk geschlossen. Die Schleuse ist ein vorgezogener Ersatzneubau“, erklärt Korytko. 12,50 Meter breit und insgesamt 235 Meter lang soll sie werden, die Neue am Elbe-Seitenkanal in Scharnebeck. Ein weltweit einmaliges Bauprojekt, bei dem Genauigkeit vor Schnelligkeit gehe, betont der Projektleiter. „Wir müssen uns Zeit nehmen, um eine saubere Planung durchzuführen“, erklärt er mit Blick auf die Daten, die der Projektor gerade an die Wand geworfen hat. Mitte der 2020er-Jahre soll demnach der Bau beginnen, Anfang der 2030er-Jahre soll er fertig sein. Angesetzt sind dafür rund 330 Millionen Euro.

Experten verweisen auf ihre Analysen

Gemurmel geht durch die Zuschauerreihen. Ob die Kalkulationen realistisch sind, da scheiden sich die Geister. Überhaupt gehen die Meinungen auseinander: Ist die Schleuse zu lang oder zu kurz, warum eine Schleuse und kein Schiffshebewerk fragt sich mancher. Die Experten verweisen auf ihre Analysen, die Schleuse sei entschiedene Sache. Dennoch, die Planungen stehen ganz am Anfang und man wolle den Bauprozess in all seinen Phasen eng mit den Anwohnern kommunizieren und sei Anregungen gegenüber offen. „Beschleunigung durch Akzeptanz“ nennt Martin Exner, von der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, diesen Prozess. So sind weitere Informationsveranstaltungen geplant, darunter auch ein virtueller Gang durch das Gebäude. Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Als nächstes etwa die Baugrunderkundung mit 39 geplanten Bohrungen und 64 Sondierungen. Denn dem Zufall, so viel wird an diesem Abend ganz klar, will die Projektgruppe der Schleuse Lüneburg-Scharnebeck nichts überlassen.

Von Anke Dankers