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Der Blitzer-Anhänger beim Einsatz in Himbergen in dieser Woche: Es fällt auf, dass kein Uelzener Kennzeichen angebracht ist. Foto: phs

Starenkästen lohnen sich

Lüneburg. Der Spitzenreiter hatte 122 Sachen drauf. In einer geschlossenen Ortschaft wohlgemerkt, wo 50 km/h als zulässige Höchstgeschwindigkeit gilt. Der Mann mit dem Bleifuß wird Post bekommen vom Landkreis Uelzen. Der Autofahrer muss mit drei Monaten Fahrverbot und zwei Punkten in Flensburg rechnen, dazu wird er 680 Euro Bußgeld berappen müssen. Erwischt hat ihn der neue Blitzer, den der Kreis Uelzen seit zwei Monaten einsetzt. Das Besondere: Er steht auf einem Anhänger, ist also flexibel an verschiedenen Orten einsetzbar, und blitzt – einmal aufgebaut und eingestellt – ganz ohne Personal.

Das neue Mittel gegen Temposünder fruchtet. Bis Ende September hat die Anlage rund 2000 Mal ausgelöst, war schon an 18 verschiedenen Standorten im Kreis Uelzen im Einsatz. Der Kreis stellt den Anhänger dort auf, wo erfahrungsgemäß gern mal zu schnell gefahren wird, reagiert aber auch auf entsprechende Hinweise aus den einzelnen Gemeinden.

Rund 2000 Mal in zwei Monaten ausgelöst

Die Investition scheint sich zu lohnen. Der Landkreis hat den Messanhänger vom Hersteller zunächst für die Dauer von zwölf Monaten gemietet. Dafür zahlt er eine Monatsmiete im oberen vierstelligen Eurobereich. Kreispressesprecher Martin Theine zieht eine Zwischenbilanz: „Die tatsächlich bisher eingegangenen Erträge liegen bis einschließlich 24. September bei etwa 5000 Euro. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass zwischen dem Tag der Aufnahme des Bildes bis zum Zahlungseingang durchschnittlich zwei bis drei Monate vergehen. Die tatsächlichen Erträge können also erst Ende Dezember/Anfang Januar verlässlich benannt werden. Es ist aufgrund der Fallzahlen davon auszugehen, dass die Erträge über den Mietaufwendungen liegen werden.“

Überhaupt sprudeln zu schnelle Autofahrer verlässlich stattliche Summen in die Kassen des Kreises. Denn der hat auch stolze 22 stationäre Messsäulen im Dauereinsatz. Theine sagt: „2017 lag die Gesamtzahl bei den stationären Messanlagen bei rund 48.500 Fällen. Das sind durchschnittlich rund 185 Fälle monatlich je Anlage.“ Allerdings seien die tatsächlichen monatlichen Fallzahlen stark von diesem Durchschnitt abweichend. Als höchste monatliche Fallzahl einer Messanlage nennt Theine „gut 3200 Fälle“, als niedrigste „etwa 30 Fälle“. Diese Fälle spülten im vergangenen Jahr rund 1,545 Millionen Euro in die Kreiskasse. Mit etwa 145.000 Euro an Einnahmen rechnet die Verwaltung durch den Blitzer-Anhänger – also bliebe selbst nach Abzug der Monatsmiete ein stattliches Sümmchen übrig.

Da kann der Kreis Lüneburg nicht mithalten. Die sechs festen Starenkästen – je zwei an der Lüneburger Ostumgehung, an der B209 bei Etzen und an der B209 bei Brietlingen – haben im vergangenen Jahr knapp 570.000 Euro in die Kasse gespült. Weil Mitarbeiter darüber hinaus noch täglich an wechselnden Standorten die Geschwindigkeit kontrollieren, kamen 2017 noch einmal 270.000 Euro durch Temposünder hinzu.

90 km/h schneller unterwegs als erlaubt

In diesem Jahr haben die Starenkästen schon rund 11.400 Mal ausgelöst (Stand: 25. September), bilanziert Urte Modlich aus der Pressestelle der Lüneburger Kreisverwaltung. „Die höchste Überschreitung lag bei 90 km/h schneller als die erlaubten 50 km/h außerhalb geschlossener Ortschaft.“ Nach Regelsatz würde das in der Konsequenz drei Monate Fahrverbot und 600 Euro Geldbuße, bei nachgewiesenem Vorsatz sogar 1200 Euro nach sich ziehen.

Auch wenn beide Kreisverwaltungen in der Vergangenheit stets zu betonen bemüht waren, dass die Blitzer vor allem der Sicherheit auf den Straßen und nicht primär als Einnahmequelle dienen, stellt sich angesichts der lohnenden Investitionen die Frage, ob Autofahrer mit weiteren Anlagen rechnen müssen. Aus Uelzen heißt es dazu: „Die Beschaffung eines Messanhängers wird sich im nächsten Jahr klären. Aufgrund des Alters der bestehenden Anlagen laufen derzeit Planungen zum Ersatz, diese Planungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Für Lüneburg sagt Urte Modlich: „Derzeit werden verschiedene Möglichkeiten zur sinnvollen Ergänzung der Verkehrsüberwachung geprüft, sowohl stationäre und mobile Blitzer, als auch Blitzer-Anhänger. Im Zuge der Haushaltsberatungen muss die Politik abwägen, was ihres Erachtens nach sinnvolle Maßnahmen und Anschaffungen sind.“

Von Alexander Hempelmann

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