Aktuell
Home | Lokales | Zu früh im Leben
Onno ist ein süßer Wirbelwind, aber fürs Foto legte er beim Spielen mal kurz einen Stopp ein und posierte mit Mama Sabrina Peters und Papa Daniel Dreyer. Foto: t&w

Zu früh im Leben

Lüneburg. Quietschvergnügt turnt Onno auf der großen Plastik-Spielzeugeisenbahn herum, tobt mit seinem Bruder Ede durch das Spielzimmer der Lüneburger Kinderklinik. Jeden vorletzten Donnerstag im Monat ist das Zimmer Müttern und Vätern als Treff zum Austausch vorbehalten. Eltern, deren Kinder als Frühchen zur Welt gekommen sind oder deren Neugeborene nach der Geburt krank waren. Wie Onno, der vor vier Jahren das Licht der Welt erblickte.

Eigentlich sollte der Junge im Juli 2014 zur Welt kommen. „Doch Anfang Mai hatte ich Beschwerden im Bauch“, berichtet seine Mutter Sabrina Peters. Nachdem sie bei ihrem Frauenarzt untersucht worden sei, habe es geheißen: Schwangerschaftsvergiftung. Zur Behandlung wurde sie ins Lüneburger Klinikum überwiesen. „Am Tag nach der Aufnahme wurde Onno per Kaiserschnitt in der 32. Woche geholt. Am Abend zuvor hatte mir ein Arzt noch erklärt, wie schwer mein Kind sein würde. Und dass ich mir keine Sorgen machen sollte.“

Station verfügt über Beatmungsplätze

Da alles so schnell ging, sei sie gar nicht groß zum Nachdenken gekommen, sagt Sabrina Peters. Onno brachte bei seiner Geburt 1490 Gramm auf die Waage, gerade mal halb so viel wie im Durchschnitt ein Baby, das nach einer üblichen Schwangerschaft von 40 Wochen zur Welt kommt.

Onno wurde danach auf die Frühgeborenen- und Kinderintensivstation verlegt, wo die kleinen Patienten von speziell ausgebildeten Kinderärzten und Fachkinderkrankenschwestern betreut werden. Die Station verfügt über Beatmungsplätze, da es bei Frühchen aufgrund der noch unreifen Lunge zu Atemstörungen kommen kann. Sabrina Peters, die noch in der Frauenklinik bleiben musste, verbrachte möglichst jede Minute am Bettchen ihres Kindes.

„Nimmt mein Kind genug zu?“

In dieser Zeit sei sie gut geschult worden in der Babypflege, berichtet die Mutter. Und sie sah Onno gut versorgt durch Schwestern und Ärzte, er nahm stetig an Gewicht zu. Als er nach fünf Wochen nach Hause durfte, brachte er immerhin schon 2300 Gramm auf die Waage, „das ist allerdings immer noch ein Kilo unter dem Gewicht, was ausgereifte Babys dann haben“. Die eigentlichen Sorgen hätten dann mit dem Wechsel nach Hause begonnen. Denn ständig begleiteten die Mutter Fragen wie: Nimmt mein Kind genug zu? Bewegt es sich entsprechend seines Alters? Schläft es zu viel? Und was sind die Gründe dafür?

Alltagssorgen, die viele Frühchen-Eltern kennen. Zwar sind die Kinderklinik und niedergelassene Kinderärzte Ansprechpartner, „aber es ist hilfreich, eine Anlaufstelle zu haben, wo man sich unter Betroffenen austauschen kann“, findet Sabrina Peters, ebenso ihr Mann Daniel Dreyer.

Informationen zu Therapiemaßnahmen

Gute Erfahrungen haben sie mit dem Frühchen-Treff gemacht, den die Psychologin Katja Füllekrug im Oktober 2014 gemeinsam mit Schwestern der Intensivstation ins Leben gerufen hat. Eltern und Familienangehörige haben hier die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Kuchen auszutauschen über alle Fragen zur Entwicklung ihres Kindes. Zu erfahren, wie diese bei anderen Frühgeborenen verläuft und welche Probleme es gibt, relativiere die eigenen Sorgen und Ängste, sagt Sabrina Peters. Außerdem gibt es Informationen zu Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, Logopädie oder auch zur Frühförderung, um eventuellen Entwicklungsdefiziten zu begegnen.

Der vierjährige Onno hat sich inzwischen gut entwickelt. Dass er erst mit 20 Monaten laufen konnte – geschenkt. Denn er flitzt längst mit seinem Papa um die Wette.

Von Antje Schäfer

Rat und Austausch

Monatliche Zusammenkünfte

Etwa 45 kleine Patienten, die bei ihrer Geburt leichter als 1500 Gramm sind, werden pro Jahr auf der Frühgeborenen- und Intensivstation des Lüneburger Klinikums versorgt. Betreut werden sie von besonders ausgebildeten Fachkinderkrankenschwestern für Intensivpflege und Anästhesie und spezialisierten Kinderärzten. Die Station, auf der weitere 450 Kinder pro Jahr versorgt werden, hat 21 Betten. Es stehen zehn Beatmungsplätze zur Verfügung.

Der Frühchen-Treff findet immer am vorletzten Donnerstag eines Monats in der Zeit von 10 bis 11.30 Uhr statt. Eingeladen sind alle Eltern mit ihren Kindern, unabhängig vom Geburtsort des Kindes. Ansprechpartnerinnen sind dabei die Psychologinnen Katja Füllekrug und Karolina Mátl sowie Britta Luckow, Pflegerische Perinatalkoordinatorin.

Mehr Informationen unter Tel. (04131) 773269.