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Auch mit Leichenspürhunden hatte die Polizei am Mittwoch den Wald abgesucht. Foto: be

Jetzt sind Ermittler im Labor gefragt

Lüneburg/Lübeck. „Schädel, Knochen und die gefundene Bekleidung gehen zur weiteren spurentechnischen Untersuchung ans Landeskriminalamt nach Hannover“, betonte auf LZ-Anfrage Polizeipressesprecher Kai Richter. Dort finde auch die DNA-technische Untersuchung der Skelett-Teile statt. Die Ermittler hoffen so herauszufinden, ob es sich bei den Funden tatsächlich um die sterblichen Überreste der 1999 ermordeten Geschäftsfrau Monika Crantz aus Ratzeburg handelt, deren Vermögen zum Zeitpunkt ihres Verschwindens umgerechnet knapp 2,6 Millionen Euro betragen haben soll.

Monika Crantz wurde Anfang 2004 für tot erklärt. Das Landgericht Lübeck verurteilte ihren Ehemann Hartmut Crantz im Dezember 2000 wegen Mordes zu lebenslanger Haft – ohne dass die Ermittler eine Leiche präsentieren konnten. Eine andere Strafkammer bestätigte dieses Urteil im Revisionsverfahren. Wenige Wochen später erhängte sich Crantz in seiner Zelle. Er hinterließ einen Abschiedsbrief „An die Verleumder“. Der Fall hatte seinerzeit bundesweit Schlagzeilen gemacht als „Mord ohne Leiche“.

Angehörige erfahren von Funden aus der Zeitung

Die Polizei in Lübeck unterrichtete die Kinder der Toten erst am Donnerstag über den Stand der Ermittlungen. Hintergrund: Die seinerzeit federführende Lübecker Staatsanwaltschaft erfuhr laut „Lübecker Nachrichten“ erst aus der Zeitung von den Knochenfunden. Lüneburgs Polizeisprecher Kai Richter stellt klar: „Wir haben die Kollegen in Lübeck am Mittwoch über die Suchaktion und das Medieninteresse vor Ort informiert.“

Wie berichtet, hatte Förster Oliver Christmann aus Barendorf einen Totenschädel im Wald zwischen Elbe-Seitenkanal und Fernsehturm entdeckt. Daraufhin durchsuchten Bereitschaftspolizisten am Mittwoch das Areal. Unterstützt wurden sie von zwei Hundeführern mit Leichenspürhunden aus Nordhorn und Hameln. Während die Suche mit den Hunden ergebnislos blieb, hatten die Beamten – ausgestattet mit sogenannten „Stöberstäben“ – mehr Erfolg: In der Nähe des Schädelfundortes entdeckten sie weitere menschliche Knochen – unter anderem vom Becken, außerdem Frauenkleidung. „Ob die Textil- mit den Knochenfunden im Zusammenhang stehen, werden wir ebenfalls prüfen“, sagt Richter. Weitere Untersuchungen vor Ort sind laut Polizei derzeit nicht mehr geplant.

Unternehmerin wollte sich scheiden lassen

Rückblende: Es war am 6. Januar 1999 um 13 Uhr, als Monika Crantz ihrem Sohn Stefan ein „tschüs“ nachrief. Der Junge wollte draußen spielen. Ein Braten fürs gemeinsame Essen mit der Tochter war in die Röhre geschoben. Handwerker waren für diesen Tag bestellt. Wenige Tage drauf war ein Termin beim Anwalt anberaumt: Monika Crantz wollte sich scheiden lassen. Hartmut Crantz war im Geschäft – Fitness- und Sonnenstudios – entmachtet und ausgebootet worden. Seine Frau hatte ihm die Vollmacht über die Konten entzogen. An jenem 6. Januar 1999 verschwand die Unternehmerin.

Schnell hatten sich die Lüneburger Fahnder bei den aktuellen Knochenfunden an den Mordfall in Lübeck vor 20 Jahren erinnert: Denn der verurteile Hartmut Crantz war zu seiner Bundeswehrzeit in Lüneburg stationiert, kannte daher das ehemalige Areal zwischen Fernsehturm und Elbe-Seitenkanal. Die Polizei vermutete schon damals, dass der Ehemann die Leiche seiner Frau aufgrund seiner Ortskenntnisse genau in dem Waldstück verscharrt haben könnte, in dem nun die Skelett-Teile gefunden wurden.

„Wir prüfen auch mögliche Zusammenhänge“

Ob es sich bei den sterblichen Überresten tatsächlich um Monika Crantz handelt, möchten die Beamten derzeit weder ausschließen noch bestätigen. „Wir prüfen auch mögliche Zusammenhänge zu Vermisstenfällen und anderen Tötungsdelikten der vergangenen Jahrzehnte“, sagt Richter. Er berichtet außerdem, dass der Schädel und die Knochenfunde zwar Bissspuren von Tieren aufweisen, „aber nach ersten Untersuchungen keine Hinweise auf Gewalteinwirkung zeigen“. Auch hier erhofft sich die Polizei weitere Aufschlüsse durch das Landeskriminalamt.

Die anthropologische Begutachtung des Schädels, die ursprünglich als erstes geplant war, soll nach Richters Worten nun erst nach den Untersuchungen im Landeskriminalamt erfolgen. Sofern dann nicht schon die Identität der Toten geklärt ist. Dass es sich bei den Knochenfunden um die Überreste einer Frauenleiche handeln könnte, zumindest da sind sich die Ermittler ziemlich sicher.

Von Klaus Reschke und Curd Tönnemann

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